Demografische Lücke

Bis 2030 fehlen 5 Millionen Arbeitnehmer

Die Lücke zwischen Ruheständlern und neuen Arbeitskräften hierzulande wird immer größer. Darauf hat das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) auf Basis einer Analyse hingewiesen. Die Prognose: Bis 2030 wird sie auf 5 Millionen Menschen wachsen.
© picture alliance / photothek | Ute Grabowsky
Ein Rentnerin mit ihrer Enkelin: Die demografische Lücke auf dem Arbeitsmarkt wächst weiter.

„In diesem Jahr werden über 300.000 Personen mehr in den Ruhestand gehen als in den Arbeitsmarkt eintreten“, sagt Holger Schäfer vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW). Bis zum Jahr 2030 dürfte diese demografische Lücke bereits bei 5 Millionen Menschen liegen. Grundlage dieser Prognose ist eine Erhebung seines Hauses, die unter anderem der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) vorliegt.

Als Grund nannte Schäfer die Größendifferenz zwischen den verschiedenen Jahrgängen. Ein Beispiel: 2029 werde der besonders geburtenstarker Jahrgang 1964 in Rente gehen. Allein 1,4 Millionen Menschen dürften in dem Jahr vom Erwerbsleben in den Ruhestand wechseln. Die Zahl der frischgebackenen Arbeitskräfte werde in demselben Jahr nur bei rund 736.000 liegen – das mache eine Differenz von 670.000 Personen.

Für die hiesigen Sozialversicherungssysteme ist das problematisch, weil sie auf dem Umlagesystem beruhen. Heißt bei der Rente etwa: Die jetzigen Arbeitnehmer zahlen die Renten der jetzigen Rentner. Das funktioniert gut, solange es mehr Beitragszahler (Arbeitnehmer) als Leistungsempfänger (Rentner) gibt. Dreht sich das Verhältnis aber, knirscht es im System. Dann müssen die Arbeitnehmer entweder höhere Beiträge zahlen oder die Rentner bekommen weniger Geld – oder beides.

Als Lösungsansätze nennt Schäfer zum einen die Möglichkeit, mehr Leute auf den Arbeitsmarkt zu holen. Im Anbetracht der Größenordnung der Differenz zwischen den Jahrgängen lasse sich die wachsende Lücke damit aber „wohl kaum“ kompensieren, zitiert ihn die Zeitung weiter. Seiner Meinung nach müsse stattdessen eine „gewaltige Nettoeinwanderung“ gut ausgebildeter Arbeitnehmer her – bisher seien es jedoch noch nie genug Personen gewesen. Auch im Bereich der Erwerbsbeteiligung seien bereits viele Potenziale ausgereizt worden.

Schäfers Prognose für die Zukunft ist daher eher pessimistisch: „Meine Einschätzung wäre, dass beide Instrumente, also Zuwanderung und Erhöhung der Erwerbsbeteiligung, in der Summe nicht diese demografische Lücke werden kompensieren können“, warnt der IW-Ökonom.  

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Autorin

Juliana Demski gehörte dem Pfeffi-Team seit 2016 an. Sie war Redakteurin und Social-Media-Managerin bei Pfefferminzia. Das Unternehmen hat sie im Januar 2024 verlassen.

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