Die wichtigste Nachricht dürfte erst einmal sein: Es ist wieder einer weniger in der Stadt. Nämlich ein Anbieter, der Kinder ohne weiteres allein privat krankenversichert. Die Arag nimmt in ihren Tarifen 482, 483 und Flexipro nur noch Kinder ab einem Alter von 36 Monaten an.
Das teilt der unter anderem auf private Krankenversicherung (PKV) spezialisierte Versicherungsmakler Walter Benda aus Kerpen in Nordrhein-Westfalen in seinem Blog mit. Es gab eine entsprechende Rundmitteilung seitens der Arag.
In seinem gewohnt saftig formulierten Beitrag warnt Benda, der sich im Internet auch „Benzinfass“ nennt: „Kaum noch eine PKV-Gesellschaft bietet die Kinderalleinversicherung ohne Bedingungen an. Bei denen, die es tun, werden die Bedingungen kontinuierlich verschärft.“ Ein Grund sei der, dass Kinder generell in der PKV als Zuschussgeschäft gelten.
Der Markt für hochwertige PKV-Kindertarife sei inzwischen sehr klein geworden, stellt er fest: „Wenn es um Qualität geht, bleibt nur noch die Barmenia für die PKV-Kinderalleinversicherung, bis auf sehr spezielle Ausnahmen.“
Nun ist also auch die Arag raus und schneidet sich damit zweifellos einen Teil ihrer zukünftigen Kundschaft weg. Warum tut sie das also? Wir haben mal nachgefragt. Zunächst weist der Versicherer darauf hin, dass es sich nicht um alle Kinder handelt. So versichere man sehr wohl weiterhin Kinder im Rahmen der Kindernachversicherung ab Geburt, wenn die Eltern bereits einen Vollvertrag haben. Um mal ein Beispiel zu nennen.
Aber das ist ja auch nicht der Punkt, den Benda meint. Denn da geht es um die Kinderalleinversicherung. Diese Maßnahme begründet die Arag – recht frei übersetzt – damit, dass bei allzu jungen Kindern der Gesundheitszustand noch unscharf ist. Für ein solides PKV-Geschäft sei „eine adäquate Risikoeinschätzung notwendig, was oftmals in den ganz jungen Jahren bis zum 36. Monat nicht hinreichend gewährleistet werden kann“.
Allerdings wollten wir auch wissen, um welches Ausmaß es überhaupt geht. Die Arag schreibt: „Bei der Arag Krankenversicherung liegt die Zahl der jährlichen Anträge für eine Alleinversicherung für Kinder unter drei Jahren im deutlich unteren dreistelligen Bereich.“
Um das etwas einzuordnen: 2023 waren bei der Arag 87.466 Menschen krankenvollversichert. Gegenüber dem Vorjahr ist das ein Zuwachs um knapp über 15.000 Personen beziehungsweise 20,8 Prozent.
Doch das ist nicht alles, was Makler Benda moniert. Denn die Arag hat zugleich ihre erfolgsabhängige Beitragsrückerstattung, die BRE, gekürzt. Hinter diesem etwas eckigen Wort verbirgt sich der Umstand, dass PKV-Kunden einen Teil ihrer Beiträge zurückbekommen, wenn sie den Versicherer wenig oder gar nichts gekostet haben. Je mehr, desto anscheinend besser, schon klar. Bei der Arag betraf das im vergangenen September rund 37.500 Verträge und bezog sich auf das Beitragsjahr 2023.
Doch für das Jahr 2024 kürzt die Arag diese Erstattung. Das teilte sie in einem Vermittlerrundschreiben mit und bestätigte sie auch uns: „Richtig ist, dass die Arag Krankenversicherungs-AG ihre erfolgsabhängige BRE für das laufende Jahr in den Tarifen Komfort, Med-Extra und Med-Best sowie den Beihilfetarifen BHB, BHEB und 27 von bisher 2,5 Monatsbeiträgen auf nunmehr 2 Monatsbeiträge gesenkt hat.“
Seite 2: Die Geschäftszahlen der Arag Krankenversicherung
Das ist nicht ganz wenig und in Bendas Augen ein Alarmzeichen. Sein Gedankengang: Vermittler und Kunden sehen die BRE als eines der ersten Kriterien im Vertrieb – also sollte man als Versicherer dort als letztes kürzen. Wenn also einer das tut, dann muss er finanzielle Gründe dafür haben.
Und wie begründet die Arag das? Sie schreibt: „Die Anpassung erfolgte mit dem Ziel, auch langfristig eine ausgewogene Mittelverwendung für BRE und Limitierung zu gewährleisten sowie zusätzliche finanzielle Puffer für den Bestand aufzubauen.“ Auch mit den gesenkten BRE sieht sie sich „sehr gut am Markt aufgestellt“.
Dass die gekürzte BER auf eine angespannte finanzielle Lage hindeuten könnte, bezeichnet der Versicherer als „schlichtweg falsch“. Wichtige Kennzahlen-Ratings würden das regelmäßig bestätigen. Und die Rückstellung für Beitragsrückerstattung (RfB) habe man stetig ausgebaut.
In der Tat sehen die KV-Geschäftszahlen stabil aus. Die Eigenkapitalquote beträgt 15,5 Prozent der verdienten Bruttoprämien (Quelle: V.E.R.S. Leipzig). Das ist Platz 14 der 25 größten Krankenversicherer. Und die erwähnten RfB belaufen sich auf 43,9 Prozent der Bruttoprämien im Gesamtgeschäft. Das ist Platz 6 und nicht übel.
Ebenso vernünftig wirkt der Geschäftsbericht. 2023 fuhr die Krankenversicherung ein versicherungstechnisches Ergebnis von 24,4 Millionen Euro ein. Das ist zwar weniger als im Vorjahr (26,4 Millionen Euro), aber immer noch ordentlich. Den Rückgang begründet die Arag mit dem stark gewachsenen Neugeschäft und den damit verbundenen Vorfinanzierungseffekten sowie Investitionen in Technik, also IT, Künstliche Intelligenz, Automatisierung und Personal.
Der Jahresüberschuss in der Krankenversicherung legte laut Auskunft von 8,2 auf 12,5 Millionen Euro zu (im Geschäftsbericht steht diese Zahl nicht). Die Zahlen für 2024 liegen noch nicht vor, aber die Arag kündigt weiter wachsende Werte an.
Das ist der Moment. Also schauen wir mal, wie es bei der Arag weitergeht. Nur für Kinder ist die U36-Party erstmal aus. Zumindest für einige.
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