Geldanlage während Corona

Aktienbasierte Vorsorge entzweit Bundesbürger

Die Deutschen schauen in der Corona-Krise mit gemischten Gefühlen auf eine aktienbasierte Vorsorge – auf einer Skala von minus 100 bis plus 100 verorten sie diese bei einem Wert von 24,9. Unter Fondsexperten kommt diese mit 63,4 deutlich besser weg, wie eine Umfrage des Forschungsinstituts des Bundesverbands Deutscher Vermögensberater (Diva) ergab.
© picture alliance / dpa Themendienst | Frank Rumpenhorst
Der Handelssaal in der Frankfurter Börse: Derzeit nutzen vor allem jüngere Menschen vermehrt Aktien als Geldanlage.

Zum ersten Mal seit seiner Gründung im Januar 2020 hat das Forschungsinstitut des Bundesverbands Deutscher Vermögensberater (Diva) im Rahmen einer Umfrage den so genannten Deutschen Geldanlage-Index ermittelt. Das Institut, das dem Allfinanzvertrieb DVAG nahe steht, will damit zweimal jährlich die Einstellungen und Einschätzungen der Bundesbürger zum Thema Geldanlage ergründen.

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Ein zentrales Ergebnis der Erst-Umfrage: Insgesamt sind die Verbraucher zum Befragungszeitraum Mai/Juni 2020 mehrheitlich positiv gegenüber einer Vorsorge via Aktien, Aktienfonds oder fondsgebundene Lebensversicherungen gestimmt – es sind aber vor allem die jüngeren Menschen, die sich dafür erwärmen können.

So lief die Auswertung der Ergebnisse:

Neben einer repräsentativen Stichprobe von derzeit rund 1.000 Endverbrauchern werden im Index auch die Einschätzungen von rund 1.500 Finanzanlagenvermittlern mit insgesamt rund 1,5 Millionen Kunden berücksichtigt.

Nun zu den Zahlen:

Auf einer Werteskala von minus 100 bis plus 100 zeichnet der Deutsche Geldanlage-Index bei seiner erstmaligen Messung mit einem Wert von plus 44,2 tendenziell ein positives Stimmungsbild, wobei die Endverbraucher mit einem Wert von plus 24,9 hinter den Experten (plus 63,4) zurückbleiben.

„Die Deutschen haben offensichtlich dazu gelernt“, kommentiert Michael Heuser, wissenschaftlicher Direktor des Diva, das Gesamtbild. „Die Kurschancen im März 2020 bei einem Dax-Niveau von Corona-bedingt nur noch 8.500 Punkten haben viele genutzt. Schaut man sich die aktuellen Börsenstände an, war dies eine gute Entscheidung.“ Besonders profitiert hätten die Bürger in Bayern und Baden-Württemberg, eher junge Menschen und Besserverdienende – sie verzeichnen die höchsten Werte im Geldanlage-Index.

Gefragt danach, wem Anleger und Finanzanlagenvermittler ihr Geld am ehesten anvertrauen würden, wenn es um die Geldanlage in Aktien ginge, wäre der Staat Schlusslicht (Bürger: 14,0 Prozent; Experten: 0,9 Prozent). Auf den Plätzen eins und zwei lägen die Banken (31,6 Prozent beziehungsweise 6,1 Prozent) und die Fondsgesellschaften (30,2 Prozent beziehungsweise 85,4 Prozent).

Die Untersuchung zeigt aber auch:

Trotz des eher positiven Stimmungsbilds nutzen nach wie vor zu wenige Deutsche aktienbasierte Anlageformen. Nach wie vor seien es vor allem die Besserverdiener, die für Rendite auch Risiko in Kauf nehmen wollen. Fragt man die Bürger, was neben der Renditechance zur Anlage in Aktien motivieren würde, liegt auf Platz eins eine Garantie gegen Verluste (43 Prozent beziehungsweise 20,4 Prozent), aber schon auf Platz zwei die staatliche Förderung (31,9 Prozent beziehungsweise 44,2 Prozent), zum Beispiel durch Zulagen und steuerliche Vergünstigungen. 

Dazu Heuser: „Die aktuelle Diskussion zur Finanztransaktionssteuer kommt zur Unzeit. Sollen mehr Bürger mit Produktivvermögen sparen und vorsorgen, darf diese Sparform nicht noch zusätzlich bestraft werden.“

Umgekehrt begründen diejenigen deutschen Anleger ihre Abneigung gegenüber Aktien wie folgt: 38,2 Prozent der Bürger und 31,3 Prozent der Experten nennen als Hauptgrund die Sorge vor einem Totalverlust. An dieser Stelle bleibt offen, ob der Umfragezeitraum, der mit Mai/Juni angegeben wird, auch in die Zeit des Wirecard-Skandals gefallen ist. So wurde Wirecard-Chef Markus Braun am 19. Juni festgenommen – wenig später fiel die Aktie auf Ramsch-Niveau. Wie schädlich das Wirecard-Beben für die deutsche Aktienkultur ist, muss sich noch zeigen. Fakt ist, dass zahlreiche Kleinanleger am wundersamen Aufstieg des Unternehmens aus Aschheim Teil haben wollten – und viele dies nun bitter bereuen dürften.      

Zurück zur Umfrage: Auf Rang zwei landet das Risiko der Anlageform (35,4 Prozent beziehungsweise 28,4 Prozent). Auffällig: Unter den Experten beklagen 38 Prozent bürokratische Hürden zum Beispiel bei der Depoteröffnung.

Ein weiteres Problem: Unwissenheit

Laut der Diva-Analyse sagen die befragten Finanzanlagevermittler, dass es bei rund der Hälfte ihrer Kunden (47,8 Prozent) an den erforderlichen Kenntnissen über die Funktionsweise aktienbasierter Anlageformen mangelt. Auf den Plätzen drei und vier ungefähr gleichauf, aber deutlich hinter den Kriterien Sicherheit und Rendite, rangieren die Liquidität und die Nachhaltigkeit als Kriterien für die Geldanlage.

„Es zeigt sich, dass Corona das Thema Nachhaltigkeit aktuell verdrängt. Dies gilt offensichtlich auch für die Geldanlage“, kommentiert Experte Heuser die Ergebnisse der Untersuchung. „Fest steht aber: Am Ende wollen die Menschen zu allererst ihr mühsames Erspartes erhalten und möglichst einen Gewinn in Höhe der Inflationsrate erzielen.“

Autorin

Juliana Demski gehörte dem Pfeffi-Team seit 2016 an. Sie war Redakteurin und Social-Media-Managerin bei Pfefferminzia. Das Unternehmen hat sie im Januar 2024 verlassen.

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