Der Produkt-Check, Teil 14

„Tabaluga der Universa – kleiner Drache, ganz groß?“

Im Dschungel der Versicherungstarife ist es schwierig, die Perlen zu finden. Jeden Monat stellt unser Gastautor Christian Geier, Vorstand der FP Finanzpartner AG und dort unter anderem zuständig für die Produktauswahl, daher in seiner Kolumne ein Produkt vor, und gibt seinen Senf dazu. Dieses Mal: Das Kinderprodukt „Tabaluga“ der Universa.
© FP Finanzpartner AG
Christian Geier ist Vorstand bei der FP Finanzpartner AG.

Kinder-Versicherungsprodukte sind eine zweischneidige Geschichte. Stellt man die Kapitalanlage in den Vordergrund, sind sie meist zu teuer und zu unflexibel. Der Versicherungsaspekt bezieht sich in der Regel auf die Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) in den mannigfaltigsten Ausprägungen: BU-Option, Schüler-BU, Option auf vereinfachte Gesundheitsprüfung, um nur drei zu nennen.

Je nach Ausgestaltung, ergibt dann das Ganze mehr oder weniger Sinn. Viel weiter geht das Kinderprodukt „Tabaluga“ der Universa, das Sie alle vom Namen her kennen. Genau wie den dazugehörigen kleinen grünen Drachen, den Peter Maffay erschaffen hat. Aber wahrscheinlich wissen nur wenige auf Anhieb, ob das was Gescheites ist (das Produkt, nicht die Musik).

Was soll ich sagen, es gibt gleich mehrere Alleinstellungsmerkmale:

Zuallererst bietet „Tabaluga“ die einzige BU-Option auf dem Markt, bei der das Ziehen der selbigen nicht ins Leere läuft, wenn das Kind einen Behinderungsgrad oder eine Pflegestufe aufweist, oder jemals aufgewiesen hat, oder bereits berufsunfähig ist. Und damit macht man es uns Maklern sehr schwer, überhaupt noch auf andere Produkte in der Sparte zurückzugreifen. In dem Fall muss man fast glücklich sein darüber, dass es kleine Einschränkungen gibt. Denn das oben Beschriebene bezieht sich nur auf den Gesundheitszustand des Kindes.

Es müssen beim Optieren Fragen zu besonderen Gefahren in Beruf oder Freizeit beantwortet werden – hier kann die Universa die BU-Annahme verweigern (zum Beispiel Bundeswehr im Ausland, Sprengmeister, Motorsport). Weiterhin wird nach Größe und Gewicht gefragt. Hier kann zwar nicht abgelehnt werden, aber der Beitrag wird gegebenenfalls entsprechend (zum Beispiel bei Übergewicht 20 Prozent Zuschlag) angepasst. Ist das Kind dauerhaft berufsunfähig, kann auch eine Sofortleistung in Höhe von 30.000 Euro gezogen werden. Damit kauft einem die Universa praktisch das BU-Umtauschrecht ab.

Diesen Block zusammengefasst: Das mit dem Ohne-wenn-und-aber-Gesundheitszustand ist schon ein sehr starkes Argument.

Dann gibt es zwar wie oben beschrieben viel, was kreucht und fleucht auf dem Kindervorsorge-Markt, aber keine mir bekannte Kombination mit Krankenzusatz oder gar Pflege. Jetzt bietet der geneigte Berater oft zurecht Privatpatientenstatus im Krankenhaus und Pflege separat mit an – bei der Universa geht das in einem Produkt. Also zum Beispiel so:

  • BU-Option
  • Pflege (Verdopplung der gesetzlichen Leistung = verwaltungseinfach; es geht aber auch ein Pflegetagegeld)
  • Krankenhauszusatz
  • Ambulante Leistungen/Heilpraktiker

Obligatorisch ist die fondsgebundene Rentenversicherung, die man komplett mit ETFs bestücken kann. Trotzdem ist der Mantel nicht billig (rund 15 Prozent Verwaltungskosten) und auch die BU-Option kostet extra. Aber das relativiert sich alles, wenn wir dem Kunden beispielsweise sagen: „BU-Option, Pflege, Privatpatientenstatus im Krankenhaus und dazu wird noch Geld angespart, so dass nach 15 Jahren 8.000 bis 9.000 Euro entnommen werden können – und das für 65,30 Euro im Monat.“ Und dann ist das mehr als annehmbar.

Was die BU-Option angeht, da gibt es sogar ein Wertgutachten des veritablen Sachverständigen Bert Heidekamp. Besonders seine Ausführungen zum Thema Behinderung sind spannend. Zum Beispiel kann ein Kind aufgrund Diabetes Pflegegrad 1 zugesprochen bekommen und einen Grad der Behinderung von 40. Damit

  • zahlt die Kinderinvaliditätsversicherung nicht (in dem Fall die KISS von Barmenia)
  • zahlt aber die Pflegezusatzversicherung und
  • fällt dieses Kind durchs Raster bei allen gängigen Kinder-BU-Tarifen – außer bei der Universa

Ab der U2, die in der Regel zwischen dem 2. und 10. Lebenstag des Kindes stattfindet (Danke an Herrn Heidekamp für den Hinweis!), bis Alter 12 kann Tabaluga abgeschlossen werden, ab 15 Jahren kann das Kind die Option ziehen, dann in der Regel als Schüler-BU. Der Gymnasiast kommt in 1, der Realschüler in 2+ und der Hauptschüler in 3. Schlechter kann es später nicht mehr werden, aber es wird nur mittels einer erneuten Gesundheitsprüfung besser, wenn der Hauptschüler später doch Arzt wird. Bis zu 1.000 Euro ist die Option an Rente wert. Nach 5, 10 und 15 Jahren gibt es ereignisunabhängige Nachversicherungsoptionen bis 2.000 Euro.

Dynamiken sind leider nicht möglich. Wissen sollte man auch, dass die fondsgebundene Rentenversicherung immer Bestandteil des Vertrages bleibt, bis zum Schluss.

Klein, aber fein

Erkauft werden die ansehnlichen Kombinationsmöglichkeiten durch eine unfassbar umfangreiche Bedienungsanleitung: 380 Seiten hat man mir bei einem Musterangebot mit BU-Option, Pflege und Stationär-Tarif ausgeworfen. Wenn man bedenkt, dass man da noch Unfall, Zahn, Ausland und Heilpraktiker hätte mit dazu nehmen können, wird’s kriminell. Aber da kann die Universa nur teilweise was dafür. Danke an den deutschen Bürokratismus und Regelungswahnsinn!

Berücksichtigen bei der Auswahl muss man auch die Größe des Anbieters. Ja, Größe ist nicht alles, aber die Universa Leben ist schon sehr klein. Mit gebuchten Bruttobeiträgen von 118 Millionen Euro (2019) darf man getrost von einem Kleinwüchsigen sprechen. Zum Vergleich, die Basler – jetzt auch kein Riese in Deutschland – liegt bei 505 Millionen Euro. Dafür sieht es bei den Relations-Zahlen besser aus: 42 Prozent Eigenkapitalquote ist fast schon überragend. Vom Procontra-LV-Check gibt’s als Gesamtbewertung eine 2++, da kommen andere Größen nicht hin.

Da Tabaluga auch viel Krankenversicherung ist, muss man sich aber auch hier die Kennzahlen ansehen, und da ist die Universa eine andere Nummer. Mit über 600.000 Versicherten hat man mehr als die Alte Oldenburger und die Arag zusammen. Auch die anderen Zahlen/Quoten und die Verläufe der KV-Volltarife sind top.

Fazit

Die Universa könnte statt mit dem Drachen „Tabaluga“ auch mit dem Slogan werben: „Das Schweizer Taschenmesser der Kindervorsorge“.

8,5 von 10 Punkten
Teilen:
Nicht verpassen!

Pfefferminzia.pro

Eine Plattform, die liefert: aktuelle Informationen, praktische Services und einen einzigartigen Content-Creator für Ihre Kundenkommunikation. Alles, was Ihren Vertriebsalltag leichter macht. Mit nur einem Login.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Pfefferminzia