Nähkästchen der Allianz Trade

Drei teure Betrugsschäden – dank künstlicher Intelligenz

Der Industrieversicherer Allianz Trade hat in seinem Bericht Schadensfälle zusammengetragen, die ohne KI wohl nie funktioniert hätten. Teure Schadensfälle. Ein weiterer Betrugsversuch hingegen flog auf, weil eine Rückfrage die KI in Verlegenheit brachte.
Betrug mit künstlicher Intelligenz: Risiken und Schutzmaßnahmen gegen teure Schäden.
© Moondance / Pixabay
Ist da auch wirklich der echte Chef in der Leitung? Dank KI kann man heute nicht mehr wirklich sicher sein

Wenn es um Wirtschaftskriminalität geht, haben Industrieversicherer immer viel zu erzählen. Auch als warnende Beispiele packt Allianz Trade in seine Berichte echte Schadensfälle mit hinein. So etwa in die Broschüre „Schachmatt durch KI? Wirtschaftskriminalität und Strategien zur Abwehr“. Einige zeigen, wie beängstigend gut künstliche Intelligenz Kriminellen schon zur Langfinger-Hand geht.

Der falsche Finanzvorstand

Der Mitarbeiter eines Maschinenbauers in Süddeutschland erhielt eine iMessage von seinem „Finanzvorstand“. Der berichtete von einem vertraulichen Unternehmenskauf und brauchte Hilfe des Mitarbeiters.

Offenbar hatten die Gangster gut und zeitnah recherchiert. Denn „Vorstand“ und Mitarbeiter unterhielten sich sogar über einen neueren Post des „Vorstands“ im Netz.

Es folgten mehrere E-Mails des mit der Übernahme betrauten „Anwalts“ und sogar Telefonanrufe des „Vorstands“. Die Stimme klang echt. Und so überwies der Mitarbeiter insgesamt 1,9 Millionen Euro Firmengeld. Der „Vorstand“ versprach ihm dafür einen gut bezahlten Job in der Holding.

Nachdem der Schaden bekannt wurde, konnte man immerhin noch knapp eine Million Euro zurückholen.

Gefälschte Videokonferenz

Eine internationale Bande erleichterte ein Unternehmen in den Niederlanden um 8,7 Millionen Euro. In Videokonferenzen hatten sich Kriminelle als Geschäftsführer und Anwalt der alleinigen Gesellschafterin sozusagen digital verkleidet.

Das machten sie so gut, dass der Mitarbeiter in der Konferenz keinen Verdacht schöpfte und insgesamt 17 Teilbeträge anwies. Das Geld floss auf Konten in Bulgarien, Slowakei und Österreich. 1,5 Millionen Euro konnte man noch zurückholen, der Rest war weg.

Sauber gefälschte Rechnung

Ein Großhändler bekam von einem Lieferanten eine Rechnung über etwa 200.000 Euro. Kurz vor Fälligkeit traf eine Mail ein, das Geld sollte doch bitte an ein geändertes Bankkonto gehen. Anbei lag eine Rechnung mit der neuen Bankverbindung.

Der Händler zahlte ohne Rückfragen. Später kam die Mahnung. Es stellte sich heraus, dass sich Kriminelle in die IT des Lieferanten gehackt hatten. Sie hatten die originale Rechnung verändert und dann den Schriftwechsel geführt. Allianz Trade betont insbesondere, wie täuschend echt die Rechnung aussah. Nicht mal bei Kontrollen sei sie aufgefallen.

Das Geld war übrigens weg.

Drei Fälle von vielen, in denen der Raub gelang. Wie es jedoch auch laufen kann, schildert Allianz Trade in einem weiteren Fall. Als der „Firmenchef“ eines internationalen Autokonzerns für eine Firmenübernahme eine Millionen-Überweisung verlangt, fragte der Mitarbeiter zurück: „Welches Buch haben Sie mir kürzlich nochmal empfohlen?“ Das konnte der „Firmenchef“ natürlich nicht wissen – und flog auf.

Was immer wieder in Hollywood-Filmen funktioniert, klappt also auch im echten Leben.

Die Studie können Sie übrigens hier herunterladen.

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Autor

Andreas

Harms

Andreas Harms schreibt seit 2005 als Journalist über Themen aus der Finanzwelt. Seit Januar 2022 ist er Redakteur bei der Pfefferminzia Medien GmbH.

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