340 Millionen Euro Beitragsvolumen zum Jahresende 2025, rund 1,1 Millionen Kunden und ein organisches Wachstum von über 40 Prozent im Vergleich zum Vorjahr: Die Zahlen der Bavaria-Direkt können sich sehen lassen, gar keine Frage. Und doch ergibt sich jene Frage, die auch ein Journalist in der Pressekonferenz des Direktversicherers direkt stellte: Wann will er eigentlich Geld verdienen?
Die Antwort von Vorstandschef Christian Krams kam klar und ohne Umschweife: noch nicht so bald. „Unser Ziel ist es jetzt, Marktanteile zu gewinnen“, sagte er. Der Leitsatz des Unternehmens laute „maximales Wachstum bei Auskömmlichkeit“ – also: wachsen, solange es sich rechnet, aber nicht auf Kosten der Substanz. Die Combined Ratio für 2025 lag bei 99,3 Prozent, also knapp unter der Grenze zur Verlustzone. Das sei Absicht, betonte Krams: „Wir hätten ohne Probleme eine deutlich günstigere Combined zeigen können, was dann aber zu einem geringeren Wachstum geführt hätte.“
Auf die Frage, ab wann das Unternehmen auf Ertrag umschalte, antwortete er: Das lasse sich heute noch nicht sagen. Der Markt für Direktversicherungen wachse, und Bavaria-Direkt wolle einen möglichst großen Anteil davon gewinnen. Theoretisch könnte man die Wachstumsbremse schon heute ziehen – man tue es aber bewusst nicht. Das nächste Etappenziel ist ein Beitragsvolumen von 500 Millionen Euro, allerdings ohne festes Jahresziel, da man je nach Marktlage flexibel reagieren wolle.
Rückenwind bekommt diese Strategie durch sinkende Stückkosten. Mit wachsendem Volumen greife ein Degressionseffekt: Die Kostenquote liegt inzwischen unter 20 Prozent und soll weiter sinken. Möglich macht das vor allem die konsequente Investition in Automatisierung und moderne Systemarchitektur – verbunden mit dem bewussten Verzicht auf technische Schulden. Derzeit belegt Bavaria-Direkt unter den deutschen Direktversicherern Platz fünf. Die mittelfristige Ambition lautet: unter die Top 3.
Dass Bavaria-Direkt so aggressiv wachsen kann, ohne den Betrieb aus den Fugen zu bringen, liegt vor allem an einem: dem konsequenten Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI). Schon lange vor dem aktuellen KI-Hype. Das betonte Vorständin Katja Gerke, verantwortlich für Prozesse, Daten und IT: „Für uns ist es ganz besonders wichtig, dass KI den Sprung schafft von den Präsentationen der Berater hin in die wirkliche Wertschöpfungskette unseres Unternehmens.“
Dreh- und Angelpunkt dafür ist die IT-Architektur. Bereits beim Eingang von Kundenanfragen – egal ob per Post, Telefon oder E-Mail – sorgt ein KI-gestütztes Inputmanagement für Datenqualität und Vollständigkeit. An einem konkreten Beispiel machte Gerke deutlich, wie das in der Praxis funktioniert: Eine Kundin meldet nach dem Umzug ihre neue Adresse per E-Mail – vergisst aber die Hausnummer. Das KI-System erkennt die fehlende Angabe sofort, steuert automatisch einen weiteren KI-Agenten an, der die Kundin in Echtzeit um Ergänzung bittet. Das Ergebnis: Die Adressänderung wird ohne menschliches Eingreifen vollständig verarbeitet.
Noch weiter geht der KI-Einsatz im Schadenbereich, den Vorständin Mareike Steinmann-Baptist verantwortet. Zwei zentrale Prozessschritte sind dort bereits vollständig KI-gestützt: die Deckungsprüfung und die Haftungsprüfung. Beim Haftungscheck greift die KI auf Rechtsprechungsdatenbanken und Gerichtsurteile zurück, um fundiert empfehlen zu können. Gleichzeitig bereitet sie verständliche Kommunikation für den Kunden vor.
Wichtig ist dabei das sogenannte „Human-in-the-loop“-Prinzip: Die KI empfiehlt, der Mensch entscheidet. Für die Umsetzung dieses Zusammenspiels hat Bavaria-Direkt eine neue Rolle geschaffen: den Workflow-Manager. Dieser begleitet standardisierte Vorgänge entlang des Prozesses und stellt sicher, dass alle notwendigen Daten vorliegen – während spezialisierte Schadenexperten sich auf komplexere Fälle konzentrieren.
Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Im Schadenbereich liegt die Automatisierungsquote bereits bei rund 40 Prozent, im Betrieb und Service werden knapp 80 Prozent der Vorgänge vollautomatisch verarbeitet.
Für die Zukunft rechnet das Unternehmen damit, dass KI auch im Vertrieb eine immer größere Rolle spielen wird. Krams geht davon aus, dass Kunden schon bald nicht mehr nur Fragen an KI-Bots stellen, sondern Versicherungen direkt über diese abschließen – und KI-Agenten unter definierten Rahmenbedingungen sogar eigenständig Verträge optimieren werden. „Wir sind jetzt schon in Gesprächen mit den Bigtech-Anbietern“, sagte er.
Als wichtigen Vertriebskanal sieht man bei Bavaria-Direkt den Makler. Er erfülle im Grunde dieselbe Funktion wie ein preissensibler Kunde, der selbst Vergleichsportale nutzt. Er vergleicht Produkte nach Leistung und Preis und sucht für seinen Kunden das beste Angebot. Wer diesen Vergleich nicht selbst vornehmen will, delegiert diese Aufgabe an einen Makler. „Das sind wirklich sehr ähnliche Märkte und damit auch Vertriebswege, die zu einem Direktversicherer passen“, so Krams.
In der Praxis arbeitet Bavaria-Direkt weniger mit Einzelmaklern, sondern vor allem mit großen Maklerpools zusammen. Und dieser Kanal hat sich zu einem der wichtigsten Wachstumstreiber entwickelt: Der Maklervertrieb legte im vergangenen Jahr um 60 Prozent zu – und damit deutlich stärker als das ohnehin starke Gesamtwachstum von 40 Prozent. Künftig soll dieser Kanal noch weiter ausgebaut werden.
Bavaria-Direkt ist der Direktversicherer im Konzern der Versicherungskammer und seit 2008 am Markt. Mit rund 1,1 Millionen Kunden zählt das Unternehmen zu den am stärksten wachsenden Direktversicherern in Deutschland.
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