Erstaunliche Combined Ratio

KFZ-Versicherung: Was die VHV anders gemacht hat

Im (sehenswerten) Zahlenwerk der VHV Gruppe für 2025 springt insbesondere die Schaden-Kosten-Quote in der KFZ-Versicherung ins Auge. Sie ist Resultat einer schmerzhaften Maßnahme in der Vergangenheit – die nun aber wohl ausgestanden ist.
Mann in Anzug bei VHV KFZ-Versicherung mit freundlichem Lächeln.
© VHV Gruppe
Sebastian Reddemann, Vorstandssprecher der VHV Allgemeine Versicherung: Lieber keine Salami-Taktik fahren

Die Schadeninflation drückt, die Ersatzteilpreise klettern, und Werkstätten rechnen pro Stunde inzwischen über 7 Prozent teurer ab als noch vor wenigen Jahren. Die KFZ-Versicherung kämpft damit und landete branchenweit mit ihrer Schaden-Kosten-Quote (Combined Ratio) in der verlustträchtigen Zone über 100 Prozent. Sogar die Bafin schaltete sich ein und warnte vor längerfristigen Verlusten.

Umso interessanter ist die Zahl, die auf der Jahres-Medienkonferenz der VHV Gruppe ins Auge springt. Denn sie weist fürs Kraftfahrtgeschäft 2025 eine Combined Ratio von 95,9 Prozent aus, und zwar nach ebenfalls profitablen 97,8 Prozent im Jahr zuvor. Hatte der Versicherer aus Hannover irgendeine Kurve früher genommen?

Fragen wir also nach, wie er das hinbekommen hat. Im Kern über eine Entscheidung, die kurzfristig schmerzen musste: Der Versicherer zog seine Beiträge früher und stärker hoch als die Konkurrenz. „Wir wollten diesen extremen Inflationsanstieg einmal ausgleichen, statt eine Salami-Taktik zu fahren“, erklärt Vorstandssprecher Sebastian Reddemann.

Beitragszuwachs von 15,5 Prozent

Das Ergebnis zeigt sich in den Zahlen: Die KFZ-Beiträge wuchsen um 15,5 Prozent – größtenteils aus steigenden Beiträgen, aber bei gleichzeitig stabiler Zahl von 7,9 Millionen Verträgen. Storno? Unterm Strich kaum. Den Kunden war in einer Phase, in der das Thema Inflation sowieso in aller Munde war, offenbar klar, warum die Prämien stiegen.

An dieser Stelle hakt Vorstandschef Thomas Voigt ein und richtet dankende Worte in Richtung Vertrieb: „Wir sind sehr stolz darauf, dass wir bei diesen notwendigen Beitragssteigerungen unsere Vertragsanzahl stabil halten konnten. Und dass unsere Vertriebspartner auch unsere Kundinnen und Kunden erfolgreich überzeugen konnten, dass diese Beitragssteigerungen nicht allein auf Gewinne, sondern wirklich auf Stabilisierung des Gesamtbestandes und damit auch seiner Zukunftsfähigkeit ausgerichtet sind.“ Weshalb große Umdeck-Aktionen eben ausblieben.

Für den Jahreswechsel 2025/26 kündigt Reddemann übrigens deutlich moderatere Maßnahmen an: Die Inflations-Altlast sei abgegolten, so der Vorstand, künftige Erhöhungen würden sich eng am beobachteten Schadentrend orientieren.

Telematik setzt sich (noch) nicht durch

Insgesamt versichert die VHV Allgemeine heute rund 3,35 Millionen Fahrzeuge. Das KFZ-Geschäft macht rund zwei Drittel des Schadenunfall-Portfolios aus und damit gut ein Drittel des Gesamtgruppenvolumens.

Könnte denn Telematik helfen, Schäden einzudämmen und Kosten zu senken? Noch nicht wirklich. Die VHV bietet zwar Telematik-Tarife an, erreicht damit aber nur eine „absolut untergeordnete“ Rolle im Gesamtbestand. Doch das hat nicht nur mit der VHV zu tun. Reddemann: „Es kommt in Deutschland nicht so stark an wie in anderen Ländern, wo es teilweise sogar Pflicht ist, Telematik zu nutzen. Zum Beispiel in Süditalien.“

Dabei klingt alles erstmal gar nicht so übel. 10 Prozent Sofortrabatt gibt es beim Einstieg, weiterer Spielraum für sinkende Prämien eröffnet sich durchs Fahrverhalten. Das Konzept funktioniert durchaus. Wer es einmal nutzt, bleibt dabei, beobachtet die VHV.

Warum ist es dann nicht weiter verbreitet? An dieser Stelle stellen die VHV-Leute klar, dass sie das nicht wirklich steuern können. Sie bieten die Tarife an, in Ordnung. Sie winken mit Rabatten, auch klar. Aber am Ende bringen die Vermittler die Police zu den Kunden. Sie müssen sie erklären und auf Datenschutzbedenken eingehen. Und manchmal sind sie nicht mal selbst Freunde der Telematik. Weshalb der Versicherer darauf verzichtet, das Thema durchdrücken zu wollen, sondern sich lediglich darauf verlegt, es anzubieten.

Starke Zahlen für 2025

Insgesamt lässt sich festhalten, dass die VHV Gruppe ein sehr ordentliches Jahr 2025 hingelegt hat. Die Bruttobeiträge überstiegen erstmals die Marke von 4,5 Milliarden Euro, ein Zuwachs von 8,3 Prozent. Die Zahl der Verträge kletterte leicht von 12,8 auf 12,9 Millionen Stück.

Die gesamte Combined Ratio kommt gegenüber dem KFZ-Geschäft mit 94,2 Prozent sogar noch ein Stückchen tiefergelegt daher. Nicht zuletzt half dabei das (schon mehrfach erwähnte) relativ schadenarme Jahr. Das operative Ergebnis zog kräftig um 61 Prozent auf 408,4 Millionen Euro an.

Mehr zum Thema

Netzwerken als Zukunftskompetenz in der Finanzberatung

Ende April/Anfang Mai durfte ich am Next Generation Forum der Fondskonzept teilnehmen – einer Veranstaltung…

Wie Klumpenrisiken die Immobilienrechnung verändern

Natürlich sollte man sich nur dann Haus, Hof oder Wohnung kaufen, wenn man sie auch…

„Remote Work im Ausland bringt neue Herausforderungen“

Pfefferminzia: Wir sprechen über Zukunftsthemen und Trends im Bereich internationale Absicherung. Welche Entwicklungen beobachten Sie…

Autor

Andreas

Harms

Andreas Harms schreibt seit 2005 als Journalist über Themen aus der Finanzwelt. Seit Januar 2022 ist er Redakteur bei der Pfefferminzia Medien GmbH.

Teilen:
Nicht verpassen!

Pfefferminzia.pro

Eine Plattform, die liefert: aktuelle Informationen, praktische Services und einen einzigartigen Content-Creator für Ihre Kundenkommunikation. Alles, was Ihren Vertriebsalltag leichter macht. Mit nur einem Login.

2 Kommentare

  1. Mann kann es auch einfacher ausdrücken
    Auf dem Rücken der Kunden wurden Zusagen nicht eingehalten … Aussagen an den Betrieb wurden ebenfalls abgelehnt … so kann Man sich sanieren … niemals mehr VHv , nur noch ein Schatten deiner vergsngheot

  2. Wenn ich das Grinsen im Gesicht sehe kommt mir die Galle hoch Slebszufriedenheit auf dem Rücken der Kund:innen . Nicht eingehaltene Zusagen bei der Schadenbearbeitung , falsche EVB Nummern und Verträge , Ignoranz an den Makler und Verschelppung von Regulierungen …die VHV war mal ein Versicherer jetzt ist es nur noch ein Haufen Chaos, keiner meiner Mandanten wird jemals wieder dort untergrbacht

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert