Pflegearmut ist längst kein Randphänomen mehr. Laut einer repräsentativen Meinungsumfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach berichtet fast jede zweite Pflegeperson in Deutschland davon, durch Pflegekosten das eigene Heim oder wesentliche Teile des Ersparten verloren zu haben. In der Gesamtbevölkerung liegt dieser Anteil bei 31 Prozent – ebenfalls ein alarmierender Wert. Die Umfrage geschah für den neuen Pflegereport der DAK-Gesundheit.
„Wenn jede zweite Pflegeperson bei sich oder im Umfeld durch Pflege das eigene Haus oder den Großteil der Ersparnisse verliert, dann ist das sozialer Sprengstoff“, sagt DAK-Vorstandschef Andreas Storm. Er fordert Bund und Länder auf, eine umfassende Pflegereform auf den Weg zu bringen – mit dem Ziel, Heimkostenexplosionen zu begrenzen und die finanzielle Schieflage kommunaler Haushalte nicht weiter zu verschärfen.
Für die Sonderanalyse befragte das Allensbach-Institut im Februar 2026 gemeinsam mit Studienleiter Thomas Klie mehr als 2.100 Menschen zwischen 16 und 75 Jahren. Das Ergebnis ist eindeutig: Zwei Drittel der Befragten beurteilen die aktuelle Lage in der Pflege als schlecht, die Hälfte erwartet eine weitere Verschlechterung. Konsequenterweise halten 69 Prozent eine umfassende Reform des Pflegesystems für notwendig.
Dabei zeigt sich eine bemerkenswerte Reformbereitschaft: Jeder zweite Befragte wäre für eine nachhaltige Verbesserung der Versorgung zu spürbaren Einschnitten bereit. Allerdings gibt es klare rote Linien. Kürzungen beim Pflegegeld lehnen 67 Prozent der Befragten ab – eine deutliche Botschaft an die Politik.
Dass eine Reform Geld kostet, ist den Menschen bewusst. 61 Prozent der Befragten halten Beitragserhöhungen oder Leistungskürzungen für unvermeidlich. Die Hälfte rechnet mit deutlich steigenden Pflegebeiträgen, weitere 36 Prozent zumindest mit einem moderaten Anstieg. Und 51 Prozent würden höhere Beiträge akzeptieren, sofern der Staat die Absicherung von Pflegebedürftigkeit vollständig übernimmt.
Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) hatte angekündigt, bis Mitte Mai einen ersten Reformentwurf für die soziale Pflegeversicherung vorzulegen. DAK-Chef Storm mahnt dabei vor allem Gerechtigkeit an: „Wir brauchen eine Finanzierungsarchitektur mit einer fairen und nachhaltigen Verteilung der Lasten auf Beitragszahlende, Steuerzahlende und Pflegebedürftige.“ Ohne eine gerechte Aufteilung werde die Reform keine gesellschaftliche Akzeptanz finden, so Storm.
Die DAK-Gesundheit ist mit rund 5,4 Millionen Versicherten die drittgrößte Krankenkasse Deutschlands. Etwa 560.000 ihrer Versicherten beziehen derzeit Leistungen der Pflegekasse.
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