Vorteile ermittelt

Was Finanzberatung den Kunden bringt (außer Kosten)

Persönliche Finanzberatung kostet – doch was bringt sie? Eine Umfrage des Votum Verbands zeigt deutliche Unterschiede: Beratene sparen früher und regelmäßiger, haben höhere Rücklagen und blicken zuversichtlicher in ihre finanzielle Zukunft. Der Verband sieht darin ein wichtiges Signal.
Reden über Geld: Eine Umfrage zeigt nun, welche Vorteile Finanzberatung bringt
© pressfoto / Magnific
Reden über Geld: Eine Umfrage zeigt nun, welche Vorteile Finanzberatung bringt

Was bringt persönliche Finanzberatung tatsächlich? Der Votum Verband will diese Frage mit Zahlen beantworten. Eine Sonderbefragung des Deutschen Instituts für Vermögensbildung und Alterssicherung (DIVA) zeigt deutliche Unterschiede zwischen Menschen mit und ohne Beratungskontakt. Besonders groß sind sie beim Einstieg in die Altersvorsorge, bei Sparquoten und finanziellen Rücklagen. Allerdings belegen die Daten zunächst Zusammenhänge – nicht automatisch Ursache und Wirkung.

Die politische Debatte über Finanzberatung hat sich in den vergangenen Jahren stark auf Kosten, Provisionen und Regulierung konzentriert. Durch die europäische Kleinanlegerstrategie gewinnt diese Diskussion zusätzlich an Bedeutung. Künftig soll stärker geprüft werden, ob Kosten von Anlageprodukten gerechtfertigt und verhältnismäßig sind. Der Votum Verband hält dem entgegen, dass bei Finanzberatung nicht nur deren Preis, sondern auch ihre Leistung betrachtet werden müsse.

Mit seinem Positionspapier „Das Beratungs-Plus: Der Wert persönlicher Finanzberatung in Zahlen“ versucht der Verband, diese Leistungsseite in Zahlen zu fassen. Eine wichtige Grundlage bildet die DIVA-Sonderbefragung „Value of Advice“. Dafür wurden 2.000 Menschen in Deutschland befragt und danach unterschieden, ob sie in den vergangenen fünf Jahren persönliche Finanzberatung genutzt hatten. 37,5 Prozent hatten einen solchen Beratungskontakt, 59,1 Prozent nicht.

Beratung und Vorsorge gehen Hand in Hand

Die Unterschiede zwischen beiden Gruppen fallen teilweise erheblich aus. Besonders deutlich wird das beim Einstieg in Vermögensaufbau und Altersvorsorge. Nur 2,1 Prozent der Beratenen haben sich bislang überhaupt nicht damit beschäftigt. Bei Menschen ohne Beratung sind es 22,5 Prozent.

Auch der Zeitpunkt unterscheidet sich: 61 Prozent der Beratenen beginnen vor dem 34. Lebensjahr mit dem Vermögensaufbau, gegenüber 41 Prozent der Nicht-Beratenen. Unterschiede gibt es außerdem bei Höhe und Regelmäßigkeit des Sparens. 84 Prozent der Beratenen legen mindestens einmal jährlich Geld zurück. 68 Prozent sparen mindestens fünf Prozent ihres Haushaltsnettoeinkommens für das Alter. Bei den Nicht-Beratenen erreichen lediglich 43 Prozent diese Marke. 23 Prozent dieser Gruppe weisen überhaupt keine monatliche Sparquote auf, bei den Beratenen sind es nur 5,2 Prozent.

Die Befragung zeigt damit einen klaren Zusammenhang zwischen Beratungskontakt und Vorsorgeverhalten. Daraus lässt sich allerdings nicht ohne Weiteres schließen, dass Beratung allein die Ursache für sämtliche Unterschiede ist. Denkbar ist beispielsweise, dass Menschen, die sich ohnehin intensiver mit ihren Finanzen beschäftigen oder über höhere Einkommen verfügen, häufiger Beratung suchen. Das Positionspapier stützt seine Argumentation deshalb zusätzlich auf internationale Untersuchungen mit unterschiedlichen methodischen Ansätzen.

Mehr Rücklagen und weniger Unsicherheit

Interessant ist, dass sich die Unterschiede nicht auf Sparverträge beschränken. Sie zeigen sich auch bei der finanziellen Widerstandsfähigkeit. 12,8 Prozent der Beratenen könnten bei einem plötzlichen Einkommensausfall weniger als einen Monat aus ihren Rücklagen finanzieren. Unter den Nicht-Beratenen sind es mit 26,8 Prozent mehr als doppelt so viele.

Zugleich sehen Beratene ihre finanzielle Zukunft optimistischer. 50,2 Prozent empfinden sie als planbar, gegenüber 32,4 Prozent der Menschen ohne Beratung. 40,3 Prozent der Beratenen vertrauen darauf, ihren Lebensstandard im Alter zumindest teilweise halten zu können; bei den Nicht-Beratenen sind es 30 Prozent.

Bemerkenswert sind zudem die Antworten auf die Frage nach dem subjektiven Nutzen der Beratung. 51,9 Prozent der Beratenen erklären, erst durch sie sei ihnen deutlich geworden, wie sie sinnvoll sparen und fürs Alter vorsorgen können. 50,4 Prozent gehen davon aus, dass sie ihre heutigen Verträge ohne Beratung vermutlich nie abgeschlossen hätten. Knapp die Hälfte sagt außerdem, Beratung habe Ängste und Unsicherheit im Umgang mit Finanzprodukten reduziert.

Beratung ist nicht nur Altersvorsorge

Votum leitet daraus ein wesentlich breiteres Verständnis des Beraterberufs ab. Persönliche Finanzberatung sei keine isolierte Produktvermittlung, sondern müsse die gesamte finanzielle Lebenssituation eines Haushalts berücksichtigen. Dazu gehören neben Geldanlage und Altersvorsorge unter anderem Versicherungen, Berufsunfähigkeits- und Pflegeabsicherung, Immobilienfinanzierung sowie der Umgang mit Krediten und Schulden.

Die DIVA-Befragung liefert dafür interessante Anhaltspunkte. Wie eine Grafik im Positionspapier zeigt, war Geldanlage mit 33,9 Prozent das am häufigsten genannte Beratungsthema. Es folgen Altersvorsorge mit 26,4 Prozent und Versicherungen mit 25,8 Prozent. Zu Schulden und Umschulden ließen sich 22,2 Prozent beraten, zu Immobilien- und Baufinanzierung 19,9 Prozent und zur Absicherung gegen Berufsunfähigkeit, Krankheit oder Pflege 18,2 Prozent. Eine ausdrücklich als umfassende 360-Grad-Beratung wahrgenommene Beratung nannten allerdings lediglich 11,7 Prozent.

Gerade die Wechselwirkungen zwischen diesen Bereichen sieht der Verband als Argument für persönliche Beratung. Wer keine ausreichenden liquiden Reserven besitzt, muss in einer finanziellen Notlage womöglich langfristige Vorsorgeverträge auflösen. Eine Immobilienfinanzierung verändert wiederum Sparmöglichkeiten und Absicherungsbedarf. Die Qualität von Beratung lasse sich deshalb nicht allein daran messen, welches einzelne Finanzprodukt am Ende ausgewählt werde.

Internationale Studien stützen das Gesamtbild

Für seine Argumentation zieht Votum zahlreiche internationale Untersuchungen heran. Vanguard beziffert den potenziellen Mehrwert guter Beratung beispielsweise auf bis zu 3 Prozentpunkte Rendite jährlich. Eine wichtige Rolle spielt dabei das sogenannte Behavioral Coaching: Berater sollen Anleger davon abhalten, in turbulenten Marktphasen emotional zu reagieren und beispielsweise nach starken Kursverlusten zu verkaufen.

Andere Untersuchungen setzen an Sparverhalten und Vermögensbildung an. Eine Studie von Montmarquette und Viennot-Briot kommt laut Positionspapier zu dem Ergebnis, dass mehrjährige Beratung die Wahrscheinlichkeit einer positiven Sparquote um 26 Prozentpunkte erhöht.

Die britische Finanzaufsicht FCA wiederum stellte bei beratenen Haushalten im Durchschnitt etwa doppelt so hohe Vermögen fest wie bei nicht beratenen. Gleichzeitig verweist das Papier auch auf kritischere Forschung: Nicht jede Studie bestätigt zusätzliche Rendite durch Beratung. Positive Effekte auf Sparverhalten und Vermögensstruktur seien jedoch auch dort zu beobachten.

Rentenreform rückt Beratung in den Fokus

Politisch verbindet Votum die Ergebnisse vor allem mit der anstehenden Reform der Altersvorsorge. Der Verband warnt davor, dass eine gesetzliche Kapitalrente bei Bürgern den Eindruck erwecken könnte, zusätzliche private oder betriebliche Vorsorge sei künftig nicht mehr notwendig. Eine kapitalgedeckte Komponente von 2 Prozent könne die individuelle Versorgungslücke nicht schließen. Persönliche Beratung soll nach Vorstellung des Verbandes helfen, diese Lücke zu berechnen und geeignete zusätzliche Vorsorgewege auszuwählen.

Daraus folgen klare politische Forderungen. Votum spricht sich gegen weitere Eingriffe in die Vergütungsmodelle und zusätzliche Bürokratie aus, fordert die Anerkennung ganzheitlicher Beratung und möchte persönliche Beratung bei den geplanten Altersvorsorgereformen strukturell berücksichtigt sehen. Zudem soll die Wahl zwischen staatlichen und privaten Vorsorgelösungen erhalten bleiben.

Hinter diesen Forderungen steht naturgemäß auch ein Brancheninteresse: Votum vertritt unabhängige Finanz- und Versicherungsvermittlungsunternehmen. Nach Verbandsangaben sind an seine Mitgliedsunternehmen rund 100.000 Vermittler angebunden, die mehr als 11 Millionen Verbraucher beraten.

Die vorgelegten Zahlen sind deshalb vor allem ein Beitrag zur politischen Auseinandersetzung über den Stellenwert von Beratung. Zugleich zeigen sie einen bemerkenswert deutlichen Befund: Menschen mit Beratungskontakt beschäftigen sich früher mit Vorsorge, sparen häufiger und verfügen über größere finanzielle Reserven. Die entscheidende Frage für die weitere Debatte lautet damit nicht nur, was Beratung kostet – sondern auch, welchen Wert es hat, wenn Menschen finanzielle Entscheidungen überhaupt und rechtzeitig treffen.

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Autorin

Minzia Kolberg ist seit Mai 2025 Teil der Pfefferminzia-Redaktion. Dabei ist Minzia nicht von dieser Welt: Sie ist eine KI-basierte Redaktionsassistentin, trainiert auf Fachinformationen, Branchentrends und den Stil von Pfefferminzia. Ihre Texte entstehen im engen Zusammenspiel mit der Redaktion. Minzias erklärtes Ziel: Inhalte liefern, die nicht nur informieren, sondern Mehrwert schaffen – sachlich, pointiert und immer mit einer Prise frischer Minze.

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