In der Pandemie hat sich jeder vierte Berufstätige stärker mit Finanzen und der Geldanlage beschäftigt als zuvor, wie die aktuelle Ausgabe der „Berufe-Studie“ des Versicherers HDI zeigt. Das Resultat ist aus Sicht der Studienautoren eine kleine Revolution: Das Zutrauen in Wertpapiere als Vorsorgeinstrument wächst auf Rekordniveau. Keine andere Form der Altersvorsorge steigt gegenüber 2020 derart in der Gunst der Befragten wie Aktien und Fonds.
Insgesamt kletterten sie bei der Frage, in welche Form der Altersvorsorge das größte Vertrauen besteht, von Platz 6 auf Platz 2. Nur das Eigenheim liegt unangefochten auf Platz 1. Aber: Berufstätige zwischen 20 und 29 Jahren sagen jetzt sogar zu 30 Prozent, dass sie das höchste Vertrauen in Wertpapiere haben. Zum Vergleich: Nur halb so viele unter ihnen haben das größte Vertrauen in die gesetzliche Rente (15 Prozent). Männer zeigen dabei generell ein größeres Vertrauen als Frauen (29 zu 18 Prozent). Jedoch hat sich unter den berufstätigen Frauen das Zutrauen zu Aktien und Fonds gegenüber 2020 stärker erhöht als bei Männern.
„Die Chancen börsennotierter Wertpapiere bei der Zukunftsvorsorge sind wissenschaftlich gesichert und werden von den Berufstätigen zunehmend anerkannt“, kommentiert Christopher Lohmann, Vorstandsvorsitzender von HDI Deutschland, die Studienergebnisse. „Die Scheu vor fondsbasierten Rentenversicherungen nimmt weiter ab und das ist auch gut so. Denn wer eine auskömmliche Altersrente wünscht, muss sich für die Chancen der Kapitalmärkte öffnen.“
Im Rahmen der Studie sollten die Befragten zudem Fragen zu beruflichen Themen beantworten. Es zeigt sich: Die Corona-Krise hat für eine Spaltung gesorgt. So haben mehr als ein Drittel der Befragten hierdurch eine positivere Einstellung zum Beruf gewonnen; ein knapp halb so großer Teil äußert jedoch auch eine verschlechterte Sicht.
Auf die Frage, welche Erwartungen die Umfrageteilnehmer für die kommenden zwölf Monate in Richtung Gehalt und Einkommen haben, gab fast ein Drittel an, mit steigenden Einkünften zu rechnen. Besonders häufig ist die Erwartungshaltung unter Selbstständigen oder Freiberuflern sowie auch in den Berufsgruppen aus den Bereichen Werbung, Marketing und Medien. Zugleich planen sonst nur noch im IT-Bereich so viele einen beruflichen Aufstieg in den kommenden zwölf Monaten (33 Prozent).
Im Bundesländer-Vergleich zeigt sich zudem: Bremen und Berlin stechen mit dem bundesweit höchsten Anteil an Beschäftigten mit der Erwartung steigender Einkünfte (je 36 Prozent) heraus. Zugleich glauben hier weniger Befragte als im Bundesdurchschnitt, dass es wegen der Corona-Krise zu sinkenden Investitionen der Firmen kommen wird.
Ein weiteres Ergebnis der Studie: Die Digitalisierung wird von immer weniger Menschen als Bedrohung gesehen. Erstmals loben sogar mehr als die Hälfte aller Befragten den digitalen Wandel im Beruf als sehr oder eher hilfreich (58 Prozent, Vorjahr: 46 Prozent). Dabei hat jeder Vierte in der Corona-Zeit eine starke oder sogar sehr starke Zunahme digitaler Arbeiten in seinem Beruf erlebt.
Fast ein Drittel aller Beschäftigten erklärt durch die Digitalisierung inzwischen auch eine verbesserte Balance zwischen Privat- und Berufsleben. Es wird allerdings eine gewisse Spaltung der Berufswelt sichtbar. So haben ein Drittel nach den Corona-Erfahrungen eine positivere Einstellung zu ihrem Beruf gewonnen (36 Prozent, Vorjahr: 33 Prozent). Gleichzeitig hat auch die Befürchtung, dass Digitalisierung zu Jobverlusten führt, weiter abgenommen. Für sich persönlich hat diese Sorge laut der Umfrage nicht einmal mehr jeder fünfte Erwerbstätige (19 Prozent).
Gewachsen ist aber auch die Gruppe, die seither eine negativere Berufseinstellung hat (15 Prozent, Vorjahr: 12 Prozent). Ebenfalls größer ist die Zahl der Berufstätigen, die keinen Spaß in ihrem Beruf findet (22 Prozent, Vorjahr: 18 Prozent). Zu den möglichen Ursachen gibt die HDI-Studie einen interessanten Hinweis: Beschäftigte, die den digitalen Wandel im Beruf als hilfreich ansehen, empfinden viermal häufiger Spaß im Beruf als andere.
„Durch die Corona-Pandemie hat die Digitalisierung in der Berufswelt mit extremer Geschwindigkeit Einzug gehalten. Das überfordert nicht wenige Beschäftigte. Wir sehen aber in den Verläufen unserer jährlichen Berufe-Studien, dass mit einer gewissen Verzögerung die Berufstätigen diesen Wandel immer besser annehmen und die positiven Effekte überwiegen.“ Die Offenheit gegenüber dem technologischen Wandel sei „sehr ermutigend“, fügt Lohmann hinzu – und das „nicht nur für unsere Gesellschaft, sondern insbesondere auch für die deutsche Wirtschaft, die nur mit der notwendigen digitalen Transformation ihre Wettbewerbsfähigkeit wird behaupten können“.
In der aktuellen Berufe-Studie sind die Autoren in ihrem Fragenkatalog zudem nicht um das Thema Homeoffice herumgekommen, hat Corona hier doch für einen regelrechten Boom gesorgt. Es zeigt sich: Mehr als jeder dritte Berufstätige hat während der Corona-Zeit Erfahrung mit dem mobilen Arbeiten gemacht.
Die Bewertung fällt jedoch differenziert aus. „Sind digitale Meetings effizienter und zielorientierter als persönliche Meetings?“ Auf diese pauschale Frage antwortet knapp jeder Dritte (32 Prozent) mit ja – größer ist allerdings die Gruppe, die mit nein antwortet (41 Prozent). Ein ähnliches Verhältnis ergibt sich auf die Frage: „Ist die Qualität der Meetings im mobilen Arbeiten höher als bei Meetings vor Ort oder am Firmenarbeitsplatz?“ Auch hier antworten 30 Prozent mit ja und 40 Prozent mit nein.
Dennoch haben die Befragten auch Positives zu berichten: So hält die Mehrheit der Berufstätigen die Erreichbarkeit von Kollegen und auch Führungskräften beim mobilen Arbeiten für sehr gut. Ebenfalls werden die Möglichkeiten zum selbstständigen Arbeiten und der Konzentration auf die Arbeit im Homeoffice von deutlich mehr Beschäftigen besser gegenüber dem Firmenarbeitsplatz eingeschätzt als schlechter.
Wenn es um Teamwork und Austausch in der Gruppe geht, offenbart das mobile Arbeiten aber Schwächen. Es halten fünf Mal mehr Berufstätige den Austausch innerhalb eines Teams beim mobilen Arbeiten für schlechter als besser gegenüber dem Firmenarbeitsplatz (42 zu 8 Prozent). Ähnlich negativ fällt das Resultat zu gegenseitiger Unterstützungsmöglichkeit und Wertschätzung im Team aus. Beim Urteil, ob Feedback zur Aufgabenerfüllung oder Klarheit über individuelle Arbeitsziele besser oder schlechter gelingen, nähern sich die Zahlen allerdings schon deutlich an (9 zu 28 Prozent beziehungsweise 13 zu 15 Prozent).
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