„Welche Versicherungen brauchen Berufseinsteiger wirklich?“ Unter diesem Motto lud der „Spiegel“ Philipp Opfermann von der Verbraucherzentrale NRW zum Gespräch ein. Im aktuellen „Spiegel“-Podcast „Und was machst du? Der Job-Podcast“ plauderte der Verbraucherschützer darüber, „wie man günstige Policen findet – und warum er Versicherungen spannend findet“, so die Ankündigung des Hamburger Medienhauses.
Im Verlauf des gut 30-minütigen Gesprächs wollte „Spiegel“-Redakteurin Verena Töpper zunächst von Opfermann erfahren, welche Versicherungen (O-Ton Töpper: „ein Thema aus dem Parcours des Schreckens“) für junge Menschen eigentlich wichtig seien. Klar, „sich mit Versicherungen zu beschäftigen, ist so angenehm, wie ein Zahnarztbesuch“, musste die Redakteurin erstmal pflichtschuldig vorwegschicken, um dann fortzufahren: „Aber es hilft nichts, irgendwann müssen Berufseinsteiger sich tapfer diesem öden Erwachsenenkram stellen.“
Wie bitte? Wie alt mögen wohl die Berufseinsteiger beim „Spiegel“ sein? Zwölf? Geschenkt. Im weiteren Verlauf des Gesprächs möchte die Redakteurin von Opfermann auch auf diese Fragen eine Antwort erhalten: „Wo werde ich gut beraten?“ und „Kann ich den Vermittlern denn vertrauen?“
Wer den Verbraucherschützer aus NRW ein bisschen kennt, weiß, dass Opfermann nun kein Vermittlerbashing betreiben wird, wie es manche vielleicht erwarten würden. Stattdessen sagt er in Bezug auf Versicherungsvermittler: „Die machen, glaube ich, auch einen guten und vor allem auch wichtigen Job.“
Die Anerkennung, die Opfermann Vermittlern entgegenbringt, könnte womöglich auch daher rühren, dass er in jungen Jahren selbst schon mal in einem Vermittlerbetrieb mitgearbeitet hatte, wenngleich nicht in der Beratung, wie er eingangs schilderte. Schon im November 2020 titelte Pfefferminzia über Opfermann: „Verbraucherschützer im ZDF-Interview – es geht ja auch besonnen“.
Doch bei aller Besonnenheit macht der Verbraucherschützer im Interview auch Aussagen, die Vermittler gänzlich anders sehen dürften: „Als junger Berufseinsteiger mit vielleicht noch geringem Einkommen, da ist jetzt eine teure Lebens- oder Rentenversicherung, die mich lange bindet und die recht unflexibel auch ist, nicht die beste Wahl. Ich weiß ja gar nicht, wie sieht mein Leben in 10, in 20 und in 30 Jahren aus?“
Nun, dass Verbraucherschützer über die Lebensversicherung in der Regel nicht sehr freundlich sprechen, ist nicht wirklich neu und überrascht insofern nicht. Überraschender sind da schon Aussagen der „Spiegel“-Redakteurin, die offenbar den Sinn einer Lebensversicherung nicht verstanden hat, wenn sie in diesem Zusammenhang von einem „Schadensfall“ spricht – obwohl sie, wie sie sagt, „tatsächlich als Berufsanfängerin mal so einen Kurs in der Verbraucherzentrale in Hamburg gemacht hat“.
Aber lesen Sie selbst: Pfefferminzia hat das Podcast-Interview zwischen Verena Töpper und Philipp Opfermann im Folgenden ab Minute 11:13 bis 17:06 verschriftlicht:
Spiegel: Ich habe mal ein bisschen in die Statistiken geguckt: Alle Deutschen zusammen haben knapp 450 Millionen Verträge bei Versicherungen abgeschlossen. Und zwar die Mehrheit bei Versicherungsvertretern (Anm. v. Pfefferminzia: Makler dürften mitgemeint sein). Nur 14 Prozent aller Schadens- und Unfallversicherungen werden direkt bei der Versicherung auf der Webseite oder über Vergleichsportale abgeschlossen. Und das hat mich sehr überrascht. Ich kenne das von Hotels oder Stromanbietern – da ist es ja meist günstiger, wenn man direkt beim Anbieter bucht (Anm. v. Pfefferminzia: Da wären wir uns nicht so sicher…). Wie ist das bei Versicherungen?
Philipp Opfermann: In Deutschland haben wir einen sehr starken Versicherungsvertrieb – also die Versicherungen insbesondere, haben Versicherungsvertreter. Den (Vertreter) kennt irgendwie jeder bei sich in der Straße oder bei sich im Viertel, da ist eine Niederlassung von dem oder von dem Versicherer. Der Trend geht aber natürlich immer mehr auch hier ins Netz. Da kann ich dann direkt beim Versicherer auch abschließen. Damit sie sich aber nicht gegenseitig kannibalisieren, ist der Preisvorteil nicht unbedingt immer so riesengroß. Viele schätzen eben den Ansprechpartner um die Ecke, wo ich auch mal hingehen kann nach einem Schaden – und das direkt vor Ort besprechen kann. Der andere ist lieber im Internet unterwegs oder redet mit einer Hotline oder im Chat und kann seine Schadensabwicklung dann da machen.
Spiegel: Es haben ja viele dieser Vertreter aber auch eigene finanzielle Interessen. Also, je mehr Versicherungen die verkaufen, desto höher ist ja dann deren Prämie. Kann ich denen denn vertrauen?
Opfermann: Ja, grundsätzlich würde ich das schon bejahen. Die machen, glaube ich, auch einen guten und vor allem auch wichtigen Job – und ja, klassischer Weise wird der Vermittler draußen, also der Versicherungsmakler oder der Versicherungsvertreter, vom Versicherer dafür bezahlt, dafür belohnt, durch eine Provision, wenn ich einen Vertrag abschließe. Der hat also ein gewisses Interesse, dass ich dort auch Versicherungsschutz einkaufe, also einen Vertrag abschließe. Und dann muss ich eben zweimal vielleicht fragen: ,Mensch, ist das jetzt nur sein Interesse oder ist es nicht eigentlich auch in meinem Interesse?‘
Ich hätte auf der einen Seite den Vorteil, ich werde vermeintlich kostenlos beraten – also ich muss ja für die Beratung nichts zahlen in der Regel – muss aber dafür auch damit rechnen: Er (der Vermittler) wird mir im Zweifel vielleicht auch nicht abraten. Wenn er oder sie aber seinen oder ihren Job gut macht, dann wird er/sie auch von überflüssigen Policen abraten, die ich nicht brauche – oder mich auf schlechten Versicherungsschutz, den ich vielleicht habe, hinweisen. Und den wichtigen, guten Versicherungsschutz mir dafür anbieten.
Seite 2: „Woran erkenne ich denn, ob der Berater das gut mit mir meint?“
Spiegel: Woran erkenne ich denn, ob der Berater das gut mit mir meint?
Opfermann: Das ist ein bisschen die Herausforderung, muss man schon sagen, weil die meisten jungen Leute sich ja mit Versicherungen nicht so auskennen. Vor ein paar Jahren gab es mal diesen Tweet von einer Schülerin, die gesagt hat, sie könne Gedicht-Interpretation in vier Sprachen, hat aber von Steuern, Miete und Versicherungen keine Ahnung. Und das ist ja leider auch häufig so ein bisschen Lebensrealität, die auch ich erlebe. Man möchte sich nicht mit diesen Themen so beschäftigen – und dann trifft man aber auf den Vermittler, der ja einen großen Wissensvorsprung hat.
Da ist es gut, wenn man sich vielleicht vorher selbst mal informiert: ,Mensch, was ist eigentlich tatsächlich wichtig?‘ Zum Beispiel hört man sich diesen Podcast an. Da habe ich schon gelernt, ich brauche eine Privathaftpflichtversicherung und vielleicht im besten Falle sogar schon eine BU, also eine Berufsunfähigkeitsversicherung. Oder man informiert sich an anderer Stelle – natürlich auch bei den Verbraucherzentralen, die unabhängig und neutral beraten. Und dann kann ich mir schon mal erste Informationen einholen oder anlesen – und dann weiß ich schon so ein bisschen, wo geht die Reise hin? Was brauche ich? Und ich weiß vielleicht auch vor allen Dingen, was brauche ich nämlich nicht, damit ich dann eben auch halbwegs informiert bin und selbstbewusst dem Versicherungsvermittler vielleicht auch sagen kann: Ne, das brauch ich nicht, ich möchte gerne das und das.
Spiegel: Ich habe tatsächlich als Berufsanfängerin mal so einen Kurs in der Verbraucherzentrale in Hamburg gemacht, zusammen mit meiner Freundin. Und da ist mir in Erinnerung geblieben, da haben Sie uns gesagt: Immer sparen und versichern trennen, dass man sich das so als Faustregel merken kann. Und tatsächlich ist mir das auch schon mal passiert. Dass mir dann jemand eine Lebensversicherung aufschwatzen wollte – und bei mir dann die Alarmglocken angegangen sind, weil da eben auch versprochen wurde: Naja, wenn man diese Versicherung, wenn man sie nicht braucht, dann kriegt man irgendwie letztlich doch wieder Geld zurück.
Und da haben die damals gesagt, wenn einem jemand so Versprechungen macht, dann sollten immer die Alarmglocken angehen. Denn wenn ich mich versichere und es tritt der Schadensfall nicht ein, was wir ja alle hoffen, muss man sich aber im Klaren sein: Das Geld, was ich da einzahle, ist tatsächlich weg.
Opfermann: Genau, dann gibt es daneben auch noch diese Sparprodukte Lebens- und Rentenversicherung, die auch gerne mit angeboten werden vom Versicherungsvertrieb. Und das ist häufig für junge Leute nicht die richtige Wahl. Da gibt es heute interessantere Möglichkeiten der Vorsorge, des Investierens, der Altersvorsorge oder des Sparens. Da ist, ich sag‘ jetzt mal ne olle Rentenversicherung, die sehr teuer häufig auch ist, nicht die erste Wahl – und als junger Berufseinsteiger mit vielleicht noch geringem Einkommen, da ist jetzt eine teure Lebens- oder Rentenversicherung, die mich lange bindet und die recht unflexibel auch ist, nicht die beste Wahl.
Ich weiß ja gar nicht, wie sieht mein Leben in 10, in 20 und in 30 Jahren aus? Möchte ich vielleicht Familie, wandere ich vielleicht mal aus? Mach ich ein Sabbat-Jahr? Das Leben, das ist so bunt und so verschieden – und man kann es häufig nicht so detailliert planen und da ist, glaube ich was günstiges, flexibles, die bessere Wahl, als dass ich mich lange an einen Lebens- oder Rentenversicherungsanbieter binde und dem über Jahre und Jahrzehnte Geld zahle und der Hoffnung dann eben später auch was raus zu bekommen.
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