Makler Sven Hennig zum PKV-Test von „Focus Money“

„Falsche Tarife, falsche Zahlen, fragwürdige Kriterien“

Das Finanzmagazin „Focus Money“ hat die Tarife privater Krankenversicherer unter die Lupe genommen und die besten Angebote gekürt. Versicherungsmakler Sven Hennig lässt allerdings kaum ein gutes Haar an der Untersuchung. „Falsche Tarife, falsche Daten, unbrauchbarer Test“, lautet das Fazit des PKV-Experten.
© privat
Sven Hennig ist Versicherungsmakler und PKV-Experte.

Das Positive erwähnt Versicherungsmakler Sven Hennig gleich am Anfang. Im Vergleich zur 2019er-Auswertung sei der PKV-Test von „Focus Money“ aus diesem Jahr „ein wenig besser geworden“. Warum? Weil man sich die Unterstützung der Experten von KVpro.de eingeholt habe. Aber: „Es nützt eben wenig sich externer Experten zu bedienen, wenn man dann doch sein eigenes Muster drum herum strickt“, schreibt Hennig in seinem Blogbeitrag zum Thema.

Was hat der PKV-Experte unter anderem an dem Test von „Focus Money“ auszusetzen?

Hennig hat sich den Test angeschaut und einige Fehler festgestellt. So schneidet beispielsweise der Deutsche Ring mit dem Tarif Prime in der Auswertung mit der Note „befriedigend“. Laut Hennig gebe es aber „durchaus andere Tarife, welche die fragwürdigen Mindestkriterien der Tester erfüllen können. Der Prime ist leistungsmäßig und ohne Selbtsbehalt gänzlich anders zu bewerten und schwer vergleichbar.“ SDK und Signal Iduna würden hingegen Tarife angedichtet, „welche diese gar nicht haben“, so der Versicherungsmakler weiter. Andere, bestehende Tarife und -kombinationen seien dagegen vergessen worden.

Auch an den Mindestkriterien hat Hennig einiges auszusetzen. Drei große Kriterien flossen in die Gesamtnote ein: Kapitalstärke des Unternehmens (20 Prozent), Beitrag (40 Prozent), Leistungsumfang des Tarifes (40 Prozent).

Beispiel Beitrag: Hier kritisiert der Makler, dass es sich um eine reine Momentaufnahme handele. Zum Jahresende stünden die Anpassungen der Beiträge an und diese fielen bei den Gesellschaften ganz unterschiedlich aus. „Auch eine Angabe, wann denn dieser Tarif das letzte Mal angepasst wurde“ fehle im Test. Damit könne man die Beitragszahl nicht richtig einschätzen. Hennig: „Ein Versicherer, welcher bewusst neue Tarife knapp kalkuliert an den Markt bringt, der wird hier mit einer besseren Bewertung belohnt. Versicherer die aber vorsichtig und nachhaltig kalkulieren und damit (berechtigt) höhere Beiträge für hohe Leistungen haben, werden abgestraft.“

Top-Mindestkriterien sind nicht top

Beispiel Leistungen: Hennig kann auch nicht nachvollziehen, warum in den Leistungen der Top-Tarife zum Beispiel nur eine Erstattung von Leistungen bis zu den Höchstsätzen der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) enthalten ist. Top-Schutz bedeute aber Leistungen über die Höchstsätze der Gebührenordnung hinaus, so Hennig. Auch das Kriterium „80 Prozent für Psychotherapie“ ist dem Makler zu schwammig. „Ob der Versicherer hier bei den 80 Prozent Psychotherapie vielleicht auf eine bestimmte Anzahl Sitzungen begrenzt oder gar nur bestimmte Behandler zulässt, ist auch egal“, schimpft Hennig über das nicht weiter definierte Mindest-Merkmal.

Weitere Kritikpunkte finden Sie in Hennigs Blogbeitrag (siehe Link oben). Sein Fazit: „Der Test strotzt vor falschen Angaben und Annahmen, gibt sehr eigenwillige Tipp und Hinweise und zielt anscheinend auf das Verkaufen von Testsiegeln ab. Bevor Sie sich also an so einem Test orientieren und damit lebenslange falsche und fatale Entscheidungen treffen, suchen Sie sich Hilfe und beschäftigen sich mit dem Thema.“

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Autorin

Karen

Schmidt

Karen Schmidt ist seit Gründung von Pfefferminzia im Jahr 2013 Chefredakteurin des Mediums.

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