Studie

Nur jeder fünfte Deutsche nimmt Lebensversicherer positiv wahr

Die Digitalisierung in der Lebensversicherung wird künftig weniger in der Produktkalkulation eine Rolle spielen als vielmehr nach außen in der Kommunikation mit den Kunden sowie nach innen bei der Abwicklung der Bestandsprozesse, wie die aktuelle Studie „Zukunft der Altersvorsorge“ betont. Vor allem in der Kundenkommunikation sei noch viel zu tun für die Branche.
© picture alliance/Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa
Zwei Rentner vor einem Tablet: Für die Zukunft wünschen sich viele Versicherungskunden eine digitalere Kommunikation mit ihrem Versicherer.

Wie werden deutsche Lebensversicherer zukunftssicher? Dieser Frage sind das Software-Unternehmen Adesso Insurance Solutions und die Versicherungsforen Leipzig in einer aktuellen Studie nachgegangen. Sechs Zukunftsprojektionen auf Grundlage von soziokulturellen, politischen, ökonomischen, technologischen und regulatorischen Einflussfaktoren haben die Experten berechnet. Zusätzlich fragten sie rund 300 Kunden nach ihrer Einschätzung zu künftigen Herausforderungen der Branche.

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Ein zentrales Ergebnis: Kunden erkennen Lebensversicherer zwar als Ansprechpartner für Vorsorgefragen an, bleiben aber skeptisch. Tatsächlich nehmen nur 19 Prozent der Befragten die Anbieter positiv wahr. 29 Prozent sind eher negativ gestimmt. Ein weiteres Viertel bezeichnet die Branche sogar als unseriös und profitfokussiert.

Noch ein Kritikpunkt der Kunden: die Verwaltung bereits bestehender Vorsorgemaßnahmen. Besonders häufig nannten sie hier die Ungewissheit bezüglich der zukünftigen Rentenhöhe – vor allem in Verbindung mit der Inflation. Immerhin: Wenngleich rund 19 Prozent der Befragten es als problematisch sehen, dass die Verwaltung unorganisiert und sehr papierlastig ist, empfindet nahezu die gleiche Personenzahl (19 Prozent), dass keine Verwaltungsprobleme im Kontext der Altersvorsorgemaßnahmen bestehen.

Klassische Kommunikation im Trend

Digitalisierung – nur bedingt: Die Studie zeigt, dass die postalische Kommunikation nach wie vor beliebt ist (53 Prozent). Die Branche scheint also diesen Weg auch weiterhin am häufigsten zu nutzen (62 Prozent). Nur ein kleiner Teil der Befragten (13 Prozent) wird mittels Kundenportalen und Apps informiert. Für die Zukunft würden sich allerdings 26 Prozent der Befragten einen solchen Kommunikationsweg wünschen. Vielfalt ist gefragt.

Die Studie zeigt ferner: Die Digitalisierung wird künftig weniger in der Produktkalkulation eine Rolle spielen, wohl aber nach außen in der Kommunikation mit den Kunden sowie nach innen bei der Abwicklung der Bestandsprozesse.

Ein weiteres Ergebnis der Studie: Nach wie vor wissen gerade einmal 27 Prozent der Befragten, wie viel Geld sie über die drei Säulen der Altersvorsorge für ihre Rente erwirtschaften können. Die Studienautoren appellieren daher an die Branche, ihr Leistungsmanagement sowie auch ihre Zielgruppendifferenzierung zu überarbeiten und zu erweitern. Gerade im Hinblick auf den demografischen Wandel sei dies wichtig. Diversifikation in allen Anlageklassen sei gefragt.

Datensicherheit und -management

Ebenso müsse die Branche künftig stärker auf ihr IT- und Datenmanagement eingehen. Der Grund: Ein Versicherungsunternehmen wird künftig mehr denn je vor der Herausforderung stehen, die verfügbaren Daten zu strukturieren und zu analysieren, um daraus gewonnene Informationen nutzbringend für das Unternehmen zu verwenden. Die Systeme müssen laut Studie schneller, größer und sicherer werden.

Um Datenspeicherung, -management und -analyse in einem Unternehmen entsprechend umzusetzen, bedürfe es neben geeigneter Technik und eines ausreichenden Budgets auch analytischen Know-hows. Gerade für die betriebliche Altersversorgung (bAV) könnte dies schwierig werden, schätzen die Experten. Denn hier stünden die Versicherer meist hauptsächlich mit Arbeitgebern in Kontakt.

„Die Studie zeigt, dass Versicherer viele Stellhebel für eine erfolgreiche Zukunft haben“, sagt Justus Lücke, Geschäftsführer der Versicherungsforen Leipzig und Autor der Untersuchung. In allen Handlungsfeldern zeige sich, so Lücke weiter, dass man, um am Markt überlebensfähig zu bleiben, „das Thema Flexibilität bei allen neuen Maßnahmen und Optimierungen immer im Auge behalten sollte“. Dies gelte zum Beispiel in der Kommunikation, den Produkten und Systemen.

>>> Die gesamte Studie gibt es hier kostenlos zum Download

Autorin

Juliana Demski gehörte dem Pfeffi-Team seit 2016 an. Sie war Redakteurin und Social-Media-Managerin bei Pfefferminzia. Das Unternehmen hat sie im Januar 2024 verlassen.

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