Inflation, Goldpreis, Erträge

Was Anleger über Gold wissen sollten

Ist Gold in turbulenten Börsenzeiten wie diesen der sichere Hafen? Christian Dagg hat da so seine Zweifel. Vor allem gegen Inflation sei etwas anderes viel besser geeignet, so der Geschäftsführer der Brilliant Vermögensverwaltung aus Düsseldorf in seinem Gastbeitrag.
Flüssiges Gold in einer Gold-Raffinerie in Atlanta, USA
© picture-alliance / n03/ZUMA Press | n03
Flüssiges Gold in einer Gold-Raffinerie in Atlanta, USA: Keine laufenden Erträge

Der Einmarsch Russlands in die Ukraine, die rasant steigende Inflation, die Zinswende, Lieferengpässe – Anleger sind derzeit ohne Frage mit einer ganzen Reihe von Unsicherheiten konfrontiert. Und wie immer in unsicheren und schwierigen Zeiten suchen Investoren nach Sicherheit. Dabei rückt Gold wieder einmal in den Fokus vieler Kommentatoren, Anlageexperten und auch bei den Privatanlegern.

Laut dem Vermögensverwalter Blackrock verbuchten Rohstoff- und Gold-ETPs im Februar 2022 weltweit Nettomittelzuflüsse in Höhe von 6,5 Milliarden Dollar – der höchste Wert seit Juli 2020. Auch vermelden hierzulande die Goldhändler eine massiv steigende Nachfrage nach dem Edelmetall. Kein Wunder also, dass der Preis für eine Feinunze Gold Anfang März diesen Jahres auf über 1.900 Euro kletterte – in der Gemeinschaftswährung gerechnet, war das ein neues Allzeithoch.

Und gerade Privatanleger zeigen sich optimistisch, dass dies noch nicht das Ende ist. Laut einer Infografik des Themenportals Block-Builders erwarten 71 Prozent einen weiteren Preisanstieg beim Edelmetall.

Natürlich ist es mehr als verständlich, dass Investoren in der aktuellen Situation nach Sicherheit suchen. Und die sehen viele bei Gold, weil es nach gängiger Auffassung als Schutz gegen Krisen und als wertbeständig gilt. Zudem betrachten es viele auch als Absicherung gegen eine steigende Inflationsrate, die wir derzeit als Folge der kriegerischen Auseinandersetzung sehen. Das gilt umso mehr, da zudem auch noch viele Experten das Edelmetall derzeit besonders empfehlen. Doch bevor Anleger nun ihr Vermögen zu großen Teilen oder gar ganz in das gelbe Metall umschichten, sollten sie sich zunächst folgende Thesen genauer ansehen und die Besonderheiten eines Goldinvestments berücksichtigen.

Der erste wichtige Punkt: Gold bringt keinen laufenden Ertrag

Das steht im Gegensatz zu Aktien, Anleihen oder auch Immobilien. Schließlich bekommen Anleger bei festverzinslichen Wertpapieren die laufende Verzinsung, Immobilien bieten Mieteinnahmen und Aktien können Dividenden bringen. Diese fehlende laufende Einnahme hat einen Nebeneffekt. Weil es keinen Cashflow bringt, ist es nämlich auch nicht möglich, festzustellen, ob Gold gerade billig, teuer oder fair bewertet ist.

Seite 2: Nur schwacher Gewinn mit Gold nach Abzug der Inflation

Dazu kommt, dass Gold heute tendenziell – wie viele andere Rohstoffe auch – eher einen spekulativen Charakter hat. Das bedeutet, dass Anleger Gold, Silber oder auch andere Rohstoffe in der Hoffnung kaufen, dass es ihnen jemand zu einem späteren Zeitpunkt zu einem höheren Preis wieder abkauft. Die Folge sind vergleichsweise starke Kursschwankungen. Wer heute in das Edelmetall investiert, muss deshalb auch damit rechnen, dass er erhebliche Verluste erleiden kann.

Gold als Schutz vor Inflation?

Bleibt die Frage, inwieweit Gold einen Schutz gegen die derzeit anhaltend hohe Inflationsrate bietet? Hier gab es vor einigen Jahren eine interessante Berechnung von dem US-Ökonomen Jeremy Siegel. Er hat die Wertentwicklung verschiedener Anlageklassen für den amerikanischen Markt zwischen 1802 und dem Beginn dieses Jahrtausends rekonstruiert – und zwar nach Abzug der Inflation. Das Ergebnis: Wer vor rund 200 Jahren einen Dollar in Gold investiert hätte, kommt inflationsbereinigt auf den bescheidenen Betrag von 4,52 Dollar. Aus einem in Aktien angelegten Dollar jedoch wurden bis heute nach Abzug der Teuerungsrate knapp 705.000 Dollar.

Aktien bieten besseren Schutz gegen Inflation

Während sich in der Geschichte immer wieder zeigt, dass die meisten Rohstoffe preisbereinigt um den inflationsbedingten Kaufkraftverlust auf lange Sicht stetig billiger werden, ist es sehr viel empfehlenswerter, sein Geld mit einem langfristigen Anlagehorizont und gut gestreut in Aktien zu investieren. Zwar spricht auch nichts dagegen, Gold als eine Art Wertspeicher zu betrachten und einen kleinen Teil des eigenen Vermögens dort zu investieren.

Jedoch rate ich eindringlich davon ab, in turbulenten Marktphasen alle Wertpapiere panikartig zu verkaufen und das Vermögen in Gold umzuschichten. Stattdessen zahlt es sich auf lange Sicht aus, an der zu den individuellen Bedürfnissen und der persönlichen Risikoneigung passenden Vermögensallokation festzuhalten – und zwar unabhängig von der kurzfristigen Marktentwicklung. Anleger sind deshalb gut beraten, hauptsächlich zu investieren und wenn überhaupt, nur ein wenig zu speichern.

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