Patrick Dahmen, HDI Deutschland

„Wir wollen im Bereich der Biometrie angreifen“

Seit rund anderthalb Jahren ist Patrick Dahmen Vorstandsmitglied von HDI Deutschland und Vorstandsvorsitzender der HDI Lebensversicherung. Wir sprachen mit ihm über seine Bilanz für diese Zeit, welche Ziele er sich gesteckt hat und, natürlich, über die Auswirkungen der Corona-Krise.
© HDI
Patrick Dahmen ist Vorstandsvorsitzender der HDI Lebensversicherung.

Pfefferminzia: Herr Dahmen, Sie sind vor rund anderthalb Jahren von der Axa zu HDI Deutschland in die Talanx-Gruppe gewechselt. Was haben Sie dort bisher erreicht?

Patrick Dahmen: Bei Altersvorsorge-Anbietern ist es extrem wichtig, dass sie finanziell stabil sind. Für diese Stabilität haben wir in den vergangenen Jahren viel unternommen – und die Anstrengungen zahlen sich aus. Per 31. Dezember 2019 haben wir bei der HDI Lebensversicherung AG eine Solvenzquote von 223 Prozent. Rechnet man Übergangsmaßnahmen mit ein, sind es fast 500 Prozent. Trotzdem wollen wir die finanzielle Stabilität unseres Unternehmens weiter ausbauen. Bei der Überschussbeteiligung liegen wir seit zwei, drei Jahren oberhalb des Marktniveaus. Im Schnitt liegt die laufende Verzinsung im Markt bei 2,6 Prozent, wir liegen um die 3 Prozent. Das ist schon mal eine gute Basis.

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Wir haben im vergangenen Jahr außerdem eine neue Strategie im Bereich Lebensversicherung entwickelt: Spirit for Life. Unter dem Motto „Für ein Leben voller Zuversicht – Vorsorge partnerschaftlich, verlässlich und einfach leben“ wollen wir angreifen, etwa im Bereich der Biometrie. Dafür haben wir unter anderem im September 2019 einen Teil unseres Produktportfolios überarbeitet und neue Kundensegmente ins Visier genommen.

Weitergekommen sind wir bei der Konsolidierung unserer IT-Landschaft. Wir arbeiten daran, die heterogenen IT-Bestandsführungssysteme der verschiedenen Risikoträger in einer Plattform zusammenzubringen. Da haben wir ungefähr 50 Prozent des Weges hinter uns. Zum 1. Januar 2020 haben wir jetzt die Betriebsfunktionen gebündelt. Das heißt, wir haben einen einheitlichen Betrieb für alle Vertriebswege und alle Marken, und wir haben eine einheitliche Produktplattform, mit denen wir die verschiedenen Vertriebswege entsprechend bedienen können.

Welche Kundensegmente stehen im Bereich Biometrie denn jetzt im Fokus?

Selbstständige, Ärzte, Kammerberufe, IT-Berufe und auch Schüler. Das sind die Zielgruppen, die wir verstärkt erreichen wollen. Neben der Biometrie wollen wir aber auch das Thema der betrieblichen Altersversorgung vorantreiben. Hier sind wir aufgrund unseres langjährigen Fokus auf das Firmenkundengeschäft schon recht weit. Wir wollen aber weiter über Markt wachsen. Das gilt auch für unser drittes Standbein im Bereich der Produkte – die fondsgebundene Altersvorsorge. Insgesamt wollen wir das Neugeschäft im Segment Leben kontinuierlich um 5 bis 6 Prozent jährlich steigern.

Wie hat sich die Corona-Krise bisher auf das Geschäft ausgewirkt?

In der Lebensversicherung verwalten wir im Privat- und Firmenkundengeschäft in Deutschland Kapitalanlagen in Höhe von mehr als 50 Milliarden Euro. Hier hätte es natürlich mit als erstes zu potenziellen Auswirkungen kommen können. In der Kapitalanlage verfolgen wir aber eine Strategie, die wir abgekürzt „lang und sicher“ nennen. Das heißt: Unsere festverzinslichen Wertpapiere haben eine lange Laufzeit und rangieren zum Beispiel zu 99 Prozent im Segment Investment Grade, sind also von Schuldnern mit einer hohen Kreditqualität. Bei HDI Deutschland merken wir momentan im Gegensatz zu anderen Unternehmen keine signifikanten Auswirkungen auf unser Portfolio, was Abschreibungen angeht. Wir haben die Corona-Krise in der ganz heißen Phase sogar genutzt, um in kleinerem Umfang Marktchancen zu nutzen.

Im Bereich der Versicherungstechnik im Segment Leben sehen wir auch keine großen Probleme, was etwa das Thema Übersterblichkeiten angeht. Eine gewisse Exposition haben wir im Bereich Arbeitslosigkeit.

In der Corona-Krise ist uns wichtig, an unsere Kunden zu denken und ihnen entsprechende Lösungen zu bieten. Wir haben daher zum Beispiel die Corona-Beitragspause eingeführt –unsere Kunden haben also die Möglichkeit, die Beitragszahlungen zinsfrei für bis zu sechs Monate auszusetzen. Das Angebot haben bisher rund 4.600 Kunden mit einem Beitragsvolumen von 4,1 Millionen Euro wahrgenommen. Für viele Kunden ist das eine große Erleichterung, für uns ist das gut verkraftbar.

Was haben Sie für die Vermittler getan?

Zum einen nehmen wir erstmal keine Änderung bei den Vergütungen vor, wenn Kunden die Beitragspause nutzen. Da schauen wir uns erst an, was nach den sechs Monaten passiert. Zum anderen haben wir mit Partnern zusammen ein digitales Hilfspaket für Makler aufgesetzt, das es ihnen ermöglicht, ihre Beratungs- und Abschlussprozesse innerhalb von 48 Stunden auf eine digitale Basis zu stellen. Das wird sehr positiv angenommen. Wir haben im Mai 2020 eine Umfrage unter Maklern durchgeführt. Ein Großteil der Befragten gab dabei an, dass sie sich Unterstützung bei der digitalen Kundenkommunikation wünschen.

Die Sachversicherung ist nicht Ihr Bereich, aber ist HDI von der Betriebsschließungsproblematik betroffen?

Wir haben uns zum Thema Betriebsschließungen klar positioniert, weil wir auch in der Krise für unsere Kunden da sein wollen. Das neuartige Corona-Virus ist in den Versicherungsbedingungen für die gewerbliche Betriebsschließungsversicherung anderen Krankheitserregern des Infektionsschutzgesetzes gleichgestellt. Wir differenzieren da nicht, und deshalb gewähren wir ja auch Deckenschutz für behördliche Schließungsanordnungen aufgrund des Corona-Virus. Die Resonanz von Kunden und Vertriebspartnern darauf ist überwältigend.

Die Digitalisierung hat durch die Corona-Pandemie einen ordentlichen Schub bekommen.

Absolut, das sorgt für eine deutliche Beschleunigung. Davon wird auch unser Geschäftsmodell im Zusammenspiel mit den personalen Vertrieben profitieren. Denn Digitalisierung und persönliche Beratung schließen sich nicht aus, sondern ergänzen sich. Wir gehen das Thema Digitalisierung von mehreren Seiten an. Automatisierung, Robotics, KI-basierte Erkennung von Schriftgut und entsprechende Bearbeitung ist erstens für unseren Betrieb zum Beispiel enorm wichtig. Das zweite Themenfeld bezieht sich auf Data Analytics: Wie können wir die Daten unserer Kunden noch stärker nutzen, um daraus passgenaue Produkte zu bauen, das Cross-Selling-Potenzial zu erhöhen und so weiter? Punkt Nummer 3 sind die Vertriebsschnittstellen zu Endkunden und zu Vertriebspartnern. Hier ist es unser Ziel, alle unsere Produkte in den nächsten Jahren komplett digital abschließbar zu machen. Zunächst widmen wir uns hier der Berufsunfähigkeitsversicherung – da arbeiten wir gerade dran. Andere Bereiche werden folgen, etwa die betriebliche Altersversorgung.

Was haben Sie da vor?

In der bAV wollen wir das Zusammenspiel von Vertriebspartnern, Unternehmen und den einzelnen Mitarbeitern digitalisieren. Da arbeiten wir eng mit den Technologie-Dienstleistern xbAV und eVorsorge zusammen. Ziel ist es zum Beispiel, dass jeder Mitarbeiter den Stand seiner bAV, und jeder Makler Informationen zum ganzen Bestand online einsehen kann. Auch die Prävention wollen wir als vierten Ansatz stärker in den Vordergrund rücken. In der Arbeitskraftabsicherung arbeiten wir in einem Pilotprojekt derzeit mit dem Unternehmen Aimo zusammen. Über deren App kann man seinen Bewegungsapparat digital scannen. Die Anwendung zeigt einem dann Schwachstellen im Körper auf und bietet Tipps, wie man dagegen angehen kann. Das ist für uns durchaus interessant, da 20 bis 30 Prozent unserer BU-Leistungsfälle auf Erkrankungen des Bewegungsapparates zurückzuführen sind.

Autorin

Karen

Schmidt

Karen Schmidt ist seit Gründung von Pfefferminzia im Jahr 2013 Chefredakteurin des Mediums.

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