Umfrage

Cyber-Versicherer werden optimistischer – und erwarten teurere Policen

Innerhalb von nur zwei Jahren hat das Cyberversicherungsgeschäft einen Sprung gemacht. Während 68 Prozent der Versicherungsunternehmen die Marktlage im Jahr 2019 noch als schwach bewerteten, sagt mittlerweile rund die Hälfte von ihnen (47 Prozent) genau das Gegenteil. In Zukunft könnte es jedoch zu deutlichen Beitragssteigerungen kommen.
© picture alliance / CHROMORANGE | Andreas Poertner
Ein Hacker am Werk: Rund jeder zweite Cyber-Versicherer bewertet die Marktlage mittlerweile als stark oder eher stark.

In Zeiten der Digitalisierung werden Cyberpolicen immer wichtiger. Seit Beginn der Corona-Krise scheinen das auch immer mehr Unternehmen hierzulande zu erkennen – darauf deutet zumindest eine aktuelle Umfrage unter Versicherungsunternehmen und Vermittlern hin, die das Ratinghaus Assekurata gemeinsam mit dem Kummunikationsberater Instinctif Partners durchgeführt hat.

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So beurteilen aktuell 47 Prozent der Cyber-Versicherer und sogar 78 Prozent der Vermittler in Deutschland die Geschäftslage als (eher) stark. Zum Vergleich: 2019 hatte die Mehrheit der Anbieter von Cyber-Versicherungen (68 Prozent) die Marktlage noch als schwach bewertet. Waren 2019 bereits drei Viertel der Marktteilnehmer der Meinung, dass sich die Cyber-Versicherungen zu den wichtigsten Versicherungsleistungen am deutschen Markt entwickeln, hat sich die Einschätzung 2021 auf 93 Prozent deutlich gefestigt. Dabei sehen sowohl Versicherer als auch Vermittler aktuell einen intensiven Wettbewerb.

Industriesektor erkennt vermehrt Risiko

Laut der Studie ist vor allem die Nachfrage nach Cyber-Deckungen im Industriesegment gestiegen. Hier sehen 80 Prozent der Anbieter eine steigende Nachfrage; im Bereich kleinerer und mittelgroßer Unternehmen (KMU) und der Gewerbesparte sind es 54 Prozent. Auf der Angebotsseite erwarten die Teilnehmer dementsprechend auch einen Anstieg des Angebots an Deckungskapazität. 40 Prozent der befragten Versicherungsunternehmen erwarten (stark) steigende Kapazitäten in den Bereichen Industrie und KMU/Gewerbe. Allerdings sehen (ausschließlich) im Bereich Industrie auch 20 Prozent der Anbieter sinkende Kapazitäten.

Das lasse auf eine steigende Risikowahrnehmung und Ansätze einer Marktkonsolidierung schließen, heißt es im Studienpapier. Steigende Kapazitäten im Privatsektor erwarten laut Umfrage indes nur 20 Prozent. „Da das Gefahrenpotential nicht schrumpft, kann sich das Angebot an verfügbarer Deckungskapazität vor allem für Industrierisiken als Engpass und damit als entscheidender Wettbewerbsfaktor herausstellen“, prognostiziert Assekurata-Geschäftsführer Reiner Will. Derzeit bewerten allerdings noch rund 40 Prozent der Anbieter die Profitabilität als gut oder sehr gut.; weitere 40 Prozent als befriedigend.

Persönliche Schadenerfahrungen größter Absicherungstreiber

„Die größte Motivatoren für den Abschluss einer Cyber-Deckung sind weiterhin konkrete Schadenerfahrungen, inzwischen gefolgt von der öffentlichen Berichterstattungen über Cyber-Vorfälle“, ergänzt Hubert Becker von Instinctif Partners. Jeweils mehr als 80 Prozent der Befragungsteilnehmer sehen diese Faktoren als zentrale Absatztreiber. 2019 lagen diese Werte noch bei 63 beziehungsweise 41 Prozent.

Generell sind laut der Studie Assistanceleistungen – also die technische, rechtliche Unterstützung sowie das Krisenmanagement und die Krisenkommunikation – bei Cyber-Vorfällen nach Ansicht der meisten Versicherer und Vermittler ein Hauptverkaufsargument für Cyberschutz. Die wichtigste Unterstützungsleistung ist dabei die IT-Forensik. Bei den meisten Befragten werden diese Leistungen in mehr als 50 Prozent der Versicherungsfälle in Anspruch genommen. Beratungen in Rechtsfragen oder in der Krisenkommunikation sind in etwa 15 Prozent der Fälle relevant.

„Auf Goldgräberstimmung folgt nun die Professionalisierung“, so Becker. „Bereits 2019 haben wir die Rolle der Versicherer als Wegweiser bei Cyberrisiken betont. Mit einem umfassenden Servicespektrum können sich die Anbieter – aber auch die Vermittler – als kompetente Helfer bei der Lösung von Cyber-Risiken positionieren.“ Von großer Bedeutung sei hier weiterhin die Positionierung und Kompetenz im Vertrieb – und genau dort bestehe noch Nachholbedarf, findet Becker.

Einen deutlichen Einfluss auf das Nachfrageverhalten hat nach Ansicht der Marktteilnehmer auch die Corona-Pandemie. „Der damit einhergehende Digitalisierungsschub und der Ausbau mobilen Arbeitens dürften dafür verantwortlich sein“, heißt es dazu im Studienpapier. In vielen Branchen steige hierdurch die Risikoexposition, was sich positiv auf den Absatz von Cyberschutz auswirke.

Seite 2: Immer weniger denken, dass die Prämien noch auskömmlich sind

Steigende Schadenzahlen könnten für steigende Beiträge sorgen

76 Prozent der Versicherer und 89 Prozent der Vermittler gehen zudem davon aus, dass durch Covid19 die Nachfrage gestiegen ist.  Mit 79 Prozent beobachtet der Hauptteil der befragten Unternehmen zudem steigende Schadenzahlen. Eine mittelfristige Erhöhung der Prämien werde dadurch immer wahrscheinlicher, prognostizieren die Studienautoren. Hielten 2019 noch 44 Prozent der befragten Gesellschaften die Prämien für langfristig auskömmlich, sind es 2021 nur noch 14 Prozent.

„Bislang fällt die Branche jedoch nicht durch überragende Offenheit bezüglich der Berichterstattung über Schadenfälle, den Nutzen verschiedener Präventionsmaßnahmen oder der Eignung von Risikomodellen auf“, so Hubert Becker. „Wenn aber jedes Unternehmen nur auf Basis der eigenen Erfahrungen agiert, steigt die Gefahr massiver Fehleinschätzungen.“

Dieses Risiko sieht offensichtlich auch die Finanzaufsicht Bafin. Sie hat das Segment der Cyber-Policen im Jahr 2021 zu einem der Aufsichtsschwerpunkte der Versicherungsaufsicht erklärt. Neben einer inhaltlichen Analyse des am Markt angebotenen Versicherungsschutzes soll dabei auch die Tragfähigkeit der Produkte im Mittelpunkt stehen. Dazu Reiner Will: „Mehr Offenheit und Transparenz stünde der Branche damit nicht nur aus Eigeninteresse gut zu Gesicht, sondern stellt zukünftig wohl auch eine aufsichtsrechtliche Notwendigkeit dar.“

Autorin

Juliana Demski gehörte dem Pfeffi-Team seit 2016 an. Sie war Redakteurin und Social-Media-Managerin bei Pfefferminzia. Das Unternehmen hat sie im Januar 2024 verlassen.

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