Auch vom Wahlkampf geprägt

Deutsche verlieren Vertrauen in gesetzliche Rente

Die Bundesbürger glauben vermehrt daran, dass sich das Versorgungsniveau der gesetzlichen Rente in den kommenden Jahren verschlechtern wird. Das geht aus dem aktuellen Altersvorsorge-Index des Deutschen Instituts für Vermögensbildung und Alterssicherung hervor. Eine Stabilität des Systems ohne Einschnitte etwa bei Rentenhöhe oder Eintrittsalter halten immer weniger Menschen für realistisch.
© picture alliance / ZB | Soeren Stache
Zwei Rentner sitzen an einem Teich: Das Vertrauen in das gesetzliche Rentensystem sinkt.

Das Vertrauen der Deutschen in die gesetzliche Rente hat weiter abgebaut. Im aktuellen aktuelle Altersvorsorge-Index des Deutschen Instituts für Vermögensbildung und Alterssicherung (Diva) lag der Wert zum ersten Mal mit -0,4 Punkten im negativen Bereich. Vor einem Jahr lag er noch bei 3,8 Punkten, war aber im Frühjahr 2021 bereits auf 1,7 gefallen.

Den Index berechnet das Diva aus einer Befragung von rund 2.000 Bürgerinnen und Bürgern zur aktuellen Lage sowie zu künftigen Erwartungen bezüglich der Altersvorsorge. Die mögliche Werte liegen zwischen -100 und 100 Punkten.

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Am eklatantesten fiel der Vertrauensschwund danach bei der gesetzlichen Altersvorsorge aus: 58,5 Prozent der Befragten und damit knapp 5 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr gehen davon aus, dass sich das Versorgungsniveau in den nächsten 10 bis 20 Jahren verschlechtern wird.

„Bei den Bürgern steigt das Bewusstsein, dass die gesetzliche Rente ohne schmerzhafte Anpassungen bei Eintrittsalter, Rentenhöhe und Beitragssatz nicht länger finanzierbar sein wird“, bewertet Michael Heuser, wissenschaftlicher Direktor des Diva, die Ergebnisse. „Dazu hat sicher auch die massive Medienpräsenz des Themas Rente in der heißen Phase des Wahlkampfs beigetragen.“

Stabilität der Rente unwahrscheinlich

Laut Heuser zeigen sich die Bürger mit Blick auf die Entwicklung des Altersvorsorge-Index realistischer als die Politik: „Anstelle von unvermeidlichen Einschnitten haben die Wahlprogramme teilweise Stabilität der gesetzlichen Rente suggeriert, die mit der demographischen Entwicklung nicht in Einklang zu bringen ist – wohl aus Sorge um den Verlust von Wählerstimmen bei den Älteren.“

Die Altersgruppe der 50- bis 65-Jährigen ist seit Beginn der Indexberechnung durchgängig am pessimistischsten eingestellt. In der aktuellen Erhebung spitzt sich deren negative Beurteilung nochmals deutlich zu. Die größten Sorgen müssten sich aber eher die Kinder der Babyboomer machen, die mit erheblichen Zusatzbelastungen zur Finanzierung der Renten ihrer Eltern rechnen müssten – sei es durch höhere Beiträge oder Steuerzuschüsse.

„Wir sind nun an einem Punkt angelangt, an dem die Rentengeschenke der zurückliegenden Legislatur auf den Prüfstand gestellt werden müssen“, sagt sagt Helge Lach, Vorstand des Bundesverbands Deutscher Vermögensberater. „Ohne Einschnitte bei den Renten der geburtenstarken Jahrgänge wird es nicht gehen, wenn der Anspruch auf Generationengerechtigkeit halbwegs ernst genommen wird. Die Bevölkerung scheint das zu wissen, die Politik hingegen scheut sich vor notwendigen Reformen.“

Autorin

Karen

Schmidt

Karen Schmidt ist seit Gründung von Pfefferminzia im Jahr 2013 Chefredakteurin des Mediums.

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