Jahresauftaktveranstaltung der Pensions-Akademie

„Es muss etwas passieren“

Die Verbreitung der betrieblichen Altersversorgung (bAV) in Deutschland ist zu niedrig – ein Obligatorium wohl kaum noch zu vermeiden. Und wer weiter Garantien bei seiner Betriebsrente will, sollte sich – angesichts eines wohl bald sinkenden Höchstrechnungszinses – auch sputen. Das sind einige Erkenntnisse, die bAV-Expertin Cordula Vis-Paulus von der Jahresauftaktveranstaltung der Pensions-Akademie Anfang Februar mitgenommen hat.
© privat
Cordula Vis-Paulus ist Expertin für die private und betriebliche Altersversorgung.

Am 6. Februar 2020 durfte ich mit dem Ohr der Vermittlerin bei einem der „Klassentreffen der bAV-Akteure“, nämlich der Jahresauftaktveranstaltung der Pensions-Akademie dabei sein. „Es muss etwas passieren – zwischen den Generationen“, sagte Georg Thurnes, Vorstandsvorsitzender der Arbeitsgemeinschaft für betriebliche Altersversorgung (Aba) und (noch) Aon-Chefaktuar. „Wenn die junge Generation unsere Position einnimmt, werden die uns wohl kaum unser Geld verprassen lassen, während es für sie nicht mehr reicht.“ Der immer noch viel zu geringe Verbreitungsgrad der betrieblichen Altersversorgung (bAV) – eines der Kernthemen für die Pensions-Akademie zum Jahresauftakt.

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Hemmschwellen der bAV-Verbreitung erkennen und abbauen, der anhaltende Niedrigzins, die schwierige Situation der Pensionskassen, Freibetrag statt Freigrenze und natürlich Nachhaltigkeit, der erste Deutsche ESG-Pension-Award – das waren die beherrschenden Themen.

Für uns Vermittler sehe ich drei Punkte im Fokus.

Den Verbreitungsgrad der bAV zu erhöhen – sonst droht das Obligatorium. Die „Kommission verlässlicher Generationenvertrag“ arbeitet an einem Standardprodukt als Obligatorium. Das Aus für Beratung? Das Aus für individuelle Vorsorgelösung? Das Aus für Experten der betrieblichen Altersversorgung? Dass ein Obligatorium wohl kaum zu umgehen sei, wurde an den kleinen runden Tischen in der Kaffeepause hinter kaum verborgener Hand gesprochen. Wann und in welcher Ausgestaltung sei eher die Frage. Wer also Freund einer zu ihm passenden Versorgung ist, wer selbst besparte Ansprüche nicht mit anderen teilen möchte, sollte schleunigst aktiv werden.

Der Niedrigzins, für die Pensionskassen (schon seit Jahren) ein Problem, könnte uns ein erfolgreiches Jahr bescheren. Weil wir am Ende des Garantiezeitalters stehen. Wer Garantien will, sollte sich sputen. Mit der geplanten Senkung des Höchstrechnungszinses auf 0,5 Prozent wird es mindestens knapp, bei 0,25 Prozent wohl unmöglich, eine 100-prozentige Bruttobeitragsgarantie auszusprechen. Des Deutschen Liebstes, die Garantie, steht auf der Kippe.

Freibetrag statt Freigrenze bei den Krankenkassenbeiträgen

Mit Henriette Meissner, Geschäftsführerin der Stuttgarter Vorsorge-Management GmbH, hat die Pensions-Akademie eine weitere bAV-Expertin zu Wort kommen lassen. Sie sprach über die Erleichterung bei der Verbeitragung von Betriebsrenten. Für viele Betriebsrentner bedeutet der zum Januar 2020 neu eingeführte Freibetrag bei den Krankenkassenbeiträgen weniger Abzüge bei ihrer Betriebsrente. Allerdings steckt hier die Tücke im Detail. Nicht nur weil die Umsetzung noch bis zum nächsten Jahr auf sich warten lässt (wir berichteten), sondern auch weil zwar für Pflichtversicherte der KV-Beitrag auf den Freibetrag entfällt, jedoch nicht der Pflegeversicherungsbeitrag. Überhaupt nichts haben freiwillig krankenversicherte Rentner vom Freibetrag: sie haben schlicht keinen.

Pflicht- oder freiwillig versichert und zum Beispiel Einkünfte unterschiedlicher Einkommensarten machen den Unterschied, welche Abgaben anfallen. Was in der Theorie einfach klingt, ist in der Praxis komplex. Nicht leichtfertig beraten, das könnte teuer werden. Wenn wegen falscher Auskünfte nachher nämlich Schadensersatzansprüche zu begleichen sind.

ESG – was ist das?

Gleich zweimal verlieh die Pensions-Akademie den ersten deutschen ESG-Pension-Award. Für die kirchliche Pensionskasse Verka nahm Vorstand Ewald Stephan den Preis für die Umsetzung seines „auf der Basis von Nachhaltigkeit umgesetzten magischen Anlagedreiecks“ entgegen. Ethische, soziale, ökonomische und moralische Gesichtspunkte der Investments überzeugten die Jury. Die Deutsche Post DHL Group, eine weitere Preisträgerin, schafft es laut Jury Unternehmensnachhaltigkeit in die Kapitalanlage zu bringen, die sich auf die Altersvorsorge der Mitarbeiter auswirkt.

ESG, Nachhaltigkeit – ein Preis, viele Studien, steigende Nachfrage, aber auch Ratlosigkeit. „Die Definition, was Nachhaltigkeit konkret bedeutet, ist noch unklar“ stellte etwa Victoria Walbröhl, Leiterin ESG Real Estate Germany bei Swiss Life Asset Managers, auf der Veranstaltung klar.

Wie sehr sind unsere Arbeitgeberkunden und die Belegschaften ESG-orientiert? Hält sich der Irrglaube, dass Nachhaltigkeit weniger Rendite bringe? Oder sind Entscheider und Vorsorger bereit für ein nachhaltig(er)es Anlage-Experiment? Am Kaffeetisch höre ich, dass die Politik über ESG systemische Verhaltensänderungen bewirken will. Zum Beispiel über die Gestaltung des Darlehenszinses unter Berücksichtigung des CO2-Fußabdruckes eines Unternehmens.

Fazit

Der Niedrigzins und die kommenden Senkungen des Höchstrechnungszinses sollten für garantieliebende oder bisher unentschlossene Kunden ein Anstoß zum Handeln sein. Unsere Aufgabe ist es, mit den Kunden rechtzeitig darüber zu sprechen, um dann langfristig erfolgreiche Altersversorgungen einzurichten.

Der neue Freibetrag auf bAV-Renten verbessert die Rentabilität der Entgeltumwandlung insbesondere für Mitarbeiter, deren Gehalt unter der Beitragsbemessungsgrundlage liegt.

Nachhaltigkeit: Wer enkelfähig beraten will und damit einen Teil des eigenen Nachhaltigkeitsengagements lebt, kann durch gezieltes Fragen nach dem Kundeninteresse auch Einfluss auf die Anbieter und Träger von Versorgungslösungen nehmen.

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