Jedes Jahr untersucht das Beratungsunternehmen Mercer im Rahmen des „Mercer CFA Institute Global Pension Index“ (MCGPI) Altersvorsorgesysteme auf der ganzen Welt. In der diesjährigen Ausgabe konnte sich Deutschland um zwei Plätze verbessern und landet auf Rang 11 (67,3 Punkte) – und das trotz Corona und obwohl 2020 zwei neue Länder im Ranking berücksichtigt wurden.
Insgesamt schaute sich Mercer in diesem Jahr die Vorsorgesysteme von 39 Ländern an. Spitzenbewertungen erhielten dieses Mal – wie schon 2019 – erneut die Niederlande und Dänemark (82,6 beziehungsweise 81,4 Punkte).
Beim Sub-Index „Angemessenheit“ erreicht Deutschland aktuell indes 78,8 Punkte (2019: 78,3 Punkte) und beim Faktor „Integrität“ sogar 81,4 Punkte (2019: 76,4 Punkte). Beim Faktor „Nachhaltigkeit“ sind es in diesem Jahr allerdings nur 44,1 Punkte (2019: 44,9 Punkte).
„Ohne die schon fast philosophisch anmutende Debatte zum Thema Kapitaldeckung unserer gesetzlichen Rente aufgreifen zu wollen, sind wir aber nach wie vor der Ansicht, dass unser bewährtes Rentensystem gestärkt werden muss“, kommentiert Norman Dräger von Mercer Deutschland die Studienergebnisse. „Dies kann zum Beispiel mit einer höheren Ausfinanzierung der betrieblichen Altersversorgung und vor allem einer stärkeren Verbreitung von Betriebsrenten einhergehen, denn nur so kann gewährleitstet werden, dass auch in Zukunft das System finanzierbar bleibt.“ Das sei ein wichtiger „Bestandteil unserer Generationengerechtigkeit“, so Dräger weiter.
Vor allem „bei Fragen nach der betrieblichen Altersversorgung und Formen kapitalgedeckter Zusatzversorgung“ habe Deutschland nach wie vor „erhebliches Aufholpotenzial“, ergänzt Martin Hermann von Finanzanalysten-Berufsverband CFA Deutschland. „Ebenso wird mit Inkrafttreten der Grundrente Anfang des nächsten Jahres die Diskussion um Mindestrenten für Geringverdiener auf der Agenda bleiben.“
Dazu sagt David Knox, Senior Partner bei Mercer und Hauptverfasser der Studie: „Die durch die weltweite Gesundheitskrise verursachte wirtschaftliche Rezession hat in den meisten Ländern zu geringeren Rentenbeiträgen, niedrigeren Anlagerenditen und einer höheren Staatsverschuldung geführt.“ Dies werde sich unweigerlich auf die künftigen Renten auswirken – und das wiederum bedeute, „dass einige Menschen länger arbeiten müssen, während sich andere mit einem niedrigeren Lebensstandard im Ruhestand abfinden müssen“, so Knox.
Die gestiegene Staatsverschuldung in vielen Ländern dürfte zudem „die Fähigkeit künftiger Regierungen einschränken, ihre ältere Bevölkerung zu unterstützen, entweder durch Renten oder durch die Bereitstellung anderer Dienstleistungen wie Gesundheits- oder Altenpflege“, heißt es im Studienpapier weiter. Um die Auswirkungen der Corona-Pandemie abzumildern, hätten die Regierungen deshalb eine Vielzahl von Maßnahmen ergriffen, um ihre Bürger sowie die Rentensysteme zu entlasten.
„Viele Regierungen auf der ganzen Welt haben auf Covid-19 mit beträchtlichen fiskalischen Anreizen reagiert und die Zentralbanken haben eine unkonventionelle Geldpolitik verfolgt“, erklärt Deep Kapur, Direktor des Monash Centre for Financial Studies (MCFS). Die Aussichten auf Renditen seien gedämpft, während die Volatilität erhöht sei. Das Problem daran: Dies komme, so Kapur, zu den normalen Herausforderungen des Risikomanagements in den Portfolios der Altersvorsorge noch hinzu.
Und weiter: „Darüber hinaus haben einige Regierungen vorübergehend Zugang zu angesparten Pensionen gewährt oder die Höhe der Pflichtbeitragssätze gesenkt, um die Liquiditätslage der Privathaushalte zu verbessern. Diese Entwicklungen werden wahrscheinlich erhebliche Auswirkungen auf die Angemessenheit, Nachhaltigkeit und Integrität der Rentensysteme haben und dadurch die Entwicklung des globalen Rentenindex in den kommenden Jahren beeinflussen“, so Kapur.
„Schon bevor COVID-19 die Volkswirtschaften in der ganzen Welt durcheinanderbrachte, sahen sich viele Frauen mit weniger Ersparnissen im Ruhestand konfrontiert als Männer“, erläutert David Knox. „Jetzt dürfte sich diese Kluft in vielen Rentensystemen weiter vergrößern, insbesondere in den am stärksten betroffenen Sektoren, in denen Frauen mehr als die Hälfte der Arbeitskräfte ausmachen, wie beispielsweise im Gastgewerbe.“
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