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Als ich letzte Woche abends durch Linkedin gescrollt habe, ist mir ein Muster in der Timeline aufgefallen: Sie war voll mit Workshops, Masterclasses und „So nutzen Sie KI jetzt richtig“. Okay, liegt vielleicht auch an meiner „Bubble“. Spürbar ist aber viel Aktivität, viele Versprechen – und erstaunlich viele Parallelen zur späten Phase der New Economy. Wer sich noch erinnert: Das war die Zeit, als das Internet alles durcheinanderwirbelte (und angeblich das Ende vieler Geschäftsfelder einläutete).
Was wir gerade erleben, ist ebenso wenig erst der Anfang. Es ist der Übergang. KI ist – wie damals das Internet – zunächst im B2C-Bereich groß geworden. So wie heute der Chat-Bot, war damals die E-Mail die Killerapplikation. Und neben bunt blinkenden HTML-Homepages der Grund, sich einen Internetanschluss zu holen.
Doch heute wie damals steht eine entscheidende Frage im Raum: Wie bringt man das Ganze sinnvoll ins Unternehmen (oder gar in den Vertrieb, also die komplexe Welt der Mensch-zu-Mensch-Interaktion)? Es funktioniert – aber nicht so einfach, wie gedacht.
Hinter der Proof-of-Concept-Phase und ersten Anwendungs-Tests oder Pilotprojekten beginnt die Erkenntnis: KI lässt sich nicht isoliert einsetzen. Sie trifft auf bestehende Prozesse. Und wenn diese nicht funktionieren, wird es auch mit KI nicht besser.
Schlechte Prozesse bleiben auch digital schlechte Prozesse. Und mit KI im schlimmsten Fall autonom unheimlich schnell ausgeführte schlechte Prozesse. Technologiebegeisterung und Hype überlagern das.
Ein aktuelles Beispiel verstärkt den Eindruck: Im Wettlauf um die Vorherrschaft im Firmen-KI-Markt versucht OpenAI, sich gegen Wettbewerber wie Anthropic mit ungewöhnlich aggressiven Mitteln durchzusetzen. Private-Equity-Investoren wurden mit hohen Garantie-Renditeversprechen angesprochen.
Die Gegenleistung: Die Investoren überzeugen die Portfoliounternehmen, in die sie investiert haben, davon, die Lösungen von OpenAI zu nutzen. Mit dem Versprechen eines „exklusiven“ Zugriffs auf die Technologie. Das klingt verlockend, aber ausgerechnet Thoma Bravo – einer der erfahrensten Tech-Investoren im Software-Umfeld – ist aus diesem Angebot ausgestiegen. Für mich macht das sichtbar, was viele gerade im Kleinen erleben: Das Potenzial ist riesig, aber der Weg zur nachhaltigen Umsetzung ist unklar.
Meine Einschätzung: Wir befinden uns in der Phase, in der Hype in Realität umschwenkt. Ob der KI-Hype mit großem Knall endet oder nicht, es wird sich damit die Spreu vom Weizen trennen und damit auch zeigen, welche Anwendungen im Unternehmensumfeld funktionieren.
Im günstigsten Fall kommt es zu einer massiven Marktbereinigung bei Tools und Modellen. Das kann die Auswahl mit mehr Gewissheit zur „Überlebensfähigkeit“ des jeweiligen Angebots und mit Klarheit und Fokus auf die Anwendungsfälle schon mal deutlich vereinfachen. Denn der Unterschied entsteht am Ende nicht durch das Tool, sondern durch das System, in das es eingebettet ist.
Durch klare Prozesse und saubere Daten. Und durch die Fähigkeit, aus Informationen konkrete Handlungsimpulse abzuleiten. Je lauter der Knall oder um so größer der Abgesang auf die KI-Technologie, um so interessanter wird es, den Markt zu sondieren und die Entscheidungen zu treffen.
Denn die entscheidende Frage ist nicht mehr: Was kann KI alles? Sondern: Wo hilft sie Ihnen konkret – heute, im Alltag, beim Kunden? Das ist letztlich vergleichbar mit dem letzten großen Hype – dem Internet.
Tobias Haff ist Head of Sales und CRM beim Oldtimer-Assekuradeur OCC.
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