Umfrage

Führungskräfte wünschen sich zentrale Anlaufstelle für Cyber-Sicherheit

Cyber-Angriffe besitzen das Potenzial, enorme wirtschaftliche Schäden zu verursachen – das ist mittlerweile auch in den Chefetagen deutscher Unternehmen angekommen. Einer aktuellen Studie zufolge fürchten sich Führungskräfte insbesondere vor Datenbetrug und Schadsoftware. Zugleich wünschen sie sich von der Politik eine zentrale Anlaufstelle für Cyber-Sicherheitsthemen.
© picture alliance / empics | Dominic Lipinski
Ein Hacker am Laptop: Deutsche Führungskräfte sehen ihre Bedürfnisse durch die Politik im Bereich der Cyber-Sicherheit nicht ausreichend berücksichtigt.

Der Wirtschaftsprüfer Deloitte hat 400 deutsche Führungskräfte sowie 100 Landtagsabgeordnete zu ihrer Sicht in Sachen Cyber-Sicherheit befragt. Das Ergebnis: 77 Prozent bewerten Datenbetrug als größtes Cyber-Risiko, gefolgt von Computerviren und Schadsoftware mit 76 Prozent. Fragt man jedoch nur die Wirtschaftsvertreter, so ist die Risikoeinschätzung tendenziell noch etwas höher.

Gelassenheit beim Thema Homeoffice

Corona hat das Risikobewusstsein gestärkt. Denn mit der hohen Anzahl der IT-Systeme im Homeoffice, ihrer Verbindung miteinander und mit dem Unternehmensnetz sowie mit der verstärkten Nutzung von Kollaborationstools wächst auch der Bedarf an wirksamem Schutz. 34 Prozent der befragten Wirtschaftsführer geben an, die Cyber-Sicherheit habe durch die Corona-Krise in ihrem Unternehmen an Bedeutung gewonnen.

82 Prozent der Wirtschaftsvertreter und 52 Prozent der Abgeordneten berichten davon, spezielle IT-Sicherheitsmaßnahmen im Homeoffice getroffen zu haben. Dazu gehören beispielsweise die Durchführung von Schulungen, die Installation spezieller Sicherheitssoftware oder die Sperrung bestimmter Anwendungen für die Mitarbeitenden. Das Risiko, das von Beschäftigten im Homeoffice ausgeht, wird insgesamt als eher gering eingeschätzt. 71 Prozent der Führungskräfte aus der Wirtschaft und 84 Prozent der Abgeordneten halten die Risiken für weniger groß oder sehen kein zusätzliches Risiko. Gleichzeitig haben 34 Prozent der Wirtschaftsführer und 22 Prozent der Abgeordneten Zweifel am Risikobewusstsein ihrer Mitarbeitenden.

In Sachen Videokonferenztools beurteilen 67 Prozent der Wirtschaftsführer und 59 Prozent der Abgeordneten das Risiko als weniger groß oder gar nicht groß. Allerdings bestehen bei 56 Prozent der Abgeordneten und bei 48 Prozent der Führungskräfte aus der Wirtschaft Vorbehalte gegenüber Videokonferenztools aus den USA hinsichtlich des Datenschutzes und der Datensicherheit.

Kooperation zwischen Unternehmen und Politik ist gewünscht

Angesichts dieser Situation wünschen sich sowohl die Unternehmen als auch die Politiker im Bereich Cyber-Sicherheit eine stärkere Zusammenarbeit. Knapp 80 Prozent sind der Meinung, der Austausch sei nicht ausreichend. Fast drei Viertel der Wirtschaftsführer (71 Prozent) fordern deshalb eine stärkere Zentralisierung staatlicher Stellen beim Thema Cyber-Sicherheit. Insbesondere große Unternehmen mit 1.000 und mehr Mitarbeitenden halten eine zentrale Anlaufstelle für wichtig oder sehr wichtig.

Die Wirtschaft sieht ihre Bedürfnisse durch die Politik im Bereich der Cyber-Sicherheit zudem nur ungenügend berücksichtigt; das geben gut zwei Drittel der Befragten (68 Prozent) an. Aber auch ein Großteil der Abgeordneten (58 Prozent) fühlt sich nur weniger gut oder gar nicht gut über die Bedürfnisse der Wirtschaft informiert. Auskünfte zu Fragen der Cyber-Sicherheit erhalten die befragten Abgeordneten aus ihrem eigenen Umfeld. Sie verlassen sich daher insbesondere auf Informationen von Behörden, vom wissenschaftlichen Dienst des Bundestags oder aus den Fraktionen.

„Der derzeit noch nicht ausreichend funktionierende Austausch zwischen Politik, Gesellschaft, Wirtschaft und Forschung ist alarmierend“, betont Peter Wirnsperger von Deloitte Deutschland. „Nur mittels einer produktiven Kooperation können Risiken effektiv begegnet, etwaige Anreizsysteme und Förderprogramme attraktiv gestaltet und die Innovationskraft der Unternehmen und des Standorts Deutschland gestärkt werden.“

Soziale Medien mehrheitlich positiv bewertet

Weiter zeigt die Studie, dass die Führungskräfte aus mittleren und großen Unternehmen den sozialen Medien mehrheitlich positiv gegenüber stehen (58 Prozent). Und auch die Mehrheit der Abgeordneten (60 Prozent) sieht darin eher Chancen als Risiken für die Unternehmen beziehungsweise für die Politiker.

Weitere 15 Prozent sagen zudem, dass ihre Unternehmen bereits Opfer eines Shitstorms geworden sind. Überdurchschnittlich häufig betroffen sind große Unternehmen mit 1.000 und mehr Mitarbeitern (22 Prozent). Trotzdem verfolgen nur 55 Prozent aller befragten Unternehmen systematisch, was in entsprechenden Medien über sie berichtet wird. Bei Unternehmen, die in sozialen Medien eher Risiken als Chancen sehen, ist dies unterdurchschnittlich häufig der Fall (40 Prozent).

Mehr zum Thema

Cyber-Versicherer werden optimistischer – und erwarten teurere Policen

In Zeiten der Digitalisierung werden Cyberpolicen immer wichtiger. Seit Beginn der Corona-Krise scheinen das auch…

Corona treibt die Angst vor Cyber-Angriffen im Mittelstand

Videokonferenzen im Homeoffice, Daten in der Cloud, neue Online-Prozesse – mit Ausbruch der Pandemie haben…

„Cyber-Risiken können existenzvernichtend sein“

In naher Zukunft werden Rechtsanwälte nicht nur mit ihren Mandanten und Gegnern, sondern mit der…

Autorin

Juliana Demski gehörte dem Pfeffi-Team seit 2016 an. Sie war Redakteurin und Social-Media-Managerin bei Pfefferminzia. Das Unternehmen hat sie im Januar 2024 verlassen.

Teilen:
Nicht verpassen!

Pfefferminzia.pro

Eine Plattform, die liefert: aktuelle Informationen, praktische Services und einen einzigartigen Content-Creator für Ihre Kundenkommunikation. Alles, was Ihren Vertriebsalltag leichter macht. Mit nur einem Login.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert