Vernetzung

Mit Smart-Home-Anwendungen die Kundenbindung erhöhen

Bereits jeder vierte Deutsche besitzt mindestens einen digitalen Assistenten – warum der Trend zu Smart-Home-Anwendungen für Versicherer die Chance eröffnet, die Bindung zum Kunden zu stärken, erfahren Sie hier.
© dpa
Ein Mann nutzt ein Tablet zur Steuerung von Smart-Home-Anwendungen.

Die Deutschen regeln ihren Alltag zum Großteil über das Smartphone – warum sollten sie also nicht per App die heimische Designer-Lampe dimmen oder die kalte Wohnung, noch mitten im Feierabendverkehr steckend, wohlig vorheizen? Einige tun das bereits. So besitzt immerhin jeder vierte Deutsche (26 Prozent) mindestens eine Smart-Home-Anwendung, wie eine Umfrage des Digitalverbandes Bitkom zeigt (siehe Grafik unten). Beliebt sind demnach vor allem intelligente Beleuchtung (17 Prozent), Video-Überwachung (14 Prozent) und Sprachassistenten (13 Prozent).

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An der fortschreitenden Vernetzung in den eigenen vier Wänden will auch die Versicherungswirtschaft teilhaben. „Für Versicherer bietet das Thema neue Wege, ihren Kunden Mehrwerte wie gesteigerten Komfort und Sicherheit anzubieten“, sagt Diana Boduch, Leiterin Kompetenzteam Antrag, Vertrag und Schadenmanagement, bei den Versicherungsforen Leipzig.

Allerdings zeigen jüngste Presse-Schlagzeilen wie „Smart-Home-Versicherung: Sinnvoll oder nutzlos?“, dass Vermittler noch viel Überzeugungsarbeit beim Endkunden zu leisten haben – auch die Versicherungsforen sehen die Branche erst am Anfang: Das Angebot an Smart-Home-Tarifen auf dem deutschen Versicherungsmarkt sei bislang „eher übersichtlich“, heißt es.

Zu den Gesellschaften, die sich anschicken, ihren Versicherungsschutz für das intelligente Haus aus dem Nischendasein zu führen, gehört die Zurich Gruppe Deutschland. Von der Produktidee bis hin zur Vermarktung des „Zurich Smart Home Pakets“ seien knapp 45 Abteilungen und drei externe Kooperationspartner eingebunden gewesen, schildert Projektbegleiter Markus Ludwig von Zurich.

Er selbst ist großer Fan der Technologie: Daheim nutzt Ludwig nach eigener Auskunft 70 eingebaute Smart-Home-Komponenten sowie smarte Geräte. Die potenziellen Nachahmer, die für Zurich als Zielgruppe infrage kommen, beschreibt er so: Menschen mit einem erhöhten Sicherheitsbedürfnis, die sich für moderne und zukunftssichere Technik interessieren, Wert auf einen erhöhten Wohnkomfort legen – oder einfach ihre Energiekosten managen und reduzieren möchten. Nun ja, ein beträchtlicher Teil der Bevölkerung dürfte da schon mal rausfallen, aber die Branche hat auch in diesem Bereich einen langen Atem.

Denn: „Beim Smart Home geht es nicht um Technikspielereien, es geht um gesellschaftliche Veränderungen, die zum Beispiel ein selbstbestimmtes Leben im Alter zu Hause ebenso ermöglichen wie eine dezentrale, ressourcenschonende Energieversorgung“, gibt sich Bitkom-Präsident Achim Berg überzeugt. Kurzum: Es geht hier um die ganz großen Fragen, die sich beispielsweise durch die demografische Entwicklung ergeben und die Antworten verlangen – vielleicht nicht heute, übermorgen aber schon. Die Versicherer wollen auf diesem Wege zum Lebensbegleiter der Kunden werden.

Ob das gelingen wird, hängt auch davon ab, wie glaubwürdig sich die Branche dem Thema verschreibt – und hier bietet sich der Megatrend Prävention als Markttreiber an. „Kunden profitieren ebenso wie die Versicherer von den verringerten oder sogar verhüteten Schäden“, sagt Expertin Boduch und verweist auf entsprechende Präventivmaßnahmen in der Hausrat- und Wohngebäudeversicherung.

Alte Leipziger, Axa und Provinzial Rheinland haben sich beispielsweise in ihrem Smart-Home-Angebot auf den Schutz vor Wasserschäden konzentriert. Sie arbeiten dabei mit Anbietern von Leckage-Ortungen zusammen – im Falle der Provinzial Rheinland ist dies das hauseigene Handwerkernetz Albag. „Der Vermittler verkauft dann zwar den Tarif, gekoppelt mit dem Leckageschutzgerät. Einbau sowie Rückfragen und Probleme der Kunden werden jedoch über die Albag abgewickelt“, beschreibt die Provinzial die Arbeitsteilung zwischen den beiden Partnern. So habe man der Vertriebsmannschaft auch die Unsicherheit gegenüber dem neuen Produkt nehmen können, heißt es weiter.

Schäden verhindern, Kosten sparen

„Da rund die Hälfte der Schadenkosten im Wohngebäudebereich auf Leitungswasserschäden zurückzuführen ist, erhoffen sich die Versicherer hier langfristig eine Kosteneinsparung“, erklären die Versicherungsforen Leipzig die Strategie der Versicherer. Das dürfte auch für Zurich gelten – nur formuliert man es dort etwas anders: „Wir wollen unseren Kunden helfen, Schäden durch smarte Technik früh zu entdecken oder gar zu vermeiden“, sagt Alexander Bernert, Leiter Innovation und Marktmanagement.

Das Zurich-Paket beinhaltet ein Geräte-Set, zu dem unter anderem ein Wassermelder und eine Alarmsirene gehören. Für eine Prämie von knapp 15 Euro im Monat verspricht das Unternehmen außerdem „umfassende Service-Leistungen“. Demnach sollen die Kunden mittels einer „Control-App“ auch von unterwegs mitbekommen, was gerade zu Hause passiert. „Registrieren die Sensoren einen Schadensfall, erhält der Versicherte eine Push-Meldung direkt aufs Smartphone“, erklärt Zurich-Mann Bernert. So könne der Geschädigte dann über eine Notfall-Hotline rund um die Uhr eine individuelle Soforthilfe organisieren.

Autor

Lorenz

Klein

Lorenz Klein gehörte dem Pfefferminzia-Team seit 2016 an, seit 2019 war er stellvertretender Chefredakteur bei Pfefferminzia. Im Oktober 2023 hat Klein das Unternehmen verlassen, um sich neuen Aufgaben in der Versicherungsbranche zu widmen.

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