Private Altersvorsorge

Wie sich die Rentenlücke ermitteln lässt

Schon mal vorab: Wie viel einem im Alter zur Wahrung des Lebensstandards fehlen wird, kann keiner genau berechnen. Es gibt aber Möglichkeiten, die spätere Versorgungslücke abzuschätzen.
71 Prozent der Deutschen sind laut einer Studie der Deutschen Bank überzeugt, dass eine private Vorsorge notwendig ist.

Ende August hat das Bundeskabinett die Einführung eines digitalen Rentenportals beschlossen. In ein paar Jahren sollen Bürger auf einen Blick ihre späteren Rentenansprüche aus der gesetzlichen, betrieblichen und privaten Altersvorsorge erkennen. Und damit auch abschätzen können, wie groß ihre potenzielle Versorgungslücke ist.

Das wird sicherlich hilfreich sein, denn wer privat vorsorgen will – immerhin 71 Prozent der Deutschen sind laut einer Studie der Deutschen Bank überzeugt, dass eine private Vorsorge notwendig ist –, muss wissen, welches Loch er zu stopfen hat. Und auch für Berater ist bei der Auswahl der passenden Altersvorsorge die künftige Rentenlücke des Kunden ein wichtiger Parameter. Wie groß diese tatsächlich sein wird, weiß allerdings keiner genau im Voraus. Es muss hierbei mit zu vielen Unbekannten und Prognosen hantiert werden. Je jünger der Kunde, desto schwieriger die Einschätzung, wie viel gesetzliche und/oder betriebliche Rente er einmal bekommen wird und welchen Lebensstandard er sich aufgebaut hat und erhalten will. Dennoch: Es gibt Ansätze, um die finanzielle Lücke im Alter in Zahlen zu fassen.

Ein gutes Hilfsmittel ist die jährliche Renteninformation der Deutschen Rentenversicherung. Sie ist der Vorläufer des geplanten Rentenportals und enthält nur Angaben zur gesetzlichen Rente. Wer mindestens 27 Jahre alt ist und zumindest fünf Jahre lang Rentenbeiträge eingezahlt hat, erhält diese Info automatisch jedes Jahr, inklusive einer Hochrechnung, wie seine Rente voraussichtlich aussieht, wenn er bis zur Regelaltersgrenze Beiträge wie im Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre einzahlt.

Hier muss man dann noch spätere Beiträge für die Kranken- und Pflegeversicherung sowie eventuelle Steuern abziehen. Demgegenüber steht das gewünschte Alterseinkommen. Als Daumenregel gilt, dass im Ruhestand etwa 80 Prozent des bisherigen Einkommens zur Sicherung des Lebensstandards reichen. Idealerweise rechnet man beide Werte noch mit einem unterstellten Inflationssatz hoch. Die Diskrepanz ist die Rentenlücke, die es zu schließen gilt.

Einige Versicherer stellen ihren Vertriebspartnern flexiblere Tools zur Hochrechnung der Rentenlücke zur Verfügung. Hier können beispielsweise auch sonstige Einkommen im Alter, mit denen zu rechnen ist, etwa Mieteinkünfte oder eine Betriebsrente, mit eingebunden werden. Ebenso spezielle Wünsche, wie ein früherer Renteneintritt. So lassen sich Zahlen für verschiedene Szenarien errechnen, die die Basis für die Wahl einer angemessenen Altersvorsorge bilden.

Eine weitere Unbekannte ist das benötigte Vermögen, das bei Renteneintritt des Kunden erforderlich sein wird, um die Rentenlücke Jahr für Jahr bis zum Tod zu füllen. „Früher gab es die Daumenregel, dass ein 65-Jähriger etwa 200.000 Euro braucht, um 1.000 Euro monatliche Leibrente zu bekommen. Das reicht heute nicht mehr“, sagt Guntram Overbeck, Produktleiter Leben bei Helvetia.

Zu deutlich ist die Lebenserwartung gestiegen und zu stark sind die Zinsen gesunken. Aus einer Auswahl von am Markt angebotenen Sofortrenten hat Overbeck überschlagen, dass ein 65-Jähriger für 1.000 Euro monatlich heute stolze 361.000 Euro benötigt. Da ist zu überlegen, ob die Verrentung des Kapitals, die beste Lösung ist.

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Autorin

Sabine

Groth

Sabine Groth schreibt seit über 20 Jahren schwerpunktmäßig über Geldanlage sowie weitere Finanz- und Wirtschaftsthemen, seit 2009 als freie Journalistin. Zu ihren Auftraggebern zählen vor allem Fachmagazine und -portale.

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