Gliedertaxe in der Unfallversicherung

Warum Musiker und Sportler kostbare Körperteile versichern sollten

Eine Gliedertaxe bestimmt bei einem Unfall die Höhe der Leistung für jedes einzelne Körperteil. Während sie sich für jeden Normalbürger gut eignet, sind gerade für Musiker oder Sportler bestimmte Körperteile besonders wichtig. Was eine Gliedertaxe im Fall der Fälle leistet.
© Getty Images
Selbst nicht eingefleischten Fußball-Fans wird dieses Bild in Erinnerung bleiben: Brasiliens Star Neymar wird während der Fußball-WM 2014 schwer verletzt und fällt für mehrere Monate aus. Dass er danach wieder spielen kann, ist reines Glück.

In der letzten Woche war meine kleine Tochter krank, weshalb ich vormittags zuhause geblieben bin. So durfte ich feststellen, dass unser Briefträger ein ehemaliger Zweit-Liga-Fußballprofi ist, der mir immerhin gleich mit Namen bekannt war. Danach wurde ich einigermaßen nachdenklich, da man ja eher erwarten würde, dass man es als Zweit-Liga-Profi mehr oder weniger geschafft hat. Sollte man meinen. (Wie man selbst Berater von Profi-Fußballern werden kann, steht hier)

Und dann ist mir auch noch ein ehemaliger Mitschüler eingefallen, der seit der D-Jugend immer in der Deutschland-Auswahl gespielt hatte, sich aber mit 15 am Knie verletzte und nie wieder Anschluss gefunden hat.

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Für den Fall, dass der Traum von der großen Karriere platzt

Dieses Schicksal ist beispielhaft für tausende junger Menschen, die jedes Jahr wegen eines Unfalls ihren Traum von der professionellen Sportkarriere aufgeben müssen. Und selbst wenn man es geschafft hat, ist man nicht davor sicher, durch eine schlimmere Verletzung wieder alles zu verlieren.

Immerhin kann man sich vor den finanziellen Folgen eines Unfalls schützen. Denn selbstverständlich können auch Sportler eine Unfallversicherung abschließen.

Bei einem Unfall: Was eine Gliedertaxe leistet

Bei einer Unfallversicherung wird normalerweise der gesamte Körper versichert. Jedem Körperteil wird dabei in der sogenannten Gliedertaxe ein Invaliditätsgrad zugewiesen, aus dem man, mithilfe der Invaliditätsgrundsumme, die Leistung errechnen kann. Die Grundsumme sollte je nach Alter zwischen dem drei- bis sechsfachen des Nettojahresgehalts liegen.

Der Einfachheit halber nehmen wir mal 100.000 Euro als versicherte Leistung an. Verliert die versicherte Person aufgrund eines Unfalls ihren Daumen, der mit 30 Prozent in der Gliedertaxe eingetragen ist, werden 30.000 Euro fällig. Ist der Daumen zur Hälfte eingeschränkt, sind es 15.000 Euro.


Was die progressive Erhöhung für die Schwere der Verletzung bedeutet

Da beim Verlust des Daumens eher wenig bis gar kein Bedarf entsteht, dafür aber bei einer Vollinvalidität ein sehr hoher, gibt es mittlerweile verschiedene Varianten einer progressiven Erhöhung. Relativ gängig ist die 500er-Progression. Das bedeutet: Bei einer Grundsumme von 100.000 Euro würde bei Verlust des Daumens nur geringfügig mehr ausgezahlt, dafür aber bei Verlust der Stimme, welche mit 100 Prozent zu Buche schlägt, 500 Prozent mehr, also 500.000 Euro.

Diese Variante ist für den Normalbürger durchaus sinnvoll. Für den Profisportler oder auch den professionellen Musiker sind solche Lösungen nicht passgerecht. Der Profifußballer etwa muss mit hohen Ausfällen rechnen, wenn er seinen großen Zeh verliert. Dieser wäre mit 10 Prozent in einer gewöhnlichen Gliedertaxe veranschlagt. Das würde niemals ausreichen. Bei einem Violinisten dagegen müssten Arme, Hände und Finger höher angesetzt sein.

Der Markt bietet hier individuelle Lösungen an, die es einzelnen Berufsgruppen ermöglichen, die für sie wichtigen Körperteile höher anzusetzen. Es gibt sogar Versicherungen, die nicht unbedingt die Funktionalität des Körperteils abdecken, sondern den Marktwert. So ist es auch Models möglich, ihren Körper gegen Entstellungen zu versichern. Altersentsprechender Kräfteverfall ist aber ausgeschlossen.

Weitere Informationen zur Versicherung von Sportlern finden Sie hier:

https://www.pfefferminzia.de/fussball-brutal-wie-zil–co-ihre-beine-versichern-1371633310/

https://www.pfefferminzia.de/sportinvaliditaet-wenn-der-profi-kicker-nicht-mehr-kann-1371633113/

 

Über den Autor: Philip Wenzel ist gelernter Historiker und betreut als Versicherungsmakler den Fachbereich der biometrischen Risiken bei der freche versicherungsmakler GmbH & CO.

 

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