Klima-Risiko-Index

Extremwetter trifft Deutschland weltweit am drittstärksten

Deutschland gehört zu den drei am stärksten von Extremwetter betroffenen Staaten weltweit – und das zum ersten Mal in der 14-jährigen Geschichte des „Klima-Risiko-Index“. Die „massiven Klimawandelfolgen“ treten immer öfter auch in Industrienationen wie Deutschland oder Japan auf, so die Autoren.
© Oliver Berg/dpa
Feuerwehrleute stehen auf einer Brücke über die Prüm, die nach heftigen Regenfällen über die Ufer getreten ist.

Die Gesamtschäden durch Wetterextreme in Deutschland beliefen sich im vergangenen Jahr auf rund 4,5 Milliarden Euro. Nur Japan und die Philippinen waren noch stärker von Extremwettern betroffen. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie „Klima-Risiko-Index“, den die Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch am Mittwoch auf dem Klimagipfel in Madrid vorgestellt hat.

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Im Langfrist-Index, der die Jahre 1999 bis 2018 betrachtet, seien Puerto Rico, Myanmar und Haiti die am massivsten von Stürmen, Überflutungen und Dürren heimgesuchten Staaten, teilte Germanwatch mit.

Der Index für das Jahr 2018 zeige insbesondere die verheerenden Folgen von außergewöhnlichen Hitzewellen und Dürren. Besonders betroffen waren davon neben Deutschland auch Japan und weite Teile Indiens.

Deutschland von Hitze, Dürre und mehreren schweren Stürme gebeutelt

In Deutschland forderte die Hitze 1.234 Todesopfer und verursachte in Kombination mit der lang anhaltenden Dürre über 1,3 Milliarden US-Dollar an Schäden in Kaufkraftparitäten, berichten die Studienautoren. Das Umweltbundesamt beziffert demnach allein die landwirtschaftlichen Schäden in Deutschland 2018 auf rund 700 Millionen Euro. „Insgesamt verzeichnete Deutschland 2018 rund 5 Milliarden US-Dollar (4,5 Milliarden Euro) Schäden durch Wetterextreme“, so Germanwatch. Hauptursachen waren demnach neben Hitze und Dürre „mehrere schwere Stürme, insbesondere die Orkantiefs Friederike im Januar und Fabienne im September“.

Jüngste Studien hätten „den lange nachgewiesenen Zusammenhang zwischen dem Klimawandel und der Anzahl sowie Intensität von Hitzewellen erneut bestätigt“, betonen die Autoren. In weiten Teilen Europas etwa sei die Wahrscheinlichkeit des Auftretens von Hitzewellen heute bis zu 100 mal größer als noch Anfang des 20. Jahrhunderts.

„Der Klima-Risiko-Index zeigt, dass massive Klimawandelfolgen weltweit zunehmen – sie treffen immer öfter auch Industrienationen wie Deutschland oder Japan“, sagt Studienautor sagt Maik Winges. „Folgen von Extremwetter wie Dürren, Überflutungen oder Hitzewellen führen auch hierzulande zu Todesopfern und großen Schäden.“

Dennoch seien die ärmsten Staaten der Welt den noch größeren Risiken ausgesetzt, so Winges. Vor allem, weil sie bisher kaum Hilfe für erlittene Schäden und Verluste von den Hauptverursachern des Klimawandels – den Industrienationen – bekämen. Zudem würden in diesen Ländern bereits die heutigen Schäden und Verluste wegen der schlechteren Datenlage eher unterschätzt. So fehle es beispielsweise in Teilen Afrikas bisher an umfassenden Informationen über Hitzeschäden, so Winges weiter.

Weltweit forderten über 12.000 extreme Wetterereignisse in den vergangenen 20 Jahren knapp 500.000 Todesopfer und verursachten rund 3,5 Billionen US-Dollar Schäden (in Kaufkraftparitäten).

Nur 41 Prozent der deutschen Haushalte umfassend abgesichert

Auch der Versicherungsverband GDV betrachtet die Entwicklung mit Sorge: „Schwere Stürme, große Hitze, starke lokale Überschwemmungen – 2018 ist Sinnbild für Extremwetter auch in Deutschland“, bilanzierte GDV-Präsident Wolfgang Weiler bereits Ende Januar 2019.

93 Prozent der Hausbesitzer haben ihr Eigentum laut damaliger Zahlen gegen Sturm- und Hagel abgesichert. Über einen Rund-um-Schutz auch gegen Naturgefahren wie Starkregen und Hochwasser verfügen aber nur 41 Prozent. Eigentümer und Mieter sollten ihre  Versicherung prüfen und gegebenenfalls um alle Naturgefahren erweitern, so der Rat seitens der Versicherungswirtschaft.

Germanwatch erstellt den globalen Klima-Risiko-Index nach eigenen Angaben jährlich auf der Grundlage der NatCatSERVICE-Datenbank des Rückversicherers Munich Re sowie von sozioökonomischen Daten des Internationalen Währungsfonds (IWF). Der Index betrachtet die durch Extremwetter verursachten Todeszahlen und Sachschäden (um Vergleichbarkeit zu ermöglichen in Kaufkraftparitäten) – sowohl die absoluten Zahlen als auch in Relation zur Einwohnerzahl beziehungsweise dem Bruttoinlandsprodukt.

Autor

Lorenz

Klein

Lorenz Klein gehörte dem Pfefferminzia-Team seit 2016 an, seit 2019 war er stellvertretender Chefredakteur bei Pfefferminzia. Im Oktober 2023 hat Klein das Unternehmen verlassen, um sich neuen Aufgaben in der Versicherungsbranche zu widmen.

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