Gewinn muss sein

Niedrige Erträge bei Vermittlern? (K)ein Grund zur Freude

Bewusst oder unbewusst verfolgen Vermittler Unternehmensziele. Im Vordergrund steht: Sie wollen von der Tätigkeit für Kunden leben. Der Unternehmensgewinn ist der Lohn für diese Tätigkeit. Wird auf Dauer kein Gewinn erzielt, kann das Unternehmen nicht überleben. In seiner neuen Kolumne setzt sich Unternehmensberater Peter Schmidt mit niedrigen oder fehlenden Gewinnen in Vermittlerunternehmen auseinander.
Nachfolge- und Unternehmensberater Peter Schmidt
© Consulting & Coaching Berlin
Unternehmensberater Peter Schmidt, Chef von Consulting & Coaching Berlin

Die Herangehensweise an wirtschaftliches Handeln ist sehr unterschiedlich. Nicht wenigen Unternehmern genügen die Deckung der Kosten und ein selbstbestimmter Unternehmerlohn. Bleiben Kosten und Ausgaben auf Dauer über den Unternehmenseinnahmen, oder wird mit Ressourcen verschwenderisch umgegangen, dann sind die Folgen absehbar. Deshalb ist den Inhabern von Vermittlerunternehmen ein Blick in die grundlegenden ökonomischen Prinzipien zu empfehlen.

Unternehmensleitlinien und ökonomische Prinzipien

Unternehmensleitlinien beschreiben die Grundsätze des Handelns von Unternehmern und ihren Firmen, werden so sowohl zum Selbstverständnis als auch zum Bild für Kunden und Öffentlichkeit. Einfach gesagt: Unternehmensleitlinien stellen das Selbstverständnis für Unternehmen dar. Es ist deshalb empfehlenswert, das Leitbild schriftlich zu fixieren. Sowohl für das Handeln des Unternehmers als auch für die Zusammenarbeit mit den Mitarbeitern und Kunden sowie die Art und Weise der Beratung wird so die Grundlage für das Handeln gelegt. Leitlinien unterstützen die Orientierung, die Identität und die Motivation für die Tätigkeit.

Mehr zum Thema

Das Maklerunternehmen der Zukunft – 3 Szenarien durchdacht

Viele Unternehmer kennen den Spruch oder das Prinzip: „Never touch a running system“. Es sind…

Worauf digitale Vorreiter 2021 den Fokus legen

Im ersten Teil dieser kleinen Serie hatte unser Gastautor MarKo Petersohn, As im Ärmel, seinen…

Wie Vermittler diese vier Kardinalfehler vermeiden

Solche Sprüche sind wohl das Letzte, was ein Makler gebrauchen kann, wenn er sich vergeblich…

Ausgehend von diesen Unternehmensleitlinien sind die ökonomischen Prinzipien der Wirtschaftlichkeit einzubinden. Es gilt zu entscheiden, ob die vorhandenen Ressourcen so eingesetzt werden, dass der maximale Ertrag erreicht wird oder ein Ergebnis mit minimalen Mitteln erreicht werden sollen. Die Betriebswirtschaftslehre spricht deshalb von den ökonomischen Grundprinzipien „Maximalprinzip“ und „Minimalprinzip“.

In der Praxis ist die reine Umsetzung des einen oder anderen Prinzips eher selten. Vielmehr geht es darum, mit vernünftigem wirtschaftlichem und planvollem Handeln nachhaltige Betriebsergebnisse zu erreichen. Je näher das unternehmerische Handeln in Richtung maximal oder minimal tendiert, desto eher sind für das Unternehmen Risiken zu erwarten. Maximale Ausgaben oder Preise über dem Markdurchschnitt lassen Nachteile im Wettbewerb am Markt erwarten. Ein dauerhaft niedriger Ertrag wird die Möglichkeiten der Investition in Ressourcen und Modernisierung einschränken.

Unternehmensziele in mehreren Ebenen

Für eine nachhaltige Entwicklung sind durch den Unternehmer Ziele in verschiedenen Ebenen zu verfolgen. Das bedeutendste wirtschaftliche Ziel ist der Ertrag oder Gewinn. Dazu kommen aber weitere Ziele, die definiert und gegebenenfalls auch präzisiert werden sollen:

  • Positionierung im Markt (Spezialisierung, regionaler Marktanteil, Zielgruppe)
  • Umsatzentwicklung (Sparten, Zusammensetzung, Trends, Nachhaltigkeit)
  • Leistungsziele (Qualität, Beratungsstandards, Qualifikation, Mitarbeiter)

Immer mehr Bedeutung gewinnen die ökologischen und sozialen Unternehmensziele, die Vermittler bewusst beschreiben und verfolgen sollten. Im Gefolge der demografischen Entwicklung in Deutschland hat die Gewichtigkeit beider Ziele zugenommen und wird zu einem Wettbewerbsfaktor um Kunden und Mitarbeiter. Consulting & Coaching Berlin bietet deshalb Vermittlerfirmen eine Analyse und Zertifizierung der Nachhaltigkeitsstrategie von Vermittlerfirmen an.

Seite 2: Beispiele für ökologische Ziele

Vermittlerfirmen sollten einen Einklang von wirtschaftlichen, ökologischen und sozialen Zielen finden. Bisher verfolgte Hands-off-Lösungen tragen nicht zur Nachhaltigkeit bei, es geht um ein Gesamtkonzept. Gehen wir kurz auf Details zu möglichen ökologischen und sozialen Unternehmenszielen ein, um dann Impulse für ein Gesamtkonzept aufzuzeigen.

Ökologische Ziele können vielfältig definiert werden. Dazu können beispielsweise gehören:

  • Sparmaßnahmen für Energieverwendung und Nutzung von Ökostrom
  • Entscheidungen zur digitalen Arbeit und Einsparung von Rohstoffen (Papier)
  • Ökologische Büroausstattung (Recycling) und Kundenberatung (digital)
  • Co-Working-Spaces und/oder die überwiegende Arbeit im Homeoffice

Allein schon die Mehrfachnutzung von Büroflächen im modernen Zeitgeist von Startups in Co-Working-Spaces ist bei Firmengründern auch wegen der Netzwerkmöglichkeiten sehr beliebt und hilft, die ökologischen Ziele effektiv umzusetzen. Definieren Sie ihr ökologisches Gesamtkonzept, das zu Ihren Gegebenheiten passt. Auch meine eigene Firma hat sich seit längerem ökologischen Zielen verschrieben und setzt diese auch konsequent um.

Schauen wir uns kurz mögliche soziale Ziele an, die besonders für Vermittlerunternehmen anzustreben sind, die mit Angestellten arbeiten. Soziale Ziele definieren Leistungen, die für die Arbeitnehmer bedeutsam sind:

  • Sondervergütungen wie Urlaubs- und Weihnachtsgeld, Bonifikationen
  • Betriebliche zusätzliche Vorsorgeleistungen für Alters- und Gesundheitsvorsorge
  • Weiterbildungsmöglichkeiten und Zuschüsse für Homeoffice
  • Maßnahmen zur Unterstützung der Gesundheit (Sportstudio, Sportgeräte)
Sinnvolle Verbindung von Unternehmenszielen

Die aufgeführten Unternehmensziele müssen sich nicht widersprechen. Eher ist eine sinnvolle Verbindung eine Herausforderung der aktuellen Zeit. Nehmen wir ein Beispiel:

Ein Vermittlerunternehmen kann Gewinne erreichen oder steigern, wenn eine Entscheidung, Büroflächen zu reduzieren, durch Ausweitung oder Fortsetzung der Arbeit von Mitarbeitern im Homeoffice auf digitaler Grundlage erfolgt.

Seite 3: Sechs Vorteile durch Homeoffice

Folgende Wirkungen treten dann – kurz skizziert – ein:

  • Wirtschaftlich: Kostensenkung für Büro, Energie und weitere Ressourcen
  • Wirtschaftlich: Mehr Ertrag für die Firma
  • Ökologisch: Senkung Ressourcenverbrauch im Büro und für Fahrten vom/zum Büro
  • Ökologisch: Vielfältige Einsparung von CO2 im Büro und Nahverkehr
  • Sozial: Mehr Zeit für Mitarbeiter durch Wegfall der Fahrten vom/zum Büro
  • Sozial: Förderung der variablen Arbeitszeiten mit positiven Effekten für Freizeit und Familie

Die Möglichkeiten der Umsetzung der ökologischen Ziele hängt natürlich auch von den Geschäftspartnern ab, wenn wir nur an die Art und Weise der Vertragsverwaltung und Courtageabrechnungen von Versicherern und Investmentgesellschaften denken. Aber das Abwarten, bis der letzte Marktteilnehmer die Voraussetzungen für 100 Prozent digitale Prozesse verstanden hat, ist auch keine Lösung.

Die Steigerung des Betriebsergebnisses schafft neben positiven Effekten für den Inhaber auch neue Möglichkeiten für die Prozesse im Unternehmen und für die Kundenverbindungen. Verbinden Sie den eigenen neuen Kurs für Ihr Unternehmen mit Recherchen und Empfehlungen für neue nachhaltige Produkte von Anbietern, die das Thema ernst nehmen.

Solide Finanzen sichern die Zukunftsfähigkeit der Firma

Startups bei Vermittlerunternehmen müssen in der ersten Phase der Unternehmensentwicklung vielfältige Herausforderung auf einmal lösen. Kunden gewinnen. Umsatz steigern. Anforderungen der Regulierung des Marktes. Steuern. Forderungen des Finanzamtes. Geringe Erträge oder sogar rote Zahlen sind in der Gründungsphase nicht selten. Das sollte aber nicht so bleiben.

Auch die Finanzämter haben ein Auge darauf, wie sich Einnahmen und damit Steuern entwickeln. Wenn über Jahre hinweg die Ausgaben die Einnahmen übersteigen, ob es überhaupt eine Gewinnerzielungsabsicht gibt. Allgemein wird von einem Zeitraum von fünf Jahren ausgegangen, ohne dass dem Unternehmen Liebhaberei unterstellt werden kann. Auch dauerhafte Verlustvorträge oder Gewinnrückstellungen können zu Ärger mit den Finanzbehörden führen.

Geringe Ertragssummen oder die Verlustnutzung sind regelmäßig Anlass für Probleme und Diskussionen. Spätestens wenn es um die Nachfolge beispielsweise bei Verkauf der Vermittlerfirma geht. Immer wieder treffen wir in der Beratungspraxis bei der Auswertung von betriebswirtschaftlichen und steuerlichen Unterlagen auf solche Fälle der Steuerumgehung.

Seite 4: Praktische Nachteile durch geringe Erträge

Diverse Entscheidungen der Finanzgerichte stellen die Absicht und Maßnahmen zur Gewinnerzielung explizit heraus. Bei dauerhaftem Verlustbetrieb wird geprüft, ob es eher um die Erlangung von wirtschaftlichen Vorteilen außerhalb des Steuerrechts geht und Verluste oder geringe Erträge aus persönlichen Gründen akzeptiert werden. Verlassen wir hier das Steuerrecht und gehen auf zwei praktische Themen für Vermittlerbetriebe ein.

  1. Geringe Erträge reduzieren die Investitionsmittel für die Digitalisierung des Unternehmens und wirken sich langfristig auf den Wert des Unternehmens aus. Verbraucht der Vermittler die Firmeneinkünfte dauerhaft privat, wird über kurz oder lang ein Nachteil in der Positionierung im Markt entstehen, der sich auf die Kundenbeziehungen auswirken wird.
  2. Ein geringer Ertrag resultierend aus Gewinnrückstellungen wird zum Problem für einen Käufer der Firma, wenn diese Rückstellungen nach dem Kauf aufgelöst werden sollen und dann zu einer höheren Steuerschuld für den Käufer führen. Wird dies vor dem Kauf erkannt, wird sich dies deutlich auf den Kaufpreis auswirken.

Behalten Sie deshalb im Blick, dass die Gewinnmargen für den Fall der Übergabe und Nachfolge des Unternehmens ein wichtiges Argument für den Wert und damit für den Preis Ihres Unternehmens sein können. Verbinden Sie die Ziele Ihres Unternehmens optimal miteinander, um so eine langfristige Basis für eine nachhaltige Entwicklung zu schaffen. Dazu viel Erfolg!

Teilen:
Nicht verpassen!

Pfefferminzia.pro

Eine Plattform, die liefert: aktuelle Informationen, praktische Services und einen einzigartigen Content-Creator für Ihre Kundenkommunikation. Alles, was Ihren Vertriebsalltag leichter macht. Mit nur einem Login.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Pfefferminzia