Sucht und Krankheit sind seit 2013 erstmals die häufigste Ursache, wenn Haushalte Schulden anhäufen. In der Schuldnerberatung sind gesundheitliche Ursachen in fast jedem fünften Fall dafür verantwortlich, dass Haushalte ihre Rechnungen nicht mehr begleichen können. Die beiden Gründe wiegen schwerer als ein Jobverlust. In der aktuellen Umfrage gaben 17,5 Prozent einen Jobverlust als Grund für ihre Schulden an. Im Jahr 2020 waren es noch 24 Prozent.
Zu diesen Ergebnissen gelangt das Team des Instituts für Finanzdienstleistungen (IFF) in seinem Überschuldungsreport. Für die aktuelle Auswertung hat das Team Daten von 194.435 Haushalten analysiert. Diese kamen zwischen 2008 und 2023 erstmals in Kontakt mit der Schuldnerberatung.
Scheidung und Trennungen sorgen bei rund 10,2 Prozent der befragten Haushalte für Schulden. Auch herausfordernde Lebenssituationen erhöhen neben Schicksalsschlägen wie Krankheit, Trennung oder Arbeitslosigkeit das Risiko, dass sich Haushalte überschulden. Das gilt vor allem für Haushalte mit sehr wenig Einkommen (10,5 Prozent) und wenn eine Selbstständigkeit gescheitert ist (8,5 Prozent). Zu viel Konsum sorgt nur bei 8,3 Prozent der befragten Haushalte für Schulden.
Trotz sinkender Inflationsraten bleibt die finanzielle Belastung für viele Haushalte hoch. Besonders stark betroffen sind Geringverdiener. Denn diese müssen einen überdurchschnittlich hohen Anteil ihres Einkommens für ihre Miete ausgeben. Die untersuchten Haushalte geben in der Regel 45 Prozent ihres Haushaltseinkommens dafür aus. Zum Vergleich: Dieser Anteil liegt in der Gesamtbevölkerung bei nur bei 25 Prozent.
Alleinstehende und Alleinerziehende haben ein erhöhtes Risiko, sich zu überschulden. „Auf ihre hohe Betroffenheit weisen wir seit Jahren hin“, sagt Sally Peters, Geschäftsführende Direktorin des IFF.
Insgesamt nutzen 81,7 Prozent der deutschen Erwachsenen ein Kreditprodukt. Und fast jeder fünfte Klient, der eine Schuldnerberatung aufsucht, hat eine Ratenkreditforderung. Die typische Forderungshöhe bei Ratenkrediten beträgt 6.609 Euro.
Kreditprodukte wie Peer-to-Peer (P2P) und das sogenannte „Buy Now Pay Later“ sowie Kauf auf Rechnung erhöhen die Risiken, dass sich Haushalte verschulden. Besonders auffällig ist aus Sicht der IFF-Tester der starke Anstieg an Kleinkrediten, die weniger als 1.000 Euro betragen. Deren Anteil an den Gesamtkrediten erhöhte sich Ende 2022 um 46,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr. „Die bisherigen Verbraucherkreditrichtlinien bieten im digitalen Umfeld nicht genügend Schutz“, sagt Peters.
Ihr Geld schulden die Betroffenen verschiedenen Gläubigern. Die häufigsten Forderungsarten sind Schulden bei der öffentlichen Hand (17,29 Prozent), bei Gewerbetreibenden, Telekommunikationsunternehmen und in Form von Rahmenkrediten.
Sorgen machen sich die IFF-Experten vor allem, weil die Haushalte immer höhere Schulden bei der öffentlichen Hand haben. Dazu zählen beispielsweise Sozialleistungen, die die Haushalte zurückzahlen müssen, Steuerforderungen und Geldstrafen.
Der Anteil der Personen, die sich zu ihrer Schuldensituation beraten lässt, ist im aktuellen Report auf den bisher höchsten Stand von 22,31 Prozent gestiegen. Allerdings gelingt den Schuldnerberatern nur in 9,04 Prozent der Fälle ein kompletter oder Teil-Erfolg.
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