Bilanz

Für jede zweite Indexpolice gab es 2019 keine Rendite

Indexpolicen haben für 2019 eine gemischte Rendite-Bilanz vorzuweisen. Jeder zweite Vertragsinhaber konnte sich über Zuwächse freuen, während die andere Hälfte der Kunden leer ausging. Zu diesem Ergebnis kommt eine Analyse der Ratingagentur Assekurata. An dieser Ergebnis-Aufteilung wird sich wohl auch langfristig nichts ändern, so die Prognose.
© picture alliance/Boris Roessler/dpa
„Trotz der Unsicherheiten aufgrund des anstehenden Brexits, des Handelsstreits zwischen den USA und China sowie aufkeimender Rezessionsängste schlossen die Aktienmärkte das Jahr 2019 mit einem deutlichen Plus ab“, blickt Assekurata-Analyst Lars Heermann zurück. So stand der Dax am letzten Börsentag 2019 mit 13.249 Punkten deutlich höher als noch ein Jahr zuvor (10.558 Punkte), was einem Zuwachs von mehr als 25 Prozent entspricht.

Die Renditegutschriften für Kunden von indexgebundenen Rentenversicherungen – kurz Indexpolicen – ist im vergangenen Jahr sehr unterschiedlich ausgefallen: Je nach Anbieter, Tarif und Indexstichtag konnten viele Versicherte am Börsenaufschwung 2019 teilhaben und Renditegutschriften von bis zu acht Prozent verbuchen. Doch in vielen Fällen gelang dies nicht: Jeder zweite Kunde musste mit Nullrenditen leben (siehe Grafik).

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Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuellen Marktstudie der Ratingagentur Assekurata, die sich mit den zu Überschussbeteiligungen und Garantien von Lebensversicherern befasst hat.  Darin wurde zum fünften Mal auch das Produktsegment der Indexpolicen untersucht, wozu laut Assekurata 14 Anbieter ausführliche Angaben machten.

Immerhin: Alle Kunden, die unterjährig Rückschläge in der Indexentwicklung hinnehmen mussten, konnten sich zumindest auf den garantierten Kapitalerhalt verlassen, den alle untersuchten Tarife vorsehen. „Dieses produktimmanente Sicherheitsnetz musste auch im längerfristigen Rückblick in knapp der Hälfte der Fälle in Anspruch genommen werden“, berichten die Autoren. Im Gegenzug seien in den übrigen Fällen die jährlichen Indexgutschriften positiv, in Einzelfällen lagen sie Assekurata zufolge sogar im zweistelligen Prozentbereich.

„Das Ergebnis ähnelt der Wahrscheinlichkeit eines Münzwurfs“

„Um für dieses noch junge Produktfeld eine Einschätzung über mehrere Jahre zu erhalten, haben wir die Indexperformance verschiedener Tarife seit 2014 über mehr als 150 Stichtage aggregiert“, erläutert Lars Heermann, Bereichsleiter Analyse und Bewertung, das methodische Vorgehen. „Das Ergebnis ähnelt der Wahrscheinlichkeit eines Münzwurfs, weil das Verhältnis von Positivrenditen und Nullrenditen etwa bei 50:50 liegt“, so Heermann.


Quelle: Assekurata

Gewissermaßen als Gegenleistung zum garantierten Kapitalerhalt müssen Indexpolicen-Inhaber in Kauf nehmen, dass ihre Renditenchancen nach oben hin gedeckelt werden. Hierfür haben sich mit dem Cap (Deckel) und der Quote zwei Methoden etabliert. Während die Kunden bei einer Quote anteilig an der monatlichen oder jährlichen Indexentwicklung partizipieren, deckelt ein Cap die Aufschwungphasen an einer bestimmten Schwelle. „Das bedeutet, dass der Kunde mit seinem Sparkapital monatlich nur bis zu einer im Voraus festgelegten Höhe an der positiven Indexperformance beteiligt wird, bevor die Monatsrenditen aufsummiert werden“, erläutern die Experten.

Überschussdeklaration als Bestimmungsgröße für das Indexbeteiligungsvolumen Cap und Quote haben bei allen untersuchten Tarifen eine Gültigkeitsdauer von einem Jahr (Indexjahr) und können von den Anbietern dann individuell neu festgelegt werden. Ihre Höhe hängt insbesondere davon ab, wie viel Überschussbeteiligung der Versicherer deklariert.  „Dementsprechend ist es sinnvoll, die Überschussentwicklung von Indexpolicen regelmäßig im Auge zu behalten“, rät Heermann. Sie liege derzeit mit durchschnittlich 2,71 Prozent zwar etwas unter den Vorjahreswerten, falle im aktuellen Zinsumfeld jedoch noch immer attraktiv aus. „Hohe Überschussdeklarationen von Indexpolicen sind für den Kunden positiv, zugleich aber auch zwingend notwendig, um die Renditechance trotz Cap oder Quote aufrecht zu halten“, gibt Heermann zu bedenken.

Sicherere Verzinsung für Indexpolicen aktuell höher als laufende Verzinsung für Klassik- und Neue-Klassik-Tarife

Alternativ zur Indexbeteiligung können sich die Kunden zu Beginn eines jeden Indexjahres auch für eine vorab bekannte sichere Verzinsung entscheiden beziehungsweise die Indexbeteiligung abwählen. Vermehrt bieten die Unternehmen ihren Versicherten auch die Option, den Überschuss anteilig in beide Varianten zu investieren. Die sichere Verzinsung wird dabei von den Lebensversicherern stichtagsabhängig für jeweils ein Jahr festgelegt und dem Vertragsguthaben gutgeschrieben. Analog zur verzinslichen Ansammlung bei einer konventionellen Rentenversicherung erhöht der sichere Zins damit den Policenwert mit einer im Voraus festgelegten Deklaration.

Die sichere Verzinsung liegt im Durchschnitt der betrachteten Anbieter aktuell bei 2,53 Prozent. Sie fällt damit geringer aus als die Zinsdeklaration für die Indexbeteiligung, welche die Anbieter in der Regel in den Fokus ihrer Tarifkommunikation stellen. „Gleichwohl ist bemerkenswert, dass die sicherere Verzinsung aktuell höher ausfällt als die laufende Verzinsung in der Klassik und der Neuen Klassik, die im Schnitt unter 2,30 Prozent liegt“, stellt Heermann fest. „Wenn Kunden also auf die Indexwette verzichten, können sie sich alternativ einen Überschusszins sichern, der einen Vergleich mit konventionellen Policen nicht scheuen muss. Die illustrierte Beitragsrendite würde allerdings mit 1,70 Prozent geringer ausfallen, weil Indexpolicen häufig mit höheren Kosten kalkuliert werden.“

Autor

Lorenz

Klein

Lorenz Klein gehörte dem Pfefferminzia-Team seit 2016 an, seit 2019 war er stellvertretender Chefredakteur bei Pfefferminzia. Im Oktober 2023 hat Klein das Unternehmen verlassen, um sich neuen Aufgaben in der Versicherungsbranche zu widmen.

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