Ein deutsches Problem

Rentenlücke bei Frauen – Was das für die Beratung bedeutet

Es ist eine traurige Spitzenposition: In keinem anderen OECD-Land ist die Rentenlücke von Frauen zu Männern so groß wie in Deutschland. Und das hat seinen Grund, weiß Hannah Glöckler von der Bayerischen. Denn viele Frauen hierzulande betreiben keinerlei Altersvorsorge. Warum hier gerade Vermittlerinnen und Vermittler gefragt sind, erklärt Glöckler in ihrem Gastbeitrag.
© Bayerische
Hannah Glöckler, die Bayerische.

Armut. Ein Zustand weit weg von der Lebensrealität der deutschen Mitte, denkt man. Was wenn ich Ihnen sage, dass jede dritte Frau zwischen 35 und 50 Jahren Altersarmut später am eigenen Leib erfahren wird? Zumindest dann, wenn wir nicht jetzt handeln.

75 Prozent aller Frauen betreiben keine Altersvorsorge – eine enorme Zielgruppe. Um den „Female Pension Gap“ zu schließen, sollten wir Frauen mit der richtigen Ansprache und individuellen Lösungen für das Thema private Altersvorsorge sensibilisieren. Wie stemmen wir diese Herausforderung?

Mind the Gap

Themen wie Gleichberechtigung, finanzielle Unabhängigkeit und die Vereinbarkeit von Familie und Karriere prägen die Diversitäts-Debatte in Unternehmen und auf sozialen Netzwerken wie Linkedin schon länger.

Was bei all den Positivbeispielen und Fortschritten jedoch meist untergeht: Bei der geschlechtsspezifischen Lücke in der Altersvorsorge ist Deutschland im OECD-Vergleich mit 46 Prozent trauriger Spitzenreiter. In keinem anderen Industrieland sind Frauen stärker von Altersarmut bedroht als hier. Im Vergleich beträgt der „Female Pension Gap“ in Dänemark nur 7 Prozent und ist in Estland mit gerade einmal einem Prozent kaum noch vorhanden. Ernsthaft Deutschland?

Auch wenn die Ursachen für diesen traurigen Zustand höchst unterschiedlicher Natur sind, stehen wir als Versicherungsbranche vor einer klaren Mission: Nehmen wir der Mehrheit der Frauen die Angst vor dem Thema private Altersvorsorge. Überzeugen wir sie mit der richtigen Ansprache und cleveren Lösungen von der Dringlichkeit, selbst bei kleineren Löhnen privat für später vorzusorgen.

Ziel: Unabhängigkeit

Um die finanzielle Unabhängigkeit von Frauen auch im Alter zu bewahren und die Rentenlücke zwischen den Geschlechtern zu verkleinern, sollten Sie Ihre Zielgruppe und deren spezifische Bedürfnisse und Lebensrealitäten möglichst genau kennen.

Natürlich ist jeder Mensch individuell verschieden – egal ob Frau oder Mann. Dennoch gibt es beim Thema Finanzen einige Erfahrungen, die besonders viele Frauen teilen. Denken wir hier an Themen wie die Karriereunterbrechung durch Familiengründung oder eine im Vergleich zu Männern deutlich häufigere Tätigkeit in Teilzeit.

Spezielle Seminare und Schulungen vermitteln das nötige Wissen, wie Sie die weibliche Zielgruppe in der Ansprache dort abholen, wo sie sich in ihren Wünschen und auch Sorgen befindet. Indem Sie maßgeschneiderte Produkte für typischen Lebenswege von Frauen kennenlernen, vermeiden Sie es, an der Lebensrealität der meisten Frauen in Deutschland vorbeizuberaten.

Um sich in der Beratung als kompetenter Ansprechpartner für spezifische weibliche Zielgruppen zu positionieren, sollte man die Unterschiede innerhalb der Zielgruppe kennen. Denn Frau ist nicht gleich Frau.

Gerade zwischen den Generationen der Babyboomer (1950 – 1965), der Generation X (1965 – 1980), Y (1980 – 1995) und der Generation Z (1995 – 2010) gibt es maßgebliche Unterschiede in der Wahl der bevorzugten Kommunikationskanäle sowie in den übergeordneten Zielen und Wünschen. Historische Ereignisse und gesellschaftliche Trends prägten die Generationen der Frauen auf völlig unterschiedliche Weise.

Alleinstellungsmerkmale erarbeiten

Studien zu Generationsunterschieden zwischen Frauen zeigen: Babyboomern sind die Themen Jobsicherheit und die Karriere innerhalb eines Unternehmens wichtig. Die Generation X wiederum rückt das Thema Work-Life Balance in den Vordergrund und schreibt dem konkreten Tätigkeitsfeld eine höhere Bedeutung zu, als dem jeweiligen Unternehmen. Die jüngeren Generationen beschäftigen sich vor allem mit der Sinnhaftigkeit einer Tätigkeit sowie dem Streben nach Lebensqualität und Selbstverwirklichung. Alle Frauen eint, dass sie dem Thema Nachhaltigkeit in ihrem Konsumverhalten eine höhere Bedeutung zuschreiben als Männer.

Diese Einsichten können im Vertrieb gezielt zur Erarbeitung einer individualisierten und auf die jeweiligen Bedürfnisse der weiblichen Zielgruppe zugeschnitten Ansprache genutzt werden. Als besonders stark zeigt sich bei Frauen die Macht sozialer Netzwerke – online wie offline. Von Business-Plattformen wie „Linkedin“, über Netzwerke wie „Global Digital Women“ und lokalen Nachbarschaftsseiten wie „nebenan.de“ bietet gerade das Internet unfassbar viele Möglichkeiten, weibliche Zielgruppen direkt anzusprechen.

Netzwerke nutzen

Ein hervorragendes Beispiel für den Effekt der Zielgruppenansprache von Frauen über Netzwerke bietet die Exklusivpartnerin der Bayerischen Jennifer Riedel aus Norderstedt: Mit ihrer Veranstaltungsreihe „Female Expats in Hamburg“ spricht sie gezielt Frauen an, die aus dem Ausland zugezogen sind und noch kein Deutsch sprechen. Dank der Initiative erhalten weibliche Expats in Hamburg die Möglichkeit sich ein Netzwerk in der neuen Heimat aufzubauen und sich nebenbei über alle Themen rund um die finanzielle Absicherung und die Besonderheiten der deutschen Versicherungswelt zu informieren – mit bislang großartigem Erfolg.

Die richtigen Kanäle, starke Netzwerke und das Wissen um die individuellen Bedürfnisse und Wünsche von Frauen in unterschiedlichen Altersgruppen – so sorgen wir dafür, dass Frauen ihrer Rente endlich ohne Angst entgegenblicken können!

Über die Autorin

Hannah Glöckler (27) entwickelt bei der Bayerischen im Projekt „Female Empowerment im Vertrieb“ ein Kommunikationskonzept für Beraterinnen, das sich auf die Zielgruppe der Frauen im Alter von 25 bis 45 Jahren spezialisiert.

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Eine Antwort

  1. Super Artikel! Ich selbst muss mich leider zu den Frauen zählen, die sich mit Thema Finanzen im Allgemeinen und dadurch auch Finanzierung im Alter kaum bis gar nicht auseinandersetzt. Die Gründe sind, dass ich einfach wahnsinnigen Respekt vor dem Thema habe und auch gar nicht wirklich weiß, wo ich anfange soll? Ich denke Frau Glöckler beschreibt es in Ihrem Beitrag sehr passend, dass wir als Zielgruppe sehr wenig oder sogar gar nicht anerkannt werden und mir daher die Kanäle fehlen, die mich motivieren würden, mich dem Thema zu widmen… Die Schwelle sich die Infos mühsam selbst zusammenzusuchen ist einfach zu groß. Abgesehen davon, dass die Inhalte, die ich finde, oft nicht auf mich relevante Themen (z.B. Nachhaltigkeit, wie Frau Glöckler ganz richtig feststellt) bezogen sind. Es ist und bleibt ein schwieriges Thema mit viel Verbesserungspotential.

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