Fake-president als Auslaufmodell?

Überweisungs-Betrüger übergehen zunehmend die Mittelsmänner

Kriminelle im Netz sparen sich zunehmend die Mühe, Menschen in Unternehmen hinters Licht zu führen. Als gefälschter Firmenchef zum Beispiel. Stattdessen wenden sie sich lieber direkt an die Banken, um dort Geld abzugreifen.
Nahaufnahme einer Kreditkarte und Tastatur mit E-Mail- und Quell-Symbol.
© picture alliance / Zoonar | Markus Grummt
Online-Banking mit Kreditkarte: Betrüger nutzen verstärkt erschlichene Zugangsdaten zu Konten, um sie zu plündern

Zunächst die gute Nachricht: Die durchschnittliche Summe für einen erfolgreichen Überweisungsbetrug sank gegenüber dem Vorjahr um 14 Prozent auf nunmehr 141.000 US-Dollar, etwa 122.000 Euro. Außerdem ging die Häufigkeit der gemeldeten Schadenfälle (über einen bestimmten Zeitraum) um beträchtliche 18 Prozent zurück.

Das geht aus dem aktuellen „2026 Cyber Claims Report“ des Cyber-Assekuradeurs Coalition hervor. Dort hinein fließen Daten aus über 100.000 Coalition-Versicherungskunden in den USA, Kanada, dem Vereinigten Königreich, Australien und Deutschland. Den Bericht gibt es nur in englischer Sprache. Sie können ihn hier herunterladen.

Im Englischen nennt man die eingangs erwähnte Betrugstechnik Funds transfer fraud (wörtlich: Geld-Transfer-Betrug). Das wohl berüchtigtste Modell ist wahrscheinlich der gefälschte Firmenchef („Fake president“): Kriminelle geben sich – gern mithilfe künstlicher Intelligenz – per Video oder am Telefon als Vorgesetzter oder gar Firmenchef aus und bitten darum, dass Mitarbeiter hohe Summen überweisen. Natürlich alles ganz verschwiegen, denn es sind ja geheime Umstände.

Überweisungsbetrug sorgt noch immer für einen großen Teil der registrierten Cyberschäden: 27 Prozent. Mehr schafft nur der Betrug über geschäftliche E-Mails (Business Email Compromise) mit 31 Prozent der Schäden.

Doch innerhalb des Geschäftsmodells Überweisungsbetrug verschiebt sich was. Zwar bleibt als zentrales Element immer noch das Ziel, dass sich Kriminelle Geld überweisen lassen. Doch zunehmend lassen sie Mitarbeiter des Betriebes dafür außen vor. Heißt: Sie führen direkt die Hausbank der Unternehmen hinters Licht. Dafür nutzen sie erschlichene Anmeldedaten oder Techniken, mittels denen sich Konten übernehmen lassen.

Jeder fünfte Überweisungsbetrug kommt mittlerweile auf diese Art ohne Vermittler in den Unternehmen aus. Der durchschnittliche Schaden beträgt ihn diesen Fällen 218.000 Dollar, liegt also höher als bei den anderen Überweisungsbetrügereien. Was allerdings auch Zufall sein kann.

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Autor

Andreas

Harms

Andreas Harms schreibt seit 2005 als Journalist über Themen aus der Finanzwelt. Seit Januar 2022 ist er Redakteur bei der Pfefferminzia Medien GmbH.

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