GDV meldet Rekordzahlen

Juli-Flut treibt Nachfrage nach Elementarschutz in die Höhe

Die schweren Verwüstungen, die die Hochwasserkatastrophe im Juli im Ahrtal und anderen Teilen Deutschlands verursacht hat, zeigen Wirkung: In der Folge haben spürbar mehr Privatleute ihre Häuser gegen Schäden durch Hochwasser abgesichert, wie der Gesamtverband der Versicherungswirtschaft mitteilt. Eine Versicherungspflicht lehnen die Versicherer aber weiter ab und favorisieren stattdessen eine andere Lösung.
© picture alliance / Zoonar | Stefan Ziese
Ein zerstörtes Haus im Ahrtal: Die Flutkatastrophe hat die Nachfrage nach einem Schutz bei Elementargefahren steigen lassen.

Die Flutkatastrophe vom Juli hat deutlich mehr Menschen als sonst dazu veranlasst, ihre Häuser vollständig gegen Naturgefahren abzusichern. „Die Versicherer haben im dritten Quartal etwa 400.000 neue Elementarschadenversicherungen bei Wohngebäuden registriert“, sagt Jörg Asmussen, Hauptgeschäftsführer des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Üblich seien in einem Quartal nur 50.000 bis 100.000 neue Verträge. Zum Hintergrund: Der Zusatzbaustein Elementarschäden deckt auch Schäden durch Hochwasser oder Starkregen ab, was bei einer einfachen Wohngebäudeversicherung nicht der Fall ist.

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Für das Gesamtjahr 2021 geht der GDV nun von einem Spitzenwert bei den Neuabschlüssen für Elementarschadenversicherungen aus. „Wir schätzen, dass am Jahresende rund 50 Prozent aller Wohngebäude den Zusatzbaustein haben werden“, sagt Asmussen. Gegenüber Ende 2020 wäre das ein Plus von etwa 4 Prozentpunkten. Gleichwohl sei eine Elementardichte von 50 Prozent alles andere als zufriedenstellend. „Wir können es nicht hinnehmen, dass jedem zweiten Haus der wichtige Versicherungsschutz gegen Klimaschäden fehlt“, betont Asmussen.

GDV gegen Versicherungspflicht

Die Versicherer haben daher ein Konzept vorgelegt, wie sich die Elementarschadenabdeckung für die rund 8,5 Millionen privaten Hauseigentümer, die noch nicht versichert sind, rasch erhöhen ließe. „Wir schlagen einen anderen Weg vor als eine Versicherungspflicht“, so Asmussen. „Wenn der Gesetzgeber den Versicherern die Möglichkeit gibt, würden wir alle bestehenden privaten Wohngebäudeversicherungsverträge zu einem Stichtag umstellen. Damit würden Millionen Hausbesitzer automatisch auch den Versicherungsschutz gegen Naturgefahren erhalten – außer sie widersprechen aktiv.“

Nach den Vorstellungen des GDV soll diese sogenannte Opt-out-Lösung eingebettet sein in ein Gesamtkonzept, das gleichzeitig mehr Präventionsmaßnahmen einschließt und die Klimafolgenanpassung forciert. „Auch die öffentliche Hand muss nachhaltig umsteuern, etwa durch klare Bauverbote in hochwassergefährdeten Gebieten. Ohne konsequente Klimafolgenanpassung wird unsere Gesellschaft gezwungen sein, die schlimmen Auswirkungen verheerender Unwetterereignisse immer wieder zu durchleben“, sagt Asmussen.

Verheerende Bilanz

Die Juli-Flut, die vor allem in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen zu Verwüstungen geführt hatte, ist mit einem versicherten Schaden von über 7 Milliarden Euro die bislang schwerste Naturkatastrophe in Deutschland. Insgesamt wurden laut GDV bis zu 200.000 Gebäude und bis zu 50.000 Fahrzeuge beschädigt.

Autor

Achim

Nixdorf

Achim Nixdorf war von April 2019 bis Mai 2024 Content- und Projekt-Manager bei Pfefferminzia. Davor arbeitete er als Tageszeitungs- und Zeitschriftenredakteur mit dem Fokus auf Verbraucher- und Ratgeberthemen.

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