Pfefferminzia-Leserumfrage zum Thema Gesundheit

Pluspunkte für Prävention

Präventionsleistungen in Tarifen der privaten Krankenversicherung kommen bei Versicherungsvermittlern gut an. Das zeigt eine aktuelle Umfrage unter Pfefferminzia-Lesern. Weitere Ergebnisse lesen Sie hier.
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Eine Physiotherapeutin und ihr Patient bei einer Behandlung: Ob Rückenschule, Vorsorgeuntersuchung oder Gesundheits-App – präventive Leistungen werden in der PKV immer wichtiger.

Wenn es um die Gesundheit und Krankenversicherung geht, sollte langsam ein Umdenken am Markt stattfinden. Das findet Allianz-Chef Oliver Bäte. „Wir müssen weg von dem Prinzip, dass die Gemeinschaft zahlt, wenn sich Einzelne falsch ernähren oder riskante Sportarten treiben“, sagte er kürzlich in einem Interview mit dem „Handelsblatt“.

Bäte schlägt ein Gesundheitssystem ähnlich dem der Schweiz vor. Denn die Schweiz hat in der Krankenversicherung unter anderem Selbstbehalte eingeführt, wenn Vorsorgeuntersuchungen nicht durchgeführt werden oder sich etwa jemand gegen eine Covid-19-Impfung entscheidet. „Über solche Instrumente müssen wir als alternde Gesellschaft diskutieren, sonst kollabiert das System“, so Bäte weiter gegenüber der Zeitung. Das Solidarsystem in der bisherigen Form, bei dem die Gemeinschaft der Gesunden die Kranken stützt, wolle er aber nicht abschaffen.

Um die Kosten im Gesundheitssystem langfristig in den Griff zu bekommen, muss tatsächlich etwas passieren. Und ein Trend geht dahin, eher auf Prävention zu setzen, statt sich nur der Heilung von Krankheiten zu widmen. „Der Prävention von Krankheiten, also ihrer Vermeidung, einer besseren Früherkennung und einer besseren Verzahnung mit Rehabilitation, wird eine immer größere Bedeutung zukommen“, stellt Frank Girolstein, Leiter des R+V Kompetenzcenters der R+V Krankenversicherung, fest. Immer mehr Krankenversicherer statten ihre Tarife daher mit solchen Präventionsleistungen aus. „Wir möchten dabei unterstützen, gesund zu bleiben. Deswegen fördern wir ambulante Vorsorgeuntersuchungen und Schutzimpfungen ganz besonders“, erklärt Nina Henschel, Vorständin der R+V Krankenversicherung AG.


1) Mehrfachnennungen möglich
Quelle: Pfefferminzia-Leserumfrage 2021
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Und so etwas kommt auch bei Vermittlern gut an. In unserer Leserumfrage zum Thema Gesundheit, die wir einmal im Jahr durchführen, geben rund 65 Prozent an, Krankenversicherungstarife gut zu finden, die gesundheitsförderndes Verhalten der Patienten belohnen. Knapp 20 Prozent halten nichts davon, und rund 16 Prozent zeigen hier Bedenken wegen des Datenschutzes.

In einer weiteren Frage wollten wir von unseren Leserinnen und Lesern wissen, was ein Krankenversicherungsprodukt heutzutage neben den Kernleistungen des Versicherungsschutzes noch enthalten sollte. Mit 84 Prozent liegen Präventionsleistungen danach mit Abstand auf Platz 1. Auf den weiteren Plätzen folgt ein Zweitmeinungsservice mit 61 Prozent und die medizinrechtliche Beratung mit 51 Prozent. Dass die Telemedizin hier eine bedeutende Rolle spielt, davon ist auch Pedro Chica Sanchez, Marktmanager Krankenversicherung bei der Signal Iduna, überzeugt. „Nicht nur, weil sie bequem ist. Sondern weil sie die Menschen wegen ihres geringeren zeitlichen und logistischen Aufwands auch dazu bringt, gegebenenfalls überhaupt mit einem Arzt zu reden.“ Und das sei im Sinne der Früherkennung hilfreich, führt er weiter aus.


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Neben dem Trendthema Prävention haben wir in unserer Umfrage auch einen Fokus auf die Corona-Pandemie gelegt. Hat diese die Gesprächsgrundlage von Vermittlern im Bereich der Krankenversicherung geändert? Gut 70 Prozent antworten auf diese Frage, dass sich keine Änderung ergeben habe. Rund 20 Prozent finden, die Ausgangslage für Gespräche mit dem Kunden habe sich verbessert, nur rund 9 Prozent geben an, sie hätten jetzt schlechtere Chancen auf ein Beratungsgespräch als vorher. Corona-kompatibel ist vielfach auch die Art, wie die Vermittler die Beratungsgespräche durchführen. Knapp 77 Prozent führen ihre Beratungsgespräche zur PKV online durch – knapp 37 Prozent häufig, gut 40 Prozent selten.

Die Corona-Pandemie hat einiges an zusätzlichen Kosten verursacht, was zum Beispiel die gesetzliche Krankenversicherung ordentlich belastet. Zusätzlich zu sowieso steigenden Kosten durch die alternde Bevölkerung und den medizinischen Fortschritt habe die Pandemie für „unkalkulierbare Zusatzbelastungen“ in der GKV gesorgt, kritisiert etwa Sigrid König, Vorständin beim BKK Landesverband Bayern. Diese wiegten besonders schwer, weil die Krankenkassen „nur noch über einen Bodensatz an Rücklagen verfügen dürfen“, so König weiter. Ihre Forderung an die Bundesregierung: „Wir brauchen noch vor dem Herbst 2021 auf die Ausgaben wirkende strukturelle Veränderungen.“ Passiere das nicht, erwartet König, dass die Versicherten 2022 eine Kostenlücke von mehr als 17 Milliarden Euro über höhere Beiträge schließen müssten. Zu diesem Schluss kommt auch der Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbands, Martin Litsch. „Ohne Gegensteuern droht ein Anstieg des durchschnittlichen Zusatzbeitrags von 1,3 auf 2,5 Prozent“, sagte er in einem Interview mit der „Augsburger Allgemeinen“.

Wird dieses Schicksal die PKV gleichermaßen treffen? Fast ein Viertel unserer Leser geht von deutlich steigenden Beiträgen aus, gut 46 Prozent rechnen ebenfalls mit Beitragsanpassungen, aber eher milden. Und knapp 31 Prozent glauben nicht, dass die Corona-Pandemie dazu führen wird, dass die Privatversicherten tiefer für ihren Krankenversicherungsschutz in die Tasche werden greifen müssen. Wer im Endeffekt richtig liegt, wird sich zeigen.

Aber das Thema ist wichtig, liegt doch die Beitragsstabilität bei der Frage, was Vermittlerinnen und Vermittlern besonders wichtig ist, wenn es um die Wahl eines passenden PKV-Anbieters für den Kunden geht, mit gut 78 Prozent auf Platz 2. Nur die guten Leistungen liegen mit rund 88 Prozent noch weiter vorne. Das ist auch nicht verwunderlich, weil sich die PKV doch gerade über die Leistungen deutlich von der gesetzlichen Krankenversicherung abhebt und damit das Hauptargument für eine PKV liefert.

Nach Leistungen und Beiträgen prüfen unsere Leser bei der Wahl eines Anbieters noch die Unternehmensbilanzen (51 Prozent) und wie schnell die Leistungsregulierung abläuft (31 Prozent). Das Image des Versicherers ist hier weniger entscheidend (14 Prozent).


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Quelle: Pfefferminzia-Leserumfrage 2021
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Die meisten unserer Leserinnen und Leser vermitteln ein- bis fünfmal pro Monat eine private Krankenversicherung – 84 Prozent geben das an. 13 Prozent schaffen es sogar sechs- bis zehnmal, neue PKV-Policen abzusetzen. Im Fokus stehen dabei jüngere Kunden, die zwischen 30 und 39 (79 Prozent) oder zwischen 20 und 29 Jahre alt sind (16 Prozent). Am häufigsten haben die Vermittler mit Selbstständigen und Freiberuflern zu tun (72 Prozent), vor Angestellten (70 Prozent) und Beamten (50 Prozent).

Aber auch an Firmenkunden werden sich Vermittlerinnen und Vermittler wohl in Zukunft öfter wenden. Denn die betriebliche Krankenversicherung (bKV) boomt. Laut PKV-Verband hat sich die Zahl der Unternehmen, die eine arbeitgeberfinanzierte bKV anbieten, seit 2015 mehr als vervierfacht. Mit 13.500 Betrieben, die ihren Mitarbeitern diese Leistung anbieten, besteht aber noch sehr viel Luft nach oben. „Wir stehen hier erst am Anfang der Entwicklung“, ist Kabil Azizi, National Category Manager Gesundheit bei der Gothaer, überzeugt.

Dieses Potenzial sehen vielfach auch unsere Leserinnen und Leser. 51 Prozent sehen in diesem Markt große Chancen, knapp 28 Prozent immerhin verhaltenes Potenzial. Gut jeder Fünfte glaubt aber nicht, dass hier viel Geschäft zu machen sei. Das könnte daran liegen, dass Vermittler hier durchaus Hürden sehen. Der Beratungsaufwand sei zu groß, meinen etwa 58 Prozent. Die Produkte seien zu kompliziert, geben 31 Prozent an. Eine zu geringe Vergütung sehen 27 Prozent als Hindernis für die weitere Verbreitung der bKV.


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Im freien Antwortfeld gaben mehrere Leser auch an, dass es mitunter schwierig sei, die Unternehmerinnen und Unternehmer für eine bKV zu begeistern – oder überhaupt erst mal einen Termin mit einem Entscheider zu ergattern.

Zumindest der Punkt mit den zu komplexen Tarifen lässt sich heute schon recht gut aushebeln. Denn es gibt sogenannte Budgettarife. Der Arbeitgeber legt dabei für seine Mitarbeiter ein jährliches Gesundheitsbudget fest, zum Beispiel 500 Euro. Die Angestellten können dieses Geld dann ganz individuell für ihre Gesundheitsleistungen nutzen, etwa für Zahnersatz oder eine neue Brille. Viel einfacher geht es nicht. Zusätzlich ist die Vergütung bereits vor einiger Zeit der Regelung bei Einzelversicherungen angepasst worden, um mit einem weiteren Irrglauben aufzuräumen. Und: Die Zuwendungen in der arbeitgeberfinanzierten bKV sind bis zu einer Grenze von 44 Euro steuer- und sozialabgabenfrei – ab 1. Januar 2022 steigt dieser Wert auf 50 Euro. Gothaer-Mann Kabil Azizi kommt daher zu dem Schluss: „Für Vermittlerinnen und Vermittler, die sich mit der bKV beschäftigen, ist das eine Riesen-Chance.“ Und dem ist nichts mehr hinzuzufügen.

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Autorin

Karen

Schmidt

Karen Schmidt ist seit Gründung von Pfefferminzia im Jahr 2013 Chefredakteurin des Mediums.

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