Pfefferminzia: Herr Ramsperger, was macht für Sie einen gut aufgedeckten Versicherungsbetrug aus – gibt es typische Muster oder Warnsignale?
Oliver Ramsperger: Die Aufklärung eines Betrugsfalls hängt von verschiedenen Faktoren ab. Entscheidend sind das gute Zusammenspiel zwischen den technischen Systemen, der Arbeit unserer Kolleginnen und Kollegen im Innendienst sowie den Ermittlungen vor Ort.
Ein Beispiel: Unsere technische Betrugserkennung gibt uns den Hinweis, dass der Beitrag erst unmittelbar vor dem Schaden bezahlt wurde. Der Sachbearbeiter oder die Sachbearbeiterin im Innendienst erkennt Unstimmigkeiten bei den Belegen. Auf dieser Grundlage wird der Außendienst beauftragt, der den Schaden dann ganz genau überprüft.
Typische Muster oder Warnsignale sind beispielsweise wirtschaftliche Not oder sogar Insolvenz, Beitragszahlung oder Vertragsabschluss erst kurz vor dem Schaden oder ähnliche Vorschäden. Das sind natürlich nur Indizien, die wir anschließend weiter überprüfen müssen.
Was war der bisher kurioseste Schaden, den Sie in Ihrer Karriere regulieren durften – ob nun für die Kamera oder nicht?
Ramsperger: Es handelte sich um ein Paar, bei dem kurz nach der Hochzeit eingebrochen wurde. Die Täter stellten bei ihrer Suche nach Wertsachen wie Bargeld oder Schmuck die gesamte Wohnung auf den Kopf. Glücklicherweise schenkten sie den Bildern an der Wand keine Beachtung. Das Paar hatte sich zur Hochzeit nämlich für den anstehenden Hauskauf ausschließlich Geld gewünscht.
Die Hochzeitsgäste hatten das Geldgeschenk als Bild mit Rahmen aufbereitet. Das Bild gefiel den Kunden so gut, dass sie es in der Wohnung aufhängten. Die Einbrecher hingegen übersahen das Bild – und damit den sehr hohen Geldbetrag – und der Schaden blieb mit der Übernahme der Reparaturkosten für die Eingangstür und einige Kleinigkeiten überschaubar. Grundsätzlich werden Bilder eher selten gestohlen.
Ob er digitale Tools oder Menschenkenntnis wichtiger findet, um Fälle aufzuklären und wie seine Kollegen auf seine Fernsehrolle reagiert haben, fragten wir Oliver Ramsperger auf der zweiten Seite.
Wie schätzen Sie die Entwicklung beim Thema Betrug in der Schadenregulierung ein?
Ramsperger: Wir erleben tendenziell eine steigende Anzahl von Betrugsfällen. Dabei spielen insbesondere die besseren technischen Möglichkeiten eine Rolle, um Dokumente wie Rechnungen zu fälschen. Die Täter unterschätzen jedoch oft, dass die Versicherer über bessere Mittel verfügen, um sie zu entlarven.
Welche Kompetenzen sind heute besonders gefragt, um Betrugsfälle zu erkennen – eher digitale Tools oder Menschenkenntnis?
Ramsperger: Beides ist wichtig. Hier kommt es ganz klar auf das Zusammenspiel an.
Was unterscheidet die Ermittlungsarbeit im Fernsehen von Ihrem regulären Alltag als Regulierungsbeauftragter?
Ramsperger: Ich mache grundsätzlich nichts anders als sonst. Schließlich haben wir es mit echten Kunden zu tun. Wie ich dort zu sehen bin, so arbeite ich auch bei Fällen ohne Kamera. Woran ich mich allerdings noch gewöhnen muss: Ich muss für die Kamera mehr beschreiben, was ich gerade mache und was ich sehe. Das ist dann doch ein bisschen ungewohnt.
Wie viel echte Ermittlungsarbeit steckt in der Serie – und wo beginnt die Inszenierung fürs TV?
Ramsperger: Die Fälle sind alle echt. Dementsprechend ist hier eine große Portion Fingerspitzengefühl gefragt. Denn wir dürfen nicht vergessen, dass es sich für die Menschen um emotionale Situationen handelt. Gleichzeitig wird bei unseren Kunden nur einmal gefilmt. Es wird also nichts gestellt. Nur bei den nachträglichen Fallerläuterungen im Studio können Aufnahmen wiederholt werden.
Wie haben Ihre Kollegen auf Ihre neue Rolle reagiert – eher mit Applaus oder Augenzwinkern?
Ramsperger: Das Feedback, das ich erhalten habe, war überwiegend positiv. Man darf nicht vergessen: Die Serie ist auch eine tolle Plattform für die Barmenia-Gothaer. Das war für mich auch ein wesentlicher Grund, dabei zu sein.
Hat sich Ihr Blick auf Versicherungsnehmer verändert, seit Sie auch Fernseh-Ermittler sind?
Ramsperger: Nein, überhaupt nicht. Die überwältigende Mehrheit unserer Kundinnen und Kunden sind Geschädigte. Für sie kann es bei einem Schaden auch um die Existenz gehen. Der beste Fall mit oder ohne Kamera ist: Ich erhalte den Auftrag, einen komischen, unglaubwürdigen, skurrilen oder auch dubiosen Sachverhalt aufzuklären. Die Prüfung ergibt: Das klingt zwar komisch, aber genau so war es.
Zur Person: Oliver Ramsperger ist Regulierungsbeauftragter bei der Barmenia-Gothaer. Zusätzlich ist er ab dem 29. Juni als Darsteller der RTL-Serie „Die Versicherungsdetektive“ tätig.
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