Spezialist für Golfanlagen im Gespräch

„Wir hatten schon Bälle, die Pferde getroffen haben“

Dort arbeiten, wo andere sich entspannen. Robert Paas hat sich mit seiner Versicherungsagentur Paas & Paas auf den Golfsport spezialisiert. Im Gespräch verrät er, was auf einem Golfplatz schieflaufen kann, wie teuer Fehler werden können und wie sein Praktikum damals lief.
© privat
Versicherungsmann Robert Paas: Auf Golfanlagen spezialisiert

Herr Paas, es klingt so, als hätten Sie mit Ihrer Agentur eine Kombination aus Hobby und Beruf gefunden. Wie viel Zeit verbringen Sie denn auf dem Golfplatz und wie viel im Büro?

Robert Paas: (lacht) Ja, in der Tat vermischt sich da einiges. Mehr als die Hälfte meiner Arbeitszeit dreht sich mittlerweile um das Thema Golf. Aber ich möchte im Golf auch ein bisschen was erreichen und komme deshalb inzwischen auf 15 Stunden Training in der Woche.

Welches Handicap haben Sie denn?

Das ist ja immer so eine Sache. Auf meiner Karte steht 0,4. Ich glaube aber nicht, dass das stimmt. Ich müsste dann alles etwa Par spielen, ich halte mich eher für einen ordentlichen 3er.

Als Nichtgolfer frage ich mich jetzt natürlich: Was gibt es beim Golf zu versichern?

Eine Golfanlage ist ein mittelständisches Unternehmen. Im Durchschnitt arbeiten dort sechs bis acht Mitarbeiter. Die Anlagen im Maschinen- und Pflegebereich sind im Schnitt 750.000 Euro wert. Hinzu kommen Gebäude – Clubhäuser, Wohngebäude, Umkleidegebäude. Dabei reden wir von weiteren rund 650.000 Euro. Im deutschen Durchschnitt.

„Es muss schon der richtige Sand sein“

Also etwas mehr als nur eine Wiese mit Löchern drin.

Auf jeden Fall. Sturmtief Bernd hat zusätzlich demonstriert, dass manche Golfplätze einfach weg sein können.

Wo waren die hin?

Komplett überschwemmt. Sie haben ja nicht nur die Fairways also Rasenflächen, sondern auch Wegesysteme, Sandhindernisse, Bunker, künstliche und natürliche Teiche und so weiter. Allein die Teiche waren mit Sedimenten vollgespült. Man musste sie reinigen, ebenso wie die Bunker. Sand ist nicht gleich Sand, es muss schon der richtige Sand sein. Die Drainagen musste man durchspülen und vieles mehr. Und wenn das alles nicht mitversichert ist, wird es teuer.

Und was brauchen die Golfer?

Ein Beispiel ist ziemlich aktuell. Der deutsche Golfverband hatte jahrelang für Schäden geradegestanden, wenn die Haftpflicht der Golfer nicht einsprang, weil kein Verschulden vorlag. Die Mittel dafür hatte er über die Jahresbeiträge gesammelt. Das macht er seit Jahresanfang aber nicht mehr.

Seite 2: Das große Problem mit dem abirrenden Golfball

Viel Arbeit für Sie, schätze ich mal.

Ich rede tatsächlich zurzeit viel mit Verbänden und den Präsidenten der Golfanlagen, weil sie um Hilfe bitten. Ich muss aber auch sagen, dass der Golfverband zusammen mit seinem neuen Hauptsponsor, der Hansemerkur, ein gutes Produkt aufgelegt hat. Das füllt die entstandene Lücke im Versicherungsschutz, und wenn man die eigene Email-Adresse zur Verfügung stellt, kostet es nichts. Damit hat man keine größeren Probleme mehr, wenn wirklich mal was passiert.

Was können Golfer denn anrichten?

Eine ganze Menge. Vor allem durch den abirrenden Golfball.

„Der Zaun ist nicht hoch genug“

Ist das ein Fachbegriff?

Ja, schon. Den gibt es, wenn ich den Ball nicht so treffe wie geplant und er seine ihm vorgegebene Flugbahn verlässt. Also im Grunde immer. Wenn er dann ein Auto oder eine Glasscheibe trifft, hat man einen Schaden. Wir betreuen einen Golfplatz, bei dem nebenan ein Gehöft liegt und der Zaun nicht hoch genug ist. Da hatten wir schon kaputte Scheiben und Dachziegel und Bälle, die Pferde getroffen haben. Wobei wir auch auf den Golfclub eingewirkt haben, dass er die Bahn anders baut. Die lag da nicht wirklich nicht optimal.

Hat es geklappt?

Ja, wir hatten uns mit einem Architekten in Verbindung gesetzt, der einen tollen Plan ausgearbeitet hat. Jetzt haben wir dort keine Schäden mehr.

Haben die Clubs keine eigenen Versicherungsbetreuer?

Oft ist es noch so, dass ein Clubvorstand jemanden kennt, der was mit Versicherungen macht. Der übernimmt dann die Sache und regelt für den Club und den Platzbetreiber die Versicherungsangelegenheiten. Ich will dieses System nicht kritisieren, weil diese Versicherungsleute oft auch sehr viel für die Clubs machen. Das ist grundsätzlich alles in Ordnung.

Aber?

Es kann Probleme geben, wenn Sachen nicht richtig versichert sind.

Seite 3: Was Vermittler falsch machen können

Was kann der Vermittler denn falsch machen?

So ziemlich alles. Ich habe zum Beispiel von einem Schaden gehört, der zu 380.000 Euro nicht gedeckt war. Der Versicherungsvermittler hatte vergessen, dass es Zeitwertklauseln gibt. Viele Menschen glauben ja, dass Golf ein Reichensport ist und die Betreiber deshalb ebenfalls reich sein müssten. Aber ich schätze, dass bei 380.000 Euro Unterdeckung auf jedem fünften Golfplatz das Licht ausgehen würde. So viel Geld haben die nicht.

Wie sind Sie denn zu diesem Spezialgebiet gekommen?

Ein guter Freund hatte mich damals angesprochen. Er ist Geschäftsführer einer Golfanlage geworden, und ich sollte mir mal den Platz ansehen und die Versicherungen klären. Ich flog also hin, zog zusätzlich den Spezialisten einer Versicherung hinzu und merkte vor Ort, wie schwierig und komplex die ganze Materie war. Aber abends im Flugzeug stellte ich fest, dass das der beste Außentermin seit Jahren war. So toll, so viele neue Dinge zu entdecken.

Damit war die Sache klar.

Ja. Ich hörte dann von dem Schaden mit der enormen Unterdeckung und machte mir darauf einen Reim. Ich stellte eine Mitarbeiterin ein und absolvierte erstmal ein Praktikum über drei Monate auf einem Golfplatz. Ich wollte lernen.

„Mit kalten Fingern an Wasserhähnen drehen“

Was haben Sie da gemacht?

Alles. Wobei: Wenn Sie im Frühjahr morgens um 6 Uhr frierend auf dem Mäher sitzen oder mit kalten Fingern an Wasserhähnen drehen, merken Sie, dass es vielleicht keine sehr schlaue Idee war. Das ist wirklich harte Arbeit, die viele Golfmitglieder leider gar nicht anerkennen. Aber ich habe viel gelernt und anschließend alles sortiert und begonnen, Versicherungsbedingungen zu vergleichen. Dabei habe ich festgestellt, dass der Markt zwar klein ist, aber dass man ihn durchaus beackern kann. Damit können wir uns abgrenzen und den Vermittlern vor Ort helfen.

Dafür nehmen Sie ihnen aber auch Geschäft weg.

Sie bekommen ja ihre Courtage. Für uns fällt über die Rahmenvereinbarungen natürlich auch etwas ab. Dafür nehmen wir den Kollegen aber auch viel Arbeit ab. Und wir helfen dabei, Risiken zu vermeiden und Fehler zu begehen, die am Ende Freundschaften oder Geschäftsbeziehungen kosten können. Zum Beispiel Maschinen falsch zu bewerten und Zeitwertklauseln zu vergessen. Was etwa Düngemittel und Öl angeht, haben wir ganz andere Haftpflichtmöglichkeiten als … sagen wir … mit einem Vertrag von der Pfefferminzia.

Soso, die Pfefferminzia.

Sage ich jetzt mal so (lacht). Da stehen eben solche Feinheiten nicht im Kleingedruckten, und ich kann auch von großen Versicherern nicht verlangen, so etwas reinzuschreiben. Dafür ist das alles zu speziell. Damit haben wir ein Produkt, das es so auf dem Markt nicht gibt. Ich weiß, das sagt jeder, aber bei uns stimmt es einfach.

Herr Paas, ich danke Ihnen für das Gespräch.

Autor

Andreas

Harms

Andreas Harms schreibt seit 2005 als Journalist über Themen aus der Finanzwelt. Seit Januar 2022 ist er Redakteur bei der Pfefferminzia Medien GmbH.

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