Wenn das Fernsehen über Versicherungsthemen berichtet, schalten die Moderatoren gerne in den Empörungsmodus – so geschah es zuletzt wieder in der WDR-Sendung „Servicezeit“ am vergangenen Mittwoch:
„Jahrelang kassieren Versicherungen satte Prämien und wollen dann im Ernstfall nicht zahlen“, leitete Moderatorin Yvonne Willicks zum nächsten Beitrag über, der sich mit der Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) befasste. Schon diese Aussage dürfte die Versicherungsbranche als ungerechtfertigtes Vorurteil auffassen, denn die Leistungsstatistik zeigt, dass das „Im-Ernstfall-zahlen-die-nicht“ die Ausnahme und nicht die Regel darstellt. Sei es drum.
Willicks fährt sodann mit einer Wortschöpfung fort, die alles und nichts bedeutet – und die leider „immer wieder“ zu hören ist, wenn Journalisten sich nicht so genau festlegen möchten oder können: „Immer wieder hören wir bei uns in der Redaktion von solchen Fällen – und auch der Landwirt Heinz-Josef Derichs aus Jülich hatte Pech und ist ernsthaft erkrankt. Obwohl er – wie es auch Verbraucherverbände empfehlen – eine Berufsunfähigkeitsversicherung abgeschlossen hatte, muss er Angst um seine Zukunft haben, denn Geld ist bislang nicht geflossen.“
Heinz-Josef Derichs hatte als selbstständiger Landwirt für den Notfall vorgesorgt und eine BU abgeschlossen, weil er damit seine Familie absichern wollte, wie er dem WDR schildert. „Mittlerweile ist der Notfall bei mir eingetreten“, sagt er. „Ich habe Herzprobleme, ich habe Schulterprobleme. Und die Versicherung will leider Gottes nicht bezahlen – obwohl mir das zusteht und ich dieses Geld bräuchte, um diesen Betrieb weiterführen zu können.“
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Schwere körperliche Arbeit sei für Derichs nicht mehr möglich – zum Beispiel Säcke mit Saatgut zu tragen. „Egal bei welcher Tätigkeit: Seinen rechten Arm kann er wegen der Schulterarthrose kaum noch gebrauchen“, berichtet der Reporter.
„Es ist eine große körperliche und auch seelische Belastung“, sagt der Landwirt. Oft liege er nachts wach und denke über die ganze Problematik nach – und oft wisse er nicht, wie es weitergeht. „Ich habe zwei Leute zusätzlich eingestellt, die mir helfen – die müssen bezahlt werden“, sagt Derichs. Da aber die Versicherung bislang nicht gezahlt habe, bleibe er auf diesen Kosten sitzen.
Die Versicherung lehne eine Leistung „trotz eindeutiger Gutachten“ weiter ab, heißt es in dem Bericht. Seit dreieinhalb Jahren kämpfe der Landwirt nun schon um sein Recht – und war dabei durchaus erfolgreich. Das Landgericht Aachen sprach ihm rückwirkend knapp 2.183 Euro monatliche Berufsunfähigkeitsrente zu – bis jetzt sollen die Ansprüche auf über 70.000 Euro angewachsen sein.
Doch die Versicherung halte all das für „nicht nachvollziehbar“ und sei daher in Berufung gegangen, berichtet der WDR. Der Anwalt des Betroffenen kann das nicht verstehen: „Ärztliche Gutachten über die körperlichen Beschwerden seines Mandaten gibt es genug“, sagt er. Das Landgericht Aachen habe zwei unabhängige Sachverständigengutachten eingeholt – das eines Herzspezialisten sowie ein Gutachten eines Orthopäden.
„Beide Gutachter haben bestätigt, dass bei Herrn Derichs eine bedingungsgemäße Berufsunfähigkeit vorliegt“, so der Anwalt, was bedeute, dass Derichs nicht mehr in der Lage sei, seinen Beruf als Landwirt zu mindestens 50 Prozent dauerhaft auszuüben.
Die Versicherung will sich gegenüber dem WDR nicht zu dem Fall äußern. Wegen des laufenden Verfahrens, so die Begründung.
Dabei habe der Landwirt noch Glück im Unglück gehabt – dank seiner Rechtsschutzversicherung, welche die Prozess- und Anwaltskosten übernommen hat. Dabei spiele die Versicherung auf Zeit und verfolge „eine ganz besondere Taktik um nicht zahlen zu müssen“, heißt es weiter im Bericht. So verlange das Unternehmen, dass Derichs seine bisherige schwerpunktmäßige handwerkliche Tätigkeit, sprich seine körperliche Arbeit, umverlagert zu einer Büroarbeit. Doch laut seines Anwalts falle die Papierarbeit in seinem Betrieb nicht in dem Umfang an, als dass solch eine Verlagerung Sinne mache.
Derichs gibt sich jedenfalls gegenüber dem WDR kämpferisch: „Ich will einfach nicht aufgeben, selbst nach über drei Jahren Gerichtsverhandlungen. Ich werde nicht locker lassen, bis ich mein Ziel erreicht habe.“
Am Ende betont der Sender dann noch, dass Derichs „vom Modell der Berufsunfähigkeitsversicherung immer noch überzeugt“ sei. „Traurig nur, dass sich seine Versicherung nicht an die vertraglichen Zusagen hält“, so der Schlusssatz.
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