Pfefferminzia: Am Markt für Analysehäuser gibt es zurzeit einige Bewegung. Lassen Sie uns deshalb mal darüber reden, wem eigentlich Ihr Institut gehört?
Michael Hauer: Es sind drei Gesellschafter mit gleichen Anteilen – der Mitgründer, Professor Dommermuth, meine Wenigkeit und die Münchner Aktuargesellschaft Rokoco. Sie ist versicherungsmathematisch und fachlich sehr gut positioniert und damit für uns ein wertvoller Partner. Es sind keine Versicherer, Banken oder Pools dabei – ich würde mal sagen, dass wir somit wirklich unabhängig sind.
Warum soll das so wichtig sein?
Hauer: Wir reden hier über Ratings, die ja so eine Art Auszeichnung sind. Da halte ich es für eine Mindestanforderung, dass der Bewertende unabhängig ist. Das ist doch sonst alles gar nicht glaubwürdig.
Aber nur schwer zu prüfen.
Hauer: Man müsste in der Tat bei jedem Rating hinter die Kulissen der Rating-Gesellschaft schauen und herausfinden, wer dahinter steckt. Damit ist es für uns schwer, uns gegenüber anderen abzuheben, bei denen Ratings eher Marketing sind.
Wie viele Anbieter und Tarife sollte man denn für ein neutrales Rating immer heranziehen?
Hauer: Das hängt davon ab, wie viele am Markt sind. Deshalb muss man das prozentual betrachten. 100 Prozent der Tarife, die am Markt sind, wären zwar ideal, sind aber in der Praxis so gut wie unmöglich. 80 oder 90 Prozent sind deshalb schon echt gut.
Gibt es ein Minimum?
Hauer: Ich würde mal sagen, dass es unter 50 Prozent kritisch wird. Es kann aber auch Ausnahmen geben, wenn zum Beispiel 40 Prozent der Tarife einen ausreichend großen Teil des Marktes abdecken. Es sollten bei uns aber in der Regel größere Anteile sein, weil wir das Benchmark-Verfahren nutzen.
Und wenn dann zu wenig dabei sind, wird die Benchmark zu dünn?
Hauer: Es müssen definitiv genügend Tarife mit dabei sein, um ein ordentliches Rating durchführen zu können
Was ist so schön an der Benchmark-Technik?
Hauer: Sie ist objektiv. Es gibt einen Durchschnitt, und wenn ein Tarif in den meisten Teilbereichen unter diesem Durchschnitt landet, dann ist er nun mal unterdurchschnittlich. Daran gibt es nichts zu rütteln. Gleiches gilt auch für Tarife, die besser als der Durchschnitt sind. Je weiter sie da über dem Durchschnitt liegen, desto besser sind sie. Damit ist dann alles gesagt.
Seite 2: „Alles unter der Note ‚gut‘ geben wir nicht bekannt“
Dürfen Versicherer so ein Rating eigentlich ablehnen?
Hauer: Grundsätzlich nicht. Wir betreiben sogenanntes PI-Rating, das PI steht für public information, also öffentlich verfügbare Daten. Tarifrechner sind ebenfalls frei zugänglich, sodass wir alles ausrechnen können. Allerdings können wir viel mehr Informationen erhalten, wenn der Versicherer mitmacht. Es könnte sonst sein, dass man Dinge missversteht oder nicht alles Nötige findet.
Zum Beispiel?
Hauer: Manche Tarifrechner oder bestimmte Informationen sind in Segmenten versteckt, an die wir nicht so ohne weiteres herankommen. Dann hebt es schon die Transparenz, wenn der Versicherer ein wenig hilft.
Und wenn er mauert, können Sie ihm zumindest im Unterpunkt „Transparenz“ eine reindrücken.
Hauer: Wenn ein Versicherer partout sagt, dass er nicht erwähnt werden will, dann müssen wir uns daran halten. Unabhängig davon, dass wir die Tarife bewertet haben.
Wirklich? Passiert das oft?
Hauer: Zum Glück nicht. Es ist anders als zum Beispiel bei der „Stiftung Warentest“, wo bei manchen Tests nur wenige Anbieter teilgenommen haben. Das hängt übrigens auch damit zusammen, dass wir Ergebnisse nur bis zur Note „gut“ veröffentlichen. Alles darunter geben wir nicht bekannt.
Was mir durchaus schon aufgefallen war. Inwiefern hängt das zusammen?
Hauer: Die meisten Versicherer kennen ihre Schwächen, wissen also schon im Vorfeld, ob sie gut oder eher schlecht abschneiden. Wenn sie also damit rechnen müssten, dass wir ein schwaches Ergebnis veröffentlichen, würden sie gar nicht erst teilnehmen. Vielleicht sind sie mit dem Tarif noch nicht so weit und arbeiten dran. Vielleicht haben sie aber auch schlicht etwas versäumt. Aber die Presse würde sich trotzdem schon drauf stürzen.
Nun ja, ähem …
Hauer: Aber so wissen sie eben, dass wir es nicht veröffentlichen. Zwar bekommen wir von der Presse auch dafür unser „Fett weg“, was ich auch verstehe. Man muss aber auch unsere Seite sehen: Wenn wir alles veröffentlichen würden, würden nicht mehr so viele teilnehmen, und wir hätten Probleme mit der Benchmark. Und so haben die Versicherer sogar Vorteile.
Seite 3: „Wie verdienen Sie dann eigentlich Geld, Herr Hauer?“
Welche denn?
Hauer: Jeder teilnehmende Versicherer zahlt nicht nur nichts, sondern bekommt auch noch gratis die Ergebnisse der Analyse seines Tarifs. Darin sind alle 80 bis 100 einzeln geprüften Punkte im Vergleich zum Durchschnitt enthalten. Das ist sozusagen eine kostenlose Beratung, wo und wie sie sich verbessern können. Es kommt nicht selten vor, dass Anbieter die Informationen nutzen, um sich vor allem in den schwachen Punkten anschließend stark zu verbessern.
Andererseits bedeutet es auch Verbraucherschutz, wenn man vor schlechten Produkten warnt.
Hauer: Auch wieder richtig. Hier geht es aber um Informationen über Tarife, die Verbraucher jetzt neu abschließen. Und die möchten natürlich einen guten oder sogar sehr guten Tarif. Es geht nicht darum, einen Tarif zu kündigen, weil er schlecht ist. Außerdem könnte ein Tarif, der heute die Note 3 hat, vor zehn Jahren zu den besten gehört haben.
Wenn die Bewerteten nichts zahlen, wie verdienen Sie dann Geld?
Hauer: Wenn ein Ergebnis vorliegt, wollen manche Versicherer damit werben. Es ist ja sozusagen eine Auszeichnung. Verwendet man unseren Namen für die Werbung, dann verlangen wir natürlich Geld dafür, wie es im Marketing üblich ist. Das gefährdet unsere Unabhängigkeit überhaupt nicht, und eine staatliche Einrichtung, die Gelder für diese Tätigkeit erhält, sind wir nun mal nicht.
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