Gewaltiges Potenzial

Diese Trends in der bKV sollten Makler kennen

Die betriebliche Krankenversicherung (bKV) gewinnt an Bedeutung – getrieben von Fachkräftemangel, steigenden Gesundheitskosten und wachsendem Arbeitgeberinteresse. Welche Trends es hier gibt.
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In der Mittagspause mal ein bisschen dehnen: Betriebliche Gesundheitsangebote wie eine bKV nehmen an Bedeutung zu.

Eines der spannendsten Wachstumsfelder innerhalb der Versicherungsbranche bleibt die betriebliche Krankenversicherung (bKV). Doch wie entwickelt sich der Markt? Während früher vor allem über Kosten diskutiert wurde, ist heute die Frage entscheidend, welchen Beitrag die bKV zur Lösung akuter Personal- und Gesundheitsthemen leistet.

Der Wandel ist deutlich spürbar: Moderne bKV-Lösungen orientieren sich zunehmend an den tatsächlichen Herausforderungen von Unternehmen – von Prävention und mentaler Gesundheit bis hin zur Mitarbeiterbindung. So zeigt der globale Bericht „Changing Face of Employee Health“ von Howden Employee Benefits, dass weltweit 67 Prozent der Arbeitgeber auf präventive Gesundheitsmaßnahmen setzen. Grund dafür ist die erwartete Kostensteigerung: 93 Prozent der Arbeitgeber rechnen mit höheren Ausgaben – 41 Prozent sogar mit einem deutlichen Anstieg.

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Wie teuer der steigende Krankheitsstand für Unternehmen werden kann, hat Stefan Gaedicke, Leiter bKV bei der Landeskrankenhilfe (LKH) mal überschlagen. „Die Rechnung ist recht einfach“, sagt Gaedicke. „Ein durchschnittlicher Fehltag je Mitarbeitenden kostet rund 450 Euro. Bei aktuell durchschnittlich 20 Fehltagen hat ein Unternehmen pro Mitarbeitendem eine Kostenbelastung von etwa 9.000 Euro.“ Für eine betriebliche Krankenversicherung werde bei der LKH durchschnittlich ein Gesundheitsbudget von 900 Euro abgeschlossen. Der Jahresbeitrag für das Unternehmen liege dafür bei rund 371 Euro. Gaedicke: „Das bedeutet, eine bKV kostet weniger als ein Fehltag. Wenn die bKV also nur einen Krankheitstag vermeidet, ist der Invest refinanziert. Bei zwei und mehr vermiedenen Fehltagen wirkt sich die bKV immer positiver aus.“

Allein durch die erweiterten Vorsorgemöglichkeiten oder den direkten Facharzt-Terminservice könnten sehr schnell Fehltage eingespart werden. Gaedicke berichtet von einem Fall, den ein Arbeitgeber ihm erst kürzlich schilderte: Eine Mitarbeiterin ist seit mehreren Wochen wegen Knieproblemen nicht arbeitsfähig. Sie wartet auf einen MRT-Termin, um überhaupt erstmal die genaue Ursache herauszufinden und dann eine Behandlung starten zu können. Und wartet. Und wartet. „Mit einem schnelleren MRT-Termin wären hier viele Krankheitstage vermieden worden“, sagt der bKV-Experte.

Gesundheitsangebote legen an Bedeutung zu

Und darin sei die positive Ausstrahlung als fürsorglicher Arbeitgeber noch gar nicht mit eingerechnet. Dabei wird das Thema Gesundheit laut Howden-Studie immer wichtiger für Arbeitnehmer: 61 Prozent bleiben eher bei einem Arbeitgeber mit gutem Gesundheitspaket, 47 Prozent berücksichtigen das aktiv bei der Jobsuche. „Der erste und stärkste Treiber der bKV ist der dominierende Arbeitnehmermarkt“, sagt denn auch Jannis Oberhaus, Gesellschafter des Portals Mitarbeiterbindung24.de. „Fachkräfte können sich ihren Arbeitgeber heute aussuchen. Eine bKV positioniert das Unternehmen sofort als attraktive Marke und schafft einen sichtbaren Wettbewerbsvorteil im Recruiting.“ Weg vom „Obstkorb-Benefit“, hin zu echter Fürsorge eben.

Diese Entwicklung ist kein Zufall. Viele Unternehmen erkennen, dass diese Extras nur wirken, wenn sie konkret erlebbar sind. „Die bKV bietet gegenüber anderen Benefits einen entscheidenden Vorteil: Sie kann sofort und wiederkehrend genutzt werden – sei es für Vorsorgeuntersuchungen, Zahnbehandlungen oder Gesundheits- und Präventionsangebote“, erklärt Eva-Maria Donzelli, Leiterin Firmen- und Verbandskundengeschäft Kranken bei der Continentale Versicherung. Und weiter: „Besonders die jüngere Generation legt heute großen Wert auf Angebote, die unmittelbar erlebbar sind und einen direkten Nutzen im Alltag bieten.“

Aus diesem Grund hat die Continentale jüngst ihre bKV überarbeitet und insbesondere die Assistance-Leistungen ausgebaut. Concept-Kunden haben – ebenso wie mitversicherte Angehörige – beispielsweise die Möglichkeit, bis zu drei Mal pro Jahr Gespräche per Telefon oder Video mit Psychologen und Psychotherapeuten zu führen. Entlastend ist zudem der Facharztterminservice, der ergänzend Psychologen und Psychotherapeuten vermittelt. Eine Pflege-Beratung hilft per Telefon oder Video unter anderem bei der Beantragung von Pflegeleistungen. Unterstützung gibt es darüber hinaus bei der Suche nach einem Pflegedienst, Putz- und Einkaufshilfen oder einem Pflegeheimplatz. „Ziel ist es, in den Bereichen mentale Gesundheit und der Begleitung im Pflegefall gezielt zu unterstützen, sodass Arbeitnehmer entlastet werden und für den Arbeitgeber schneller wieder zur Verfügung stehen“, erklärt Donzelli.

Ein interessantes Merkmal des bKV-Konzepts der LKH ist der finanzielle Zuschuss zu Maßnahmen in der betrieblichen Gesundheitsförderung. „Im ersten Jahr organisieren wir zusammen mit Kooperationspartnern ein Gesundheitsevent, beispielsweise einen Gesundheits-Check-up direkt am Arbeitsplatz. Wir übernehmen dabei bis zu 5 Prozent der Jahresprämie“, sagt Gaedicke. Mit dem Partner „Mawie Work“ ist ein Lifestyle Gesundheitsscheck im Unternehmen möglich. „Die private Vorsorge ist jedem Einzelnen sehr wichtig, allerdings wird sie aufgrund der Tatsachen, dass dazu Termine bei Ärzten vereinbart werden müssen und oftmals auch Zuzahlungen notwendig sind, nicht so aktiv in Anspruch genommen“, sagt Gaedicke. „Wenn nun aber der Arbeitgeber das direkt im Unternehmen während der Arbeitszeit anbietet, hat das einen hohen emotionalen Stellenwert.“

Kombi aus Zahnzusatz- und stationärem Tarif kommt an

Die Gestaltungsmöglichkeiten sind also vielfältig. Was kommt bei den Mitarbeitenden noch gut an? „Zum einen die klassischen Bausteintarife“, sagt Jannis Oberhaus. Besonders angesagt sei „die Kombination aus Zahnzusatz und stationärem Aufenthalt.“ Da die Tarife ohne Gesundheitsprüfung abschließbar sind, erhalten auch vorerkrankte Mitarbeiter Zugang zu Privatleistungen und Chefarztbehandlung, „die sie am freien Markt oft gar nicht mehr versichern könnten. Das ist ein inklusiver Ansatz, der enorm wertgeschätzt wird“, so Oberhaus.

Zum anderen setzen sich Budgettarife immer stärker durch, weil sie maximale Flexibilität bieten. Man kombiniert beispielsweise einen festen Zahnbaustein mit einem freien Budget von 1.200 oder 1.500 Euro. Oberhaus: „So kann der Mitarbeiter selbst entscheiden, ob er das Budget für Osteopathie, Sehhilfen oder Zahnersatz nutzt. Diese Individualität kommt im Mittelstand sehr gut an.“

BKV-Experte und Buchautor (siehe Kasten unten) Marco Scherbaum sieht die Entwicklung des Marktes ebenfalls positiv. „Neue Produkte und Budgettarife sprießen aus den Böden der Anbieter – was grundsätzlich erfreulich ist, da es den Wettbewerb und das Angebotsportfolio erweitert“, sagt er. Allerdings mussten die ersten Anbieter bereits nach kurzer Zeit ihre Beiträge deutlich anpassen oder ihre Tarife gar schon wieder schließen. Scherbaum: „Diese Fehler schaden dem guten Ruf der bKV. Mein Credo: Kalkulation geht vor Innovation.“ Auch auf Ebene der Vermittler sieht der Experte Anlass zur Vorsicht: Häufig wird die bKV als Versicherungsprodukt angesehen. Die Gefahr: Es werden nur Tarifmerkmale und Beiträge bewertet. „Im betrieblichen Setting sollten aber auch Aspekte wie Prozesse, Kalkulation und Nachhaltigkeit im Blick sein und bei der Auswahl eine Rolle spielen“, so Scherbaum. Vermittler spielten eine wichtige Schlüsselrolle als Brückenbauer zwischen Personalpraxis, Versicherungslogik und Unternehmensstrategie.

 

 

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„Erfolgreiche Vermittler beraten nicht nur zu Tarifen, sondern begleiten die gesamte Implementierung von der Auswahl leistungsstarker Anbieter über steuer- und arbeitsrechtliche Fragen bis zur Gestaltung effizienter Verwaltungsprozesse“, so der Autor. Sie sorgten für klare Kommunikation, verständliche Services und ein verwaltungsarmes Handling in der Lohnabrechnung – zudem für Monitoring und Reporting, damit der Nutzen der bKV belegbar bleibe. Scherbaum: „Kurz gesagt: Erfolgreiche Vermittler übersetzen Wertschätzung in Zahlen und Wirkung.“

Doch trotz guter Rahmenbedingungen bleibt viel Potenzial ungenutzt. „Nach unserer aktuellen Marktbefragung haben erst rund 14 Prozent der Mittelständler eine bKV eingeführt“, sagt LKH-Mann Gaedicke. Jedes zehnte Unternehmen sei interessiert daran, das in den kommenden zwölf Monaten zu tun. „Mehr als jedem zweiten Unternehmen fehlt noch die Info beziehungsweise ist die bKV noch nicht richtig bekannt. Für Makler also ein gewaltiges Potenzial, ihre Kunden anzusprechen“, sagt der bKV-Experte.

Auch Scherbaum sieht die Zukunft positiv: „Ich bin der festen Überzeugung: Die bKV wird in naher Zukunft ein fester Bestandteil von Arbeitsverträgen sein – weil Mitarbeiter in der modernen Arbeitswelt mehr brauchen als Gehalt und klassische Benefits.“ Die Perspektiven sind auch für Jannis Oberhaus von Mitarbeiterbindung24.de eindeutig. „Wir steuern auf eine massive demografische Lücke zu“, warnt er. „In diesem Umfeld werden Benefits wie die bKV und eine arbeitgeberfinanzierte bAV vom Nice-to-have zum absoluten Must-have.“

Autorin

Karen

Schmidt

Karen Schmidt ist seit Gründung von Pfefferminzia im Jahr 2013 Chefredakteurin des Mediums.

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