Bei den Anbietern der privaten Krankenversicherung (PKV) kommt es zunehmend zu Gruppierungen – so ist eine Unterteilung in schrumpfende, stagnierende und wachsende Unternehmen erkennbar. Das ist ein Ergebnis der aktuellen Ausgabe des „Map-Reports“ des Analysehauses Franke und Bornberg.
Besonders positiv heben die Analysten die Alte Oldenburger hervor. Das Unternehmen aus Vechta verteidigte einmal mehr die Position als bilanzstärkster privater Krankenversicherer im Rating mit 261 (87,0 Prozent) von 300 möglichen Punkten. Wie im Vorjahres-Rating zählen auch LVM (249 Punkte, also 83,0 Prozent), R+V (244 Punkte; 81,3 Prozent) und Signal Iduna (240 Punkte; 80,0 Prozent) zur Spitzengruppe. Sie alle wurden von Franke und Bornberg mit der neu eingeführten Bewertungskategorie „MMM+“ für exzellente Leistungen ausgezeichnet.
Die mit „MMM“ bewerteten hervorragenden Ergebnisse des Vorjahres wiederholten die VGH Provinzial (235 Punkte; 78,3 Prozent), Universa (232 Punkte; 77,3 Prozent) und die Hallesche (225 Punkte; 75,0 Prozent). Der Münchener Verein führt das Feld der mit „MM“ für sehr gute Leistungen bewerteten Unternehmen an. Neben dem Münchener Verein gingen noch neun weitere Versicherer mit einem sehr guten Ergebnis aus dem Rennen; darunter auch Marktführer Debeka (71,7Prozent) sowie Allianz (68,7 Prozent) und Generali (65,0 Prozent).
Die privaten Krankenversicherer konnten ihre verdienten Bruttobeiträge im Jahr 2020 um 4,5 Prozent (Vorjahr: 3,0 Prozent) auf 42,7 Milliarden Euro steigern. Auch in der Gesundheitsvorsorge haben die einzelnen Marktteilnehmer an dem Zuwachs einen sehr unterschiedlichen Anteil. Auf die Beitragsentwicklung der PKV-Anbieter wirken mehrere Einflussfaktoren.
Neben Vertragskündigungen, Neuabschlüssen und Tarifwechseln innerhalb der privaten Krankenversicherung haben sich laut der Analysten auch Übertritte zur und von der gesetzlichen Krankenversicherung, Geburten, Todesfälle und Prämienanpassungen auf die Entwicklung der Beitragseinnahmen ausgewirkt. Welche Anteile diese Variablen an den Prämien der einzelnen Versicherer haben, habe sich den Jahresabschlüssen jedoch nicht entnehmen lassen, heißt es im Rating-Papier.
Überdurchschnittliche Zuwächse der Beitragseinnahmen verbuchten danach Concordia (11,9 Prozent), Nürnberger (10,8 Prozent), Arag (9,6 Prozent) und VGH (9,3 Prozent). Von den Schwergewichten mit mehr als einer Milliarde Euro Beitragseinnahmen befanden sich der Untersuchung zufolge vor allem die Bayerische Beamtenkrankenkasse (7,1 Prozent), Hanse-Merkur (5,78 Prozent), Huk-Coburg (5,7 Prozent), Axa (5,3 Prozent) und Debeka mit 5,1 Prozent auf Wachstumskurs.
Für Verwaltungskosten gab die PKV 925,4 Millionen Euro aus und bewegt sich damit rund 1,8 Prozent über dem Vorjahresniveau. Da die Verwaltungskostenquote in Relation zu den gestiegenen Beitragseinnahmen berechnet wird, ging die Quote den Analysten zufolge von 2,22 auf 2,17 Prozent leicht zurück. Die niedrigste Verwaltungskostenquote wies erneut die Huk-Coburg mit 0,90 Prozent auf, gefolgt von der Debeka (1,36 Prozent), R+V (1,56 Prozent) und Alte Oldenburger (1,66 Prozent). Werte von unter 2 Prozent wiesen auch die Landeskrankenhilfe, Axa, VRK, Hanse-Merkur und UKV aus.
Die Abschlusskostenquote ist im Durchschnitt ebenfalls gefallen – und zwar von 6,41 auf 6,29 Prozent. Generell müsste der Abschlusskostensatz in einer wachstumsschwachen Phase zwar sinken, so die Analysten von Franke und Bornberg. Das war bei der Mehrzahl der Unternehmen, wie beispielsweise Signal Iduna, Allianz, DKV oder SDK, auch so. Es gab laut der Analyse aber auch Anbieter, die den Bestandsabrieb trotz steigender Abschlussaufwendungen nicht stoppen konnten. Trotz Deckelung der Abschlusskosten und offenbar schwachem Neugeschäft sind die Aufwendungen für Vertragsabschlüsse in den vergangenen Jahren kaum gesunken.
Interessant dabei: Obwohl die Versicherer bekanntlich bereits seit Jahren branchenübergreifend unter dem Zinsniveau leiden, waren es der Studie zufolge gerade die Niedrigzinsen, die die Bewertungsreserven in den Kapitalanlagen weiter ansteigen ließen. Verzeichneten 2018 noch sämtliche Anbieter teils dramatische Rückgänge der Bewertungsreservequote, ging es – ausgelöst durch den neuerlichen Zinsverfall – für fast alle Anbieter das zweite Jahr infolge steil bergauf. Die höchsten Werte hatten Hallesche und Inter mit jeweils 27,8 Prozent gefolgt von der Allianz mit 26,1 Prozent.
Über 20 Prozent erreichten zudem die Alte Oldenburger (21,9 Prozent), Axa (21,4 Prozent), Signal Iduna und Debeka mit jeweils 21,0 Prozent sowie LVM (20,4 Prozent) und VGH Provinzial (20,3 Prozent). Im Branchendurchschnitt stieg der Anteil der Bewertungsreserven an den gesamten Kapitalanlagen von 17,4 auf 18,9 Prozent.
In einem ebenfalls kürzlich erschienenen PKV-Rating des Analysehauses Morgen & Morgen liegt ein Fokus ebenfalls auf den Zinsentwicklungen. „Die anhaltende Niedrigzinsphase beschäftigt die Branche weiterhin“, heißt es dort. „Das schlägt sich primär in Rechnungszinssenkungen im Bestand nieder, die für den Kunden durch Beitragsanpassungen spürbar werden können.“ Bis 2012 wurden die Tarife mit einem Rechnungszins von 3,5 Prozent kalkuliert. Im Geschäftsjahr 2020 liegt der durchschnittliche Rechnungszins in den Beständen laut den Experten von Morgen & Morgen etwa bei 2,5 Prozent. 2019 waren es noch 2,6 Prozent – und die Tendenz sei weiter fallend.
Morgen & Morgen hat sich zudem die Nettoverzinsung im Geschäftsberichtsjahr 2020 angeschaut. Es zeigt sich: Erstmals fiel diese unter 3 Prozent auf 2,8 Prozent. Aber: Nach einem Rückgang im Vorjahr verzeichnete die Versicherungsgeschäftliche Ergebnisquote einen leichten Anstieg auf 13,1 Prozent. Zudem blieben die Verwaltungskosten mit 2,2 Prozent und die Abschlusskosten mit 6,1 laut Morgen & Morgen „recht konstant“.
Innerhalb der Wachstums- und Bestandsgrößen lag die Wachstumsrate für natürliche Personen in der Vollversicherung wie im Vorberichtsjahr auch 2020 bei minus 0,4 Prozent. Der Rückgang sei damit „konstant niedrig“ geblieben, heißt es im Rating. Die Privaten Ergänzungsversicherungen verzeichneten weiterhin einen Zuwachs, einige Versicherer sogar stark. Die Wachstumsrate stieg von 1,5 Prozent auf 2,3 Prozent.
Im Bereich der Kennzahlen zu Sicherheit und Finanzierbarkeit wies die Eigenkapitalquote einen leichten Rückgang auf. Die Rückstellungen für Beitragsrückerstattungen (RfB) sind ebenfalls wieder gesunken, die RfB-Quote lag bei 34,3 Prozent. Aber: Die RfB-Zuführungsquote blieb konstant bei 10,7 Prozent. Einen Anstieg um 1,5 Prozentpunkte auf 18,5 Prozent verzeichnete die Bewertungsreservenquote. Grund hierfür sei der Zinsrückgang am Kapitalmarkt, schreibt Morgen & Morgen.
Im Rückblick auf 2020 durfte natürlich auch die Corona-Pandemie nicht fehlen. Die Analysten von Franke und Bornberg fällen hier jedoch ein positives Urteil: Sie beurteilen die Auswirkungen auf die Branche bisher als „weitaus geringer als auf andere Wirtschaftszweige“. Aber: Welche langfristigen Folgen die Krise auch für die Assekuranz bringe, werde sich erst in den kommenden Jahren zeigen.
Zu den Auswirkungen durch die Corona-Pandemie haben auch die Experten von Morgen & Morgen in erster Linie Positives herausgefunden: „Die Leistungsausgaben waren in Summe recht stabil“, heißt es im Rating an dieser Stelle. „Pandemiebedingt höheren Ausgaben im Bereich von Prävention, Hygienemaßnahmen oder Tests stehen verminderte Ausgaben, etwa aufgrund aufgeschobener Behandlungen gegenüber. Insgesamt wurden weniger Gesundheitsleistungen in Anspruch genommen.“
Auf der anderen Seite rechne die PKV-Branche aber auch „mit einem verzögerten Anstieg der Leistungsausgaben in den kommenden Jahren“, ergänzt Thorsten Bohrmann, Senior-Versicherungsanalyst bei Morgen & Morgen. „Aufgeschobene Behandlungen, in diesem Zusammenhang unerkannte Krankheiten, Langzeitfolgen von Covid-19-Erkrankungen und eine zeitlich verzögerte Beleg-Einreichung, etwa aus der zweiten Welle der Pandemie, können die zukünftigen Leistungsausgaben erhöhen, die PKV-Versicherer haben diesbezüglich mit der Bildung von Schadenrückstellungen reagiert.“
Ein Feld, in dem die PKV-Branche die Pandemie jedoch sehr wohl zu spüren bekommen habe, seien die Kapitalanlagen gewesen, holt Morgen & Morgen im Rating-Bericht weiter aus. Denn die Finanzmärkte hatten in der schon länger andauernden Niedrigzinsphase zusätzlich mit deutlichen Kurseinbrüchen aufgrund der weltweiten Pandemie und der damit verbundenen konjunkturellen Unsicherheit zu kämpfen. „Die Bestände der PKV-Versicherten hingegen blieben trotz Pandemiebedingungen stabil. Neugeschäftseinbußen gab es nur geringfügig beziehungsweise in speziellen Bereichen wie zum Beispiel der Auslandsreiseversicherung“, heißt es weiter.
Das Gesamtergebnis von Morgen & Morgen: „Im Vergleich zum Vorjahr verzeichnet das Ergebnis sogar eine Verbesserung“, schreiben die Analysten. Fünf Versicherer anstelle von drei konnten mit der Höchstbewertung von 5 Sternen ausgezeichnet werden. Die restlichen Versicherer bestätigten ihre Ergebnisse des vergangenen Jahres. Die Alte Leipziger landet im Rating ganz vorn. Auch die Fünf-Sterne-Bewertung der LVM, Signal Iduna und der R+V deckt sich mit der Spitzenbewertung von Franke und Bornberg. Einzig die Hanse-Merkur schnitt bei Morgen & Morgen mit 5 Sternen besser ab. 4 Sterne erhielten Allianz, Arag, DEVK, Hallesche, Inter, LKH, Mecklenburgische, UKV und VGH Provinzial.
>>> Hier geht es zu den Rating-Ergebnissen von Morgen & Morgen
>>> Und hier finden Sie den Map-Report von Franke und Bornberg
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