Ergebnisse der Pfefferminzia-Leserumfrage

Wie aktuelle Trends die Altersvorsorge verändern

Die Senkung des Rechnungszinses, der Auftrieb nachhaltiger Geldanlagen und die Corona-Pandemie wirken sich deutlich auf den Markt für Altersvorsorgeprodukte und die Beratung in diesem Bereich aus. Das zeigt die aktuelle Pfefferminzia-Leserumfrage.
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Herausforderung und Chance liegen oft dicht beieinander – das ist auf dem deutschen Altersvorsorgemarkt nicht anders. Viele herausfordernde Trends können Vermittler in Beratungschancen ummünzen.

Aktuell wirken viele verschiedene Effekte und Trends auf den Altersvorsorgemarkt hierzulande ein. Und das hinterlässt seine Spuren, wie die Ergebnisse der Umfrage unter unseren Lesern zeigen. Knapp 100 Vermittler und Makler machten mit und beantworteten unsere 16 Fragen rund um das Thema Altersvorsorge.  

Grob kann man diese Effekte in drei Bereiche einteilen. Da ist erstens die Senkung des Höchstrechnungszinses zum 1. Januar 2022. Das Bundesfinanzministerium hat auf Anraten der Deutschen Aktuarvereinigung beschlossen, dass dieser Zins im neuen Jahr für Neuverträge von aktuell 0,9 auf dann 0,25 Prozent heruntergeschraubt werden soll. Damit reagiert die Politik erneut auf das nun schon mehr als ein Jahrzehnt anhaltende Niedrigzinsumfeld, das es unter anderem den Versicherungsgesellschaften hierzulande schwer macht, rentierlich in sichere Anlagen zu investieren. So weit, so nachvollziehbar.  

Dieser Schritt wird aber eben Folgen für den Markt haben, glauben unsere Leser. So geben rund 71 Prozent der Befragten an, dass die Politik mit diesem Schritt das Ende der 100-prozentigen Beitragsgarantie einläuten wird. Und nicht nur das. Produkte, bei denen eine solche Garantie Pflicht ist – nämlich bei der Riester-Rente und in Teilen der betrieblichen Altersversorgung (bAV) –, könnten als Folge vom Markt verschwinden. Auch hier glauben gut 71 Prozent unserer Leser, dass Riester und die bAV vor erheblichen Problemen stehen werden, wenn der Gesetzgeber die Garantien nicht noch lockert. Die ersten Versicherer haben schon angekündigt, sich aus diesen Produkten zurückzuziehen. 

1) Mehrfachnennungen möglich 2) Altersversorgung 3) Rentenversicherung Quelle: Pfefferminzia-Leserumfrage 2021; Illustrationen: Freepik / www.flaticon.com, Freepik, rawpixel.com / Freepik

Andere Produkte werden durch die Garantiezinssenkung dagegen wohl einen weiteren Schub bekommen. Die Fondspolice etwa. Fast drei Viertel unserer Leser erwarten, dass sie noch einmal mehr in den Fokus der Menschen rücken wird. Das scheint auch nicht verwunderlich, wir fragten unsere Leser nämlich auch, welche Kriterien ihren Kunden bei einem Altersvorsorgeprodukt besonders wichtig seien. An erster Stelle liegt unangefochten mit rund 82 Prozent die gute Rendite beziehungsweise Verzinsung. An zweiter Stelle folgt Flexibilität mit knapp 65 Prozent vor der Beitragsgarantie auf Platz 3 mit rund 49 Prozent. Wie beraten Vermittler Kunden, die sich Garantien in ihren Altersvorsorgeprodukten wünschen? Nun, knapp 60 Prozent unserer Leser weisen ihre Kunden darauf hin, dass sie mit Garantiepolicen ihre Anlageziele meist nicht erreichen können. 55 Prozent beachten die gesetzliche Vorgabe des Versicherungsvertragsgesetzes, wonach sie den Kunden nach dessen Anlageziel und Risikotoleranz beraten müssen. Da dies im aktuellen Zinsumfeld nicht wirklich funktioniert, muss der Kunde sich in der Beratung dann zwischen Anlageziel oder Risikotoleranz entscheiden. Rund 41 Prozent vermitteln dem Kunden eine Garantiepolice, wenn er eine haben möchte; und rund ein Drittel versucht, den Kunden auf renditeträchtigere Produkte hinzuweisen.

Der zweite wichtige Effekt, der momentan auf die Altersvorsorge wirkt, ist die Corona-Pandemie. Und diese hat durchaus positive Effekte. So stellt fast die Hälfte der befragten Leser fest, dass sich durch die Pandemie der Bedarf an Beratung erhöht hat. Und 34 Prozent geben an, dass sich die Kunden nun mehr Gedanken um ihre Altersvorsorge machen. Haben Kunden reihenweise ihre Verträge gekündigt während der Pandemie? Auch das ist bei unseren Lesern mehrheitlich nicht der Fall. Gut 62 Prozent antworten auf diese Frage mit „Nein“, rund 16 Prozent mit „Ja“ – beim Rest bewegen sich die Kündigungen im sonst üblichen Ausmaß. 

 

Kommt es doch zum Kündigungswunsch seitens des Kunden, liegt das mit großem Abstand daran, dass diese Geld brauchen. Rund 69 Prozent der Vermittler geben das als Grund an. Dass die Menschen mit ihrem Altersvorsorgeprodukt nicht mehr so richtig zufrieden sind, ist laut 29 Prozent unserer Leser eine Motivation, Verträge abzustoßen; 22 Prozent sehen niedrige Zinsen und sinkende Überschussbeteiligungen als Faktor an. 

1) Mehrfachnennungen möglich Quelle: Pfefferminzia-Leserumfrage 2021; Illustrationen: Freepik / www.flaticon.com, Freepik, rawpixel.com / Freepik

Wie reagieren unsere Leser, wenn Kunden mit dem Wunsch auf sie zukommen, einen Vertrag zu kündigen? Die große Mehrheit, nämlich 83 Prozent, rät von einer Kündigung ab. Gut ein Viertel empfiehlt, den Vertrag lieber auf dem Zweitmarkt zu verkaufen. Und etwa 12 Prozent geben ihren Kunden den Rat, den Vertrag daraufhin zu prüfen, ob dieser rückabgewickelt werden kann. Vorteile dieser letzten beiden Varianten gegenüber der Kündigung sehen unsere Leser vor allem darin, dass der Kunde in aller Regel einen höheren Geldbetrag für seinen Vertrag bekommt. Das sehen gut drei Viertel der Befragten so.  

Und als dritten Effekt kommen wir schließlich zum Megatrend Nachhaltigkeit. Seit März 2021 müssen Vermittler ihre Kunden in Beratungen auf den Punkt Nachhaltigkeit hinweisen. Wie sind die Erfahrungen unserer Leser mit dieser gesetzlichen Verpflichtung? Gut 35 Prozent bemerken bei ihren Kunden ein verstärktes Interesse am Thema Nachhaltigkeit. Weitere knapp 44 Prozent meinen, dies sei stark vom Alter abhängig. Üblicherweise sind es eher die jüngeren Generationen, denen dieses Thema besonders wichtig ist, Stichwort: „Fridays for Future“-Bewegung. Rund 40 Prozent unserer Leser tragen das Thema Nachhaltigkeit gezielt an den Kunden heran, für ein gutes Viertel spielt es aber im Beratungsalltag noch gar keine Rolle.  

Die Hauptfragen, die von Verbrauchern kommen, wenn es um Nachhaltigkeit geht, sind laut unseren Lesern folgende: Gibt es überhaupt nachhaltige Anlagemöglichkeiten im Rahmen der Altersvorsorge? Worin wird dann investiert? Leidet die Rendite bei nachhaltigen Geldanlagen? Kann ich dem Versicherer glauben, wenn er mir Nachhaltigkeit verspricht? Das zeigt, dass hier noch ordentlich Aufklärungsbedarf besteht – und sich Makler und Vermittler gut als Experten und Lotsen einbringen können.  

1) Mehrfachnennungen möglich Quelle: Pfefferminzia-Leserumfrage 2021; Illustrationen: Freepik, Freepik / www.flaticon.com
Mehr Transparenz, wenn es um Nachhaltigkeit geht

Aber unsere Leser sehen auch einige Hürden, wenn es um den „grünen“ Megatrend geht. Im freien Antwortfeld monierte ein Umfrageteilnehmer etwa, dass es von Gesetzgeber-Seite noch keine allgemeingültigen und verbindlichen Regeln gäbe, was denn nachhaltig ist. „Bis dies geregelt ist, warte ich lieber erst mal ab“, schreibt er weiter. Ein anderer Leser schlägt in eine ähnliche Kerbe mit der Kritik, dass die Versicherer ihre eigenen Standards bei der Nachhaltigkeit definierten und es an Transparenz fehle. „Vieles wird einfach nachhaltig genannt, ist aber nicht nachhaltig. Wie soll ich das herausfinden“, stellt ein weiterer Leser eine berechtigte Frage. Auch langfristige Ergebnisse der Kapitalanlage fehlen unseren Lesern hier, dieser Kritikpunkt wurde ebenfalls mehrfach genannt. Manche Vermittler scheuen auch den Aufwand, den eine nachhaltige Anlage bedeutet. „Grüne“ Fonds müssten dauerhaft auf Veränderungen geprüft werden, gab ein Leser zum Beispiel als Hürde an.  

1) Mehrfachnennungen möglich Quelle: Pfefferminzia-Leserumfrage 2021; Illustrationen: Freepik, Freepik / www.flaticon.com

Zusammenfassend kann man also festhalten, dass sich die Vermittler – und viele Verbraucher und auch Versicherer – deutlich mehr Transparenz wünschen, was „Nachhaltigkeit“ denn eigentlich bedeutet. Und wie man sie sichtbar und messbar machen kann. Hier sind die Europäische Union und die Bundesregierung gefordert, um entsprechende Leitplanken vorzugeben.  

Ein weiteres interessantes Ergebnis unserer Umfrage gibt es in diesem Zusammenhang. Wir haben unsere Leserinnen und Leser nämlich gefragt, welche Punkte für Sie besonders relevant sind, wenn es um die Auswahl eines passenden Anbieters für Altersvorsorgeprodukte geht. Am wichtigsten ist danach eine stabile Bilanz (70,5 Prozent) vor der langjährigen Erfahrung des Versicherers in diesem Bereich (69,3 Prozent) und der persönliche Ansprechpartner für den Vermittler (39,8 Prozent). Immerhin 18,2 Prozent unserer Leser geben aber als Auswahlkriterium an, dass die Versicherungsgesellschaft ökologisch (Environment), sozial (Social) und im Sinne einer guten Unternehmensführung (Governance) wirtschaftet und diese „ESG“-Kriterien im täglichen Handeln berücksichtigt. Auch das ist ein Indiz dafür, dass in Zukunft wohl keiner – Verbraucher, Vermittler und Versicherer – mehr um dieses Thema herumkommen wird.  

 

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Autorin

Karen

Schmidt

Karen Schmidt ist seit Gründung von Pfefferminzia im Jahr 2013 Chefredakteurin des Mediums.

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