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Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) geht mit vorsichtigem Optimismus ins zweite Jahr im Zeichen der Corona-Pandemie. Wie Verbandspräsident Wolfgang Weiler am Mittwoch in einer digitalen Pressekonferenz erklärte, peile die Branche im neuen Jahr ein spartenübergreifendes Wachstum von über zwei Prozent an. Dieses soll vor allem von der Lebensversicherung erwirtschaftet werden.
Weiler begründete seine Prognose mit möglichen Nachholeffekten, wovon ein Teil in die private Altersvorsorge fließen könnten. In der Schaden- und Unfallversicherung erwartet der GDV hingegen ein etwas schwächeres Beitragswachstum von etwa 1,5 Prozent. Allerdings stehen diese Prognosen unter zwei wesentlichen Vorbehalten: So müsse es nach dem zu erwartenden schwachen Jahresbeginn im Laufe des Frühjahrs zu Lockerungen bei den Einschränkungen und großen Fortschritten bei der Impfkampagne kommen, so Weiler.
Zum Vergleich: Das vergangene Geschäftsjahr schlossen die Versicherungsunternehmen über alle drei Sparten hinweg mit einem Beitragszuwachs von 1,2 Prozent auf 220,1 Milliarden Euro ab. Mit dieser Bilanz ist Weiler angesichts des „in vielerlei Hinsicht turbulenten und wirtschaftlich schwierigen Jahr 2020“ sehr zufrieden. Zudem seien die Beitragseinnahmen 2019 mit einem Plus von 7,1 Prozent „außergewöhnlich stark gestiegen“.
Ein dickes Minus verzeichnete 2020 das Neugeschäft der Lebensversicherer. Hier habe die Corona-Krise „deutliche Spuren hinterlassen“, bilanzierte der GDV-Präsident, etwa aufgrund von verschobenen Beratungsterminen. Die Zahl neu abgeschlossener Verträge sei 2020 entsprechend „um gut 12 Prozent gesunken“, wie der Verband meldete.
Das tiefrote Minus hatte jedoch kaum Auswirkungen auf die gesamten Beitragseinnahmen in der Lebensversicherung – so sei hier das Beitragsvolumen nur „leicht rückläufig“ gewesen, nachdem im Jahr zuvor noch ein Einnahmeplus von über elf Prozent verbucht worden war. Konkret verzeichneten Lebensversicherer, Pensionskassen und Pensionsfonds ein Minus von 0,4 Prozent auf knapp 103 Milliarden Euro. Die laufenden Beiträge gingen dabei um 1,0 Prozent auf 64,4 Milliarden Euro zurück, während die Einmalbeiträge um 0,4 Prozent auf 38,3 Milliarden Euro zulegten. „Dass wir das Niveau weitgehend halten konnten, sehen wir als klaren Vertrauensbeweis unserer Kunden in die Zukunftsfähigkeit der Lebensversicherung“, betonte Weiler.
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Zugleich wurde deutlich, dass sich der GDV-Präsident einen „klaren Vertrauensbeweis“ auch in einem anderen Bereich erhofft hätte – und zwar, wenn es um die Anstrengungen geht, die von den Versicherern in Sachen Digitalisierung bislang unternommen wurden. Diese Erfolge erachtet Weiler als zu wenig gewürdigt – auch seitens der Medien.
„Es wird ja immer wieder auch angeführt, Versicherer seien digital so verschlafen, nicht so richtig á jour“, ärgerte sich der ehemalige Sprecher des Vorstands der Huk-Coburg. Dabei habe es die Branche geschafft „innerhalb von zwei, drei Wochen im Frühjahr ungefähr 90 Prozent unserer Mitarbeiter ins Homeoffice zu bringen“. Man stehe als Branche damit „völlig einzigartig dar“, so Weiler. Die Mitarbeiter hätten Zuhause „ganz normal produktiv arbeiten können – und das tun sie ja im Moment wieder“, erklärte der oberste Versicherungslobbyist – und ging damit indirekt auf die zuletzt immer lauter vorgetragene Kritik aus der Politik ein, wonach die Wirtschaftszweige in Deutschland angesichts der ungewissen Pandemie-Aussichten deutlich mehr tun könnten, um ihren Beschäftigten Homeoffice zu ermöglichen. „Wenn das alles noch so vorsintflutlich wäre, wie kann das überhaupt klappen?“, echauffierte sich Weiler über Stimmen, die der Branche ein zu geringes Digitalisierungstempo unterstellen.
Auch beim Thema Betriebsschließungsversicherung, bei dem die Branche im vergangenen Jahr bei vielen Kunden und Medien keine glückliche Figur abgab, schaltete Weiler zunächst in den Verteidigungsmodus. „Fest steht: Versicherer haben auch hier geleistet – für tatsächlich versicherte Fälle“, wie Weiler erklärte. Doch sei die Betriebsschließungsversicherung nie für eine globale Pandemie oder bewusste politische Entscheidungen wie einen Lockdown konzipiert worden, wie es im Redemanuskript des GDV-Präsidenten heißt.
„Vor allem Gastwirte und Hoteliers haben uns unter anderem vorgeworfen, dies in den Bedingungen nicht eindeutig genug formuliert zu haben“, räumte Weiler ein. Das habe „zweifellos Spuren“ beim Image der Branche hinterlassen und man nehme die Kritik „sehr ernst“. Umso wichtiger sei es, so Weiler, Lehren zu ziehen und Antworten zu finden. Er verwies darauf, dass neue unverbindliche Musterbedingungen des Verbandes für die BSV nun mehr Klarheit schafften, wann gezahlt werde und wann nicht.
Zudem habe eine Expertengruppe der deutschen Versicherer Vorschläge erarbeitet, wie von Pandemien betroffene Wirtschaftsteile künftig durch eine Public Private Partnership zwischen Versicherungswirtschaft und Staat unterstützt werden könnten, so Weiler.
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