Der Krieg im Iran hat vieles verändert. Auch Sichtweisen. Ablesen lässt sich das gut an den Absatzzahlen von Gerätschaften, die nichts verbrennen. Elektroautos zum Beispiel und: Wärmepumpen. Deren Absatz zog im ersten Quartal im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 34 Prozent auf 83.500 Exemplare an. Der Bundesverband Wärmepumpe rechnet mit 410.000 Geräten im Gesamtjahr nach 299.000 im Jahr 2025.
Nachdem der Iran wegen der aufgeheizten Stimmung im Nahen Osten die Straße von Hormus sperrte und keine Schiffe mit Öl und Erdgas mehr durchließ, drehten einerseits die Preise für diese Energieträger am Weltmarkt durch. Andererseits entstand auch die Frage, was passiert, wenn sie nicht nur teuer, sondern sogar ernsthaft knapp werden. Die Wirtschaft blickt mittlerweile sorgenvoll auf die deutschen Gasspeicher.
Strom hingegen lässt sich in Deutschland erzeugen, im Idealfall sogar ganz ohne Rohstoffe. Zumindest wenn die Energiewende weiterläuft. Hinzu kommt eine besonders charmante Eigenschaft der Wärmepumpe, die Politik und Erdgasfreunde angesichts ausreichend verfügbarer Energieträger lange unterschätzten: Sie erzeugt viel mehr Wärmeenergie, als man an Elektroenergie hineinsteckt. Den Hauptteil holt sie aus Luft, Erde oder Wasser. Aus einem Teil Strom erzeugt sie in der Spitze fünf Teile Wärme. Das entspräche, nur auf die Elektroenergie bezogen, einem Wirkungsgrad von 500 Prozent. Physikalisch ist das freilich nicht korrekt, weil die anderen Energiequellen mitzählen. Doch sie sind nun mal kostenlos. Eine moderne Gasheizung hingegen mag in der Lage sein, die Energie aus Erdgas fast vollständig in Heizenergie umzusetzen. Mehr aber auch nicht.
Doch Wärmepumpen bringen einen Nachteil mit. Im Gegensatz zu Verbrennern erhitzen sie Heizwasser nur selten auf mehr als 50 Grad Celsius. Ideale Werte liegen noch tiefer. Deshalb sind am Haus zwei Dinge nötig: Die Heizflächen müssen groß sein, sehr gut sind Wand- und Fußbodenheizungen. Zweitens muss das Haus energetisch saniert sein, damit die Wärme dort bleibt, wo sie hinsoll: drinnen.
Wichtige Maßnahmen erklären wir im Info-Kasten weiter unten. Dabei schwebt über allem der sogenannte Wärmedurchgangskoeffizient, der U-Wert, als Kennzahl. Er gibt an, wie viel Wärmeenergie je Quadratmeter nach außen dringt. Je niedriger, desto besser. Ohne hier zu sehr ins Detail zu gehen, nur eine Kennzahl: Indem man alte, doppelverglaste Fenster gegen moderne dreifachverglaste austauscht, lässt sich der U-Wert dort um zwei Drittel drücken. Ähnliche Sparwerte sind drin, wenn man Dach und Wände dämmt.

Ebenfalls gut zur Wärmepumpe passt es, sich mit Solarenergie zu befassen. Photothermieanlagen können Wasser für die Wärmepumpe vorwärmen, damit die nicht mehr so viel zu tun hat. Photovoltaikanlagen hingegen können große Teile jenes Stroms liefern, den die Wärmepumpe braucht. Wobei zu beachten ist: Gerade dann, wenn die Wärmepumpe am meisten zu tun hat, im Winter, liefert die PV-Anlage den wenigsten Strom. In Pfefferminzias Heimatstadt Hamburg stromt im Dezember nicht mal ein Zehntel dessen vom Dach, was im Juli kommt.
Es sind moderne Zeiten, durch globale Krisen extra angefacht, die vor allem das deutsche Eigenheim verändern. Und die Versicherungen. „Wärmepumpen, Photovoltaikanlagen sowie energetische Sanierungsmaßnahmen haben in den vergangenen Jahren deutlich an Bedeutung gewonnen“, berichtet Thomas Diekmann, Vorstand Privatkunden bei der VHV Allgemeinen Versicherung. „Insbesondere Photovoltaikanlagen und Wärmepumpen gehören inzwischen bei Neubauten nahezu zum Standard und werden auch im Bestand immer häufiger nachgerüstet.“
Ähnlich äußert sich Paul Ristock, der die Niederlassung der Oberösterreichischen Versicherung in Deutschland leitet: „Das klassische Wohngebäude besteht heute nicht mehr nur aus Dach, Wänden und Haustechnik im engeren Sinne. Moderne Energie- und Gebäudetechnik wird zunehmend wertbestimmender Bestandteil und muss entsprechend sauber im Versicherungsschutz berücksichtigt werden.“
Denn es ist völlig klar, dass solche Hightech-Geräte ganz andere Risiken mit sich bringen als die alte Ölheizung. „Insgesamt verschiebt sich das Risikoprofil von mechanischen und verbrennungsbedingten Gefahren hin zu elektrischen, elektronischen und softwaregestützten Risiken“, meint Diekmann. Das liegt auf der Hand, schließlich fliegen mit der alten Heizung auch Brenner und Öltank beziehungsweise Gasanschluss raus. Das sind einige Risiken weniger.

Ein wichtiger neuer Aspekt ist auch, dass Teile der Wärmepumpe, zumindest des weitverbreiteten Luft-Wasser-Modells (die mit den großen Ventilatoren), draußen aufgebaut sind. Auch das Wesen der PV-Anlage verlangt es, dass sie aufs Dach oder an die Hauswand geschraubt wird. Angesichts der enormen Gerätepreise beziehungsweise der ideologisch aufgeladenen Umweltdebatte laufen sie dort Gefahr, geklaut oder zerstört zu werden. Von Sturm, Blitz und Starkregen ganz zu schweigen. Zwar empfiehlt beispielsweise der Heizungshersteller Viessmann spezielle Verkleidungen, Schweißpunkte auf der Schraubverbindung und diebstahlhemmende Schrauben, die sich nur mit Spezialwerkzeug lösen lassen. Doch Komplettschutz bieten auch die nicht.
Wer das Haus energetisch aufbügelt, holt sich eventuell neue Brand-, Schimmel- und Feuchtigkeitsrisiken ins Heim. Zumindest wenn es nicht gut gemacht wird. Wobei gerade das Dämmmaterial oft besser ist als sein Ruf. Mineralwolle etwa wird aus Gestein oder Altglas hergestellt und brennt kein bisschen. Allerdings braucht man für sie mehr Platz als etwa für aus Erdöl hergestellte Kunststoffe, die besser dämmen, aber auch besser brennen. Heißt: Man sollte hinschauen, in welche Brandschutzklasse das verbaute Material eingestuft ist, und was es gekostet hat. Schließlich sollte die versicherte Summe mit dem Hauswert mitwachsen.
Ansonsten sind die energetischen Finessen jener Teil der Moderne, der noch am einfachsten zu versichern ist. „Nach Abschluss entsprechender Maßnahmen werden beispielsweise Dämmung oder neue Fenster zu Bestandteilen des versicherten Gebäudes und genießen im Rahmen der vereinbarten Gefahren Versicherungsschutz“, erklärt Lars Fuchs, Vorstandschef des Assekuradeurs Domcura. Damit decken Wohngebäudepolice und Elementarschutz alles mit ab. Versicherungssumme überprüfen und notfalls erhöhen! Und fertig.
Deutlich kniffliger wird es bei PV-Anlage und Wärmepumpe. Fuchs empfiehlt: „Die Wohngebäudeversicherung bleibt die zentrale Absicherung. Entscheidend ist, dass die neue Technik im Versicherungsvertrag berücksichtigt wird. Eigentümer sollten ihrem Vermittler oder Versicherer den Einbau einer Wärmepumpe oder PV-Anlage deshalb vorab mitteilen und sich den Versicherungsschutz bestätigen lassen.“
Neue Tarife erwähnen schon von sich aus diese Bestandteile und schließen sie somit ein. Bei älteren Tarifen ist das nicht immer gegeben. Ist das aber geregelt, schützt die Police schon vor den üblichen Standards Brand, Blitz, Sturm, Hagel und Leitungswasser. Mit dem Elementarschutz kommen noch Starkregen, Überschwemmung und Rückstau hinzu. Vor allem letzterer kann den Keller mit der Heizung erwischen, wenn dort einfach nur ein Waschbecken eingebaut ist.
Was aber ist mit dem erwähnten Diebstahl? Manche Wohngebäudepolicen schließen auch den schon mit ein. Ein Beispiel ist die Oberösterreichische. Deren Tarif „Zuhaus Premium“ springt mit bis zu 20.000 Euro ein, wenn das Außenmodul der Wärmepumpe geklaut wurde. Das ist zwar ein Sublimit, aber angesichts der aktuellen Preise dürfte es locker reichen.
Die VHV setzt sogar noch einen drauf und deckelt erst bei 35.000 Euro. Allerdings nicht im „Klassik-Garant“-, sondern nur im „Exklusiv“-Tarif. Als ausdrücklich mitversicherte Gegenstände gelten PV-Anlagen und Wärmepumpen jedoch in beiden Tarifen. Und nicht nur das. „Darüber hinaus hat die VHV den Versicherungsschutz unter anderem für Ertragsausfälle, Bedienungsfehler, Überspannungsschäden und weitere technische Risiken erweitert“, teilt Thomas Diekmann mit. Das geht deutlich über die Standards in Wohngebäudepolicen hinaus.
Gerade der Ertragsausfall ist ein wichtiger Aspekt an der PV-Anlage: Sollte sie ausfallen, lässt sich kein Strom mehr ins Netz einspeisen, und Vergütung bricht weg. Und das ist nicht mal das Hauptproblem. Vor allem sogenannte Inselanlagen sollen einfach nur den Betreiber unabhängig machen. Schlimmer ist deshalb, dass man dann ersatzweise Strom aus dem Netz hinzukaufen muss, bis die Anlage wieder läuft.
Das und die anderen von Diekmann erwähnten Schadenursachen deckt die VHV über einen hinzubuchbaren Baustein ab, von denen sie neuerdings mehrere anbietet. Einer bietet Allgefahrenschutz für Wärmepumpen, Geothermie und Solarthermie. Ein anderer deckt PV-Anlagen über Allgefahrenschutz mit Elektronik- und Ertragsausfallversicherung ab. Damit lassen sich diese speziellen Risiken direkt an die Wohngebäudeversicherung anflanschen. Wer das nicht will, kann über „Solarprotect“ und „Wärmepumpenprotect“ alles über separate Verträge absichern.
Ähnliches bei der Oberösterreichischen. Paul Ristock empfiehlt von vornherein die hauseigene PV-Versicherung „Klimapro“, die als separate Police für PV-Anlagen und Solarthermie greift. Sie übernimmt bis zu 360 Tage lang „nachgewiesene Kosten für den alternativen Strombezug“. Zu finden ist der Passus im Abschnitt, der den Ertragsausfall behandelt. Auch hier lohnt ein Blick auf die Details. Die VHV deckelt den Ersatz für Fremdstrom auf 500 Euro im Jahr (die Oberösterreichische nicht) und einen Zeitraum von lediglich sechs Monaten.
Und die Domcura? Sie bietet gegen Preisaufschlag Allgefahrendeckung für „Anlagen der erneuerbaren Energie“, zu denen sie Wärmepumpen, PV-Anlagen und sogar kleine Windräder zählt. Im „Exklusiv-Schutz“, dem Premiumtarif des Hauses, ist das sogar von vornherein enthalten.
Es sind Beispiele, wie drei Versicherer das Thema handhaben. Beispiele, wie gut sich die Branche auf die neue Technik eingestellt hat. Wobei … so neu ist die gar nicht. Die erste Wärmepumpe ging schon 1834 in Betrieb. Nur sollte sie damals noch: kühlen.
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