Der Staat ist gefragt

Wenn der Schutz der Arbeitskraft unbezahlbar wird

Wer zahlt am meisten für eine Berufsunfähigkeitsversicherung? Körperlich Tätige. Gleichzeitig ist ihr Risiko nicht mehr arbeiten zu können genau deshalb am größten. Eine bezahlbare Absicherung muss her, fordern Kritiker und schlagen eine Rückkehr zum gesetzlichen System vor.
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© Getty Images
Dachdecker: Gerade Arbeitnehmer mit handwerklichen Berufen haben es oft schwer, eine bezahlbare BU-Police zu bekommen. Von vielen Seiten mehren sich nun die Forderungen, dass sich daran etwas ändern muss.

Handwerker und Industriearbeiter tragen das größte Risiko aufgrund eines Unfalls oder einer Krankheit ihren Beruf nicht bis zur Rente ausüben zu können. Aber die meisten können sich den Schutz dagegen schlicht nicht mehr leisten. Die Prämien verschlängen rund 10 Prozent ihres Nettogehalts, berichtet Süddeutsche.de. Nachdem 2001 der gesetzliche Erwerbsminderungsschutz stark eingeschränkt wurde, sollte die private Versicherungswirtschaft hier in die Bresche springen. Doch viele Risiken sind kaum mehr kalkulierbar und versicherbar.

Wer sich abzusichern sucht, muss immer detailliertere Angaben zum Gesundheitszustand machen. Wer jeden Arztbesuch akribisch meldet und den Versicherer über alle Krankheiten vorab genau informiert, läuft nicht Gefahr, seine vorvertragliche Anzeigepflicht zu verletzen. Er riskiert aber heftige Prämienaufschläge für in der Vergangenheit ärztlich behandelte Körperteile.

Bestimmte Berufe, wie Handwerker, Schauspieler oder Stahlarbeiter am Hochofen bekämen kaum noch die Chance auf Absicherung, wie die Onlinezeitung meldet. Ein 20-jähriger Zimmermann beispielsweise müsste für eine monatliche Rente von 1000 Euro 47 Jahre lang rund 160 Euro monatlich einzahlen, rechnet Bianca Boss vom Bund der Versicherten (BdV) vor. Das ist zu viel für die meisten Arbeitnehmer.

Doch seitdem der Staat die gesetzliche Erwerbsunfähigkeitsrente auf ein Minimum reduziert hat, sind Berufstätige auf private Anbieter mehr denn je angewiesen. Problem: Der Schutz ist teuer und für viele nicht zu finanzieren. Experten sind deshalb der Ansicht, man solle zum gesetzlichen System zurückkehren. Boss vom BdV spricht sogar vom Versagen des privaten Versicherungsmarktes bei diesem Thema.

Die privaten Versicherer waren zunächst begeistert von dem neuen Geschäftsfeld und gingen Privatisierung unter Umständen zu locker an. Sie versicherten Kunden zu Preisen, die sich heute als nicht wettbewerbsfähig herausstellen. Jetzt versuchen die Anbieter gegenzusteuern – indem sie ihre Leistungen stärker kürzen oder gar ganz verweigern.

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