Die weggefallene Hinzuverdienstgrenze wird den Fachkräftemangel in der deutschen Wirtschaft kaum bis gar nicht lindern. Zum dem Schluss kommen die Volkswirte Martin Beznoska und Ruth Maria Schüler vom Institut der deutschen Wirtschaft.
Schon jetzt hätten nur wenige Menschen die Chance genutzt, sich zur Rente nennenswerte Beträge hinzuzuverdienen, meinen die Wissenschaftler. Wer das ohnehin schon macht, wird damit fortfahren. Wer aber vor der Regelaltersgrenze mit Abschlägen in Rente geht – wird auch jetzt nicht wieder anfangen im größeren Ausmaß weiterzuarbeiten. Stattdessen bleibt für solche Leute der Minijob die bessere Alternative, heißt es in einer Analyse.
Hintergrund: Anfang dieses Jahres fiel die sogenannte Hinzuverdienstgrenze für vorgezogene Rentner weg. Seitdem kann auch jeder, der vorzeitig und mit Abschlägen in Rente geht, anschließend unbegrenzt Geld hinzuverdienen. Ohne dafür mit Rentenabzug bestraft zu werden. Die Bundesregierung wollte damit auf den Fachkräftemangel reagieren und Rentner dazu bewegen, doch noch weiterzuarbeiten.
Bis 2019 betrug die Hinzuverdienstgrenze noch 6.300 Euro pro Jahr. 2020 explodierte sie als Reaktion auf die Coronakrise regelrecht auf 44.590 Euro und stieg 2022 weiter auf 46.060 Euro.
Allein, es hilft dem Arbeitsmarkt nicht. Und das liegt nicht etwa an den Rentenabzügen, sondern an den hohen Abgaben, die Rentner auf ihr Zusatzeinkommen an den Staat abdrücken müssen. Knackpunkt ist der Umstand, dass bei Neurentnern seit 2023 der steuerliche Freibetrag nur noch 17 Prozent der gesetzlichen Jahresrente beträgt. So reizt allein die Grundrente mitunter den Grundfreibetrag der Einkommensteuer schon aus. Alles oben drauf ist also komplett steuerpflichtig.
Wie viel das ausmacht, haben Beznoska und Schüler anhand einiger Modellbeispiele ausgerechnet. Daraus picken wir uns vier heraus.
Beznoska und Schüler haben noch weitere Varianten durchgerechnet, die Studie finden Sie hier. Sie ziehen allerdings ein bitteres Fazit:
Wenn man vorzeitig in Rente geht, um mehr Freizeit zu haben, ist der Arbeitsanreiz wegen der hohen Abgabelast nicht sonderlich hoch. Selbst wenn die Rente selbst abschlagsfrei fließt. Jedenfalls sei die Zahl der Menschen, die im Alter etwas hinzuverdienen, trotz der Maßnahmen nur gering. Und wer das macht, der geht über einen Minijob.
Wörtlich heißt es: „Die Neuregelung werde es nicht schaffen, die Schäden am Arbeitsmarkt, die durch die „Rente mit 63“ verursacht werden, auszugleichen.“
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