Ruhestandsplanung

Die fünf größten Fehler vor Rentenbeginn

Wenn der Ruhestand in Sichtweite rückt, sollte im Idealfall auf eine frühzeitig begonnene Altersvorsorge eine valide Ruhestandsplanung folgen. Doch gerade in den letzten Jahren vor dem Renteneintritt machen nicht wenige Menschen unnötige Fehler. Diese fünf Fehler sollten auf jeden Fall vermieden werden.
Vater und Sohn spielen lachend im Park auf der Wiese.
© Magnific/Prostooleh
Ein Mittfünfziger verbringt Zeit mit seinem Sohn im Park: Zur Ruhestandsplanung gehört auch, die Familie frühzeitig einzubeziehen.

Fehler 1: Keinen Plan zu haben

Wer ohne konkrete Planung in den Ruhestand geht, riskiert ein böses Erwachen. Viele angehende Rentner unterschätzen, wie stark sich Alltag und Finanzen verändern. Die gesetzliche Rente allein reicht selten aus, um den gewohnten Lebensstandard zu halten. Ohne Plan fehlt der Überblick über die künftigen Einnahmen und Ausgaben. Zudem wird die Inflation oft ignoriert, die die Kaufkraft über die Jahre massiv entwertet. Oftmals betrifft die Planlosigkeit auch die Strukturierung des Alltags: Der plötzliche Wegfall der Arbeit kann ein tiefes emotionales Loch hinterlassen. Ein erfolgreicher Ruhestand erfordert daher mehrere Jahre Vorlaufzeit. Idealerweise wird der Ruhestand bereits mit 50 bis 55 Jahren geplant. In dieser Phase sollten Rentenlücken berechnet, Fixkosten überprüft und gegebenenfalls neue Lebensziele festgelegt werden.

Fehler 2: Das Kapital für die Altersvorsorge zunächst aufs Bankkonto zu packen.

Nach dem Arbeitsleben parken viele Senioren ihre ausbezahlte Lebensversicherung oder ihre Abfindung aus Sicherheitsgründen auf dem Giro- oder Tagesgeldkonto. Sie scheuen jegliches Risiko. Doch genau dieses Sicherheitsdenken kostet erheblich Rendite. Bei den aktuell überschaubaren Zinsen und der gleichzeitigen Inflation verliert das Geld auf dem Bankkonto kontinuierlich an Wert. Wer sein Vermögen über 20 oder 30 Jahre im Ruhestand retten will, darf es nicht unverzinst liegen lassen. Stattdessen sollte das Kapital intelligent strukturiert werden. Nur ein Teil gehört als eiserne Reserve aufs Tagesgeldkonto, der Rest muss jedoch renditestark arbeiten, um den Kaufkraftverlust auszugleichen.

Fehler 3: Den Investitionsaspekt zu unterschätzen.

Der Ruhestand ist kein Zeitpunkt, an dem die Geldanlage schlagartig endet, sondern eine Phase, die oft zwei Jahrzehnte oder länger andauert. Viele Rentner begehen den Fehler, mit dem Tag des Renteneintritts sämtliche Investitionen zu stoppen und nur noch zu entsparen. Dabei kann das aktuell nicht benötigte Kapital auch im Alter weiterwachsen. „Es gilt, das Portfolio zwar defensiver, aber dennoch renditeorientiert auszurichten.  Kapitalmarktorientierte Anlage und Vermögensverzehr müssen Hand in Hand gehen“, sagt Christian Nuschele, Head of Distribution bei Standard Life. Dafür gibt es eine Auswahl geeigneter, renditestarker Produkte im Rahmen der Ruhestandsplanung.

Fehler 4: Nur an sich zu denken und die familiären Verhältnisse außen vorzulassen.

Finanzplanung im Alter ist keine Solo-Veranstaltung. Wer die Familie ausblendet, riskiert Krisen. Nicht selten wird vergessen, den Partner oder die Partnerin ausreichend abzusichern. Was passiert, wenn der Hauptverdiener stirbt? Reicht die Witwenrente aus? Auch Schenkungen und das Erbe sollten frühzeitig strukturiert werden, um dem Staat nicht unnötig Steuern zu überlassen. Zudem wird das Thema Pflegebedürftigkeit in der Familie häufig nicht thematisiert. Tritt der Pflegefall ein, werden Angehörige emotional und finanziell extrem belastet. Ein offener Dialog mit dem Partner und den Kindern über Vollmachten, Testamente und die Pflegeabsicherung ist zwingend notwendig, um den familiären Frieden und das Vermögen langfristig zu schützen.

Fehler 5: Den Vorteil von Leibrenten zu unterschätzen.

Viele angehende Rentner bevorzugen Einmalzahlungen, weil sie die volle Kontrolle über ihr Kapital behalten wollen. Dabei verkennen sie den enormen psychologischen und finanziellen Wert einer Leibrente. Denn das größte Risiko im Alter ist das Langlebigkeitsrisiko, das regelmäßig deutlich unterschätzt wird. Reicht das selbst verwaltete Kapital bis zum Lebensende? „Eine garantierte Leibrente nimmt diese Sorge, da sie eine lebenslange monatliche Zahlung  liefert. Sie bildet ein sicheres Fundament, das unabhängig von Börsenschwankungen kalkulierbar ist“, so Nuschele. Wer diese Option von vornherein ausschlägt, verzichtet auf die beruhigende Sicherheit einer unkündbaren, lebenslangen Einkommensquelle.

Fazit: In der Regel treten eine oder mehrere dieser Fehleinschätzungen vor allem bei unberatenen Menschen auf. Wer sich hingegen rechtzeitig vor dem Renteneintritt zur Ruhestandsplanung professionell beraten lässt, geht auf Nummer sicher und optimiert seine finanziellen Möglichkeiten für den Ruhestand.

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Autor

Oliver Lepold ist Dipl.-Wirtschaftsingenieur und freier Journalist für Themen rund um Finanzberatung und Vermögensverwaltung. Er schreibt regelmäßig für Pfefferminzia und andere Versicherungs- und Kapitalanlage-Medien.

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