Höhere Beitragsbemessungsgrenze

„Manche GKV-Kunden zahlen jetzt Hunderte Euro mehr im Jahr“

Mit der jüngsten Erhöhung der Beitragsbemessungsgrenze wird die PKV für viele freiwillig gesetzlich Versicherte noch attraktiver. Wie Vermittler das nutzen können, erklärt Verena Breuning-Wendlandt, Maklerreferentin bei der Inter Krankenversicherung.
Modernes Porträt einer Frau im beruflichen Umfeld, symbolisiert Kompetenz und Vertrauen.
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Verena Breuning-Wendlandt ist Maklerreferentin bei der Inter Krankenversicherung.

Frau Breuning-Wendlandt, zum Jahresbeginn ist die Beitragsbemessungsgrenze für Krankenkassenbeiträge von 66.150 auf 69.750 Euro gestiegen. Damit wird die GKV für viele Versicherte teurer. Welcher Personenkreis ist besonders betroffen?  

Verena Breuning-Wendlandt: Alle, die Jahreseinkünfte von mehr als 66.150 EUR haben und in der GKV pflicht- oder freiwillig versichert sind. Darunter fallen gutverdienende Angestellte, aber auch Selbstständige und freiwillig versicherte Rentner, deren Einkünfte über der bisherigen Beitragsbemessungsgrenze liegen. Ein Beispiel: Ein GKV-Mitglied mit einem Jahreseinkommen von 70.000 Euro hat im letzten Jahr auf ein Einkommen von 66.150 Euro Beiträge gezahlt. In diesem Jahr sind es 69.750 Euro – also 300 Euro mehr, auf die der Beitragssatz von 14,6 Prozent fällig wird. Hinzu kommt ein gestiegener Beitrag aufgrund eines höheren Zusatzbeitrages, der von den Krankenkassen individuell festgelegt wird und 2026 im Schnitt bei 2,9 Prozent liegt. Damit ergibt sich de facto eine Beitragserhöhung. Je nach Höhe des Zusatzbeitrags können das über 50 Euro monatlich allein für die Krankenversicherung ausmachen – plus höherer Beitrag zur Pflegeversicherung. Im Jahr summiert sich das schnell auf mehrere Hundert Euro, ohne einen Mehrwert auf der Leistungsseite zu haben. 

Das heißt, für viele gesetzlich Versicherte jetzt ist genau der richtige Moment für einen Wechsel in die PKV? 

Breuning-Wendlandt: Für viele sicherlich ja. Durch die Anpassung der Beitragsbemessungsgrenze wird die PKV für einkommensstärkere Angestellte, Selbstständige und junge Akademiker finanziell noch attraktiver. Gleichzeitig steigt der Wunsch nach verlässlicheren Leistungen, kürzeren Wartezeiten und einer medizinischen Versorgung auf hohem Niveau. Freiwillig Versicherte, die in die PKV wechseln können, beginnen zunehmend zu hinterfragen, ob das Preis-Leistungs-Verhältnis der GKV noch zu ihrer Lebenssituation passt. Allerdings sollte ein günstigerer Beitrag nicht der Antrieb für einen Wechsel sein, sondern vielmehr die Möglichkeit einer lebenslangen besseren medizinischen Versorgung.  

Auch die Versicherungspflichtgrenze ist gestiegen, sie liegt jetzt bei 77.400 Euro. Warum ist auch das wichtig für die PKV-Beratung? 

Breuning-Wendlandt: Durch die Anhebung wird der Kreis der Wechselberechtigten kleiner – und gleichzeitig steigt der Beratungsbedarf. Für Makler bedeutet das zum einen, dass sie frühzeitig mit Kunden sprechen müssen, die knapp unterhalb der Grenze liegen, und gemeinsam prüfen, wie sich deren Einkommensentwicklung realistisch darstellt. Wer die Grenze überschreitet, sollte rechtzeitig über die Vorteile eines Wechsels informiert werden – und nicht erst dann, wenn es „zu spät“ ist, etwa weil eine Annahme aufgrund des Gesundheitszustandes nicht mehr möglich ist. Die gestiegene Versicherungspflichtgrenze hat aber noch eine andere Auswirkung: Es ist möglich, dass bereits privat krankenvollversicherte Kunden zum 1. Januar versicherungspflichtig geworden sind, weil das Jahresarbeitsentgelt seit diesem Jahr unter der Versicherungspflichtgrenze liegt. Wird von dem Befreiungsrecht in der GKV nicht innerhalb von drei Monaten Gebrauch gemacht, greift die Versicherungspflicht in der GKV – die PKV muss gekündigt oder in Anwartschaft gestellt werden.  

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Grundsätzlich gefragt: Welche Leistungsbausteine der PKV werden aus Kundensicht häufig unterschätzt – sind aber gerade langfristig entscheidend für die Wechselentscheidung? 

Breuning-Wendlandt: Viele Interessenten achten zunächst auf die „sichtbaren“ Leistungen wie bessere Krankenhausversorgung inklusive Einbettzimmer, bei Sehhilfen, Heilpraktikerbehandlung oder beim Zahnersatz. Langfristig entscheidend sind heute jedoch oft andere Bausteine, wie Beitragsentlastungstarife, offene Hilfsmittelkataloge, Psychotherapie und Prävention.  

Was müssen Makler in der PKV-Beratung heute anders machen als noch vor ein oder zwei Jahren? 

Breuning-Wendlandt: Die Beratung ist anspruchsvoller geworden. Kunden sind informierter, vergleichen intensiver und erwarten Transparenz. Makler müssen daher auf viel mehr Detailfragen vorbereitet sein und den Markt noch genauer kennen. Besonders wichtig ist es, die gesamte Lebensplanung des Kunden einzubeziehen – Familiengründung, Karriereentwicklung, Ruhestand. Zudem erwarten viele Versicherte heute digitale Arztservices, Gesundheits-Apps und fragen gezielt nach Leistungen, die aus der GKV nicht übernommen werden, zum Beispiel Lasik, Alternativmedizin oder bestimmte Vorsorgeuntersuchungen. Makler sollten diese Mehrwerte aktiv kommunizieren.  

Autor

René Weihrauch arbeitet seit 35 Jahren als Journalist. Einer seiner Schwerpunkte sind Finanz- und Verbraucherthemen. Neben Pfefferminzia schreibt er für mehrere bundesweit erscheinende Zeitschriften und international tätige Medienagenturen.

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