Wie weit darf der Konkurrenzkampf um Kunden zwischen klassischen und den neuen „digitalen“ Versicherungsmaklern gehen? Welches Geschäftsgebaren ist ein nicht mehr zu tolerierendes Verhalten unter Mitbewerbern?
Darüber streiten sich jetzt wieder Vertreter beider Lager. Den aktuell kritisierten App-Betreiber Clark stellten wir daher die Frage: „Halten Sie die Kritik an Ihrer Aktion, mit der auch Bestandskunden anderer Versicherungsmakler zu Ihrem Unternehmen abgeworben werden können, für gerechtfertigt?“
„Wir sehen die Aktion als angemessen an“
„Aufgrund der positiven Rückmeldung unserer Kunden, sehen wir die Aktion als angemessen an. Die Aktion Kunden-werben-Kunden richtet sich ausschließlich an unsere treuen Bestandskunden“, erklärt Clark-Geschäftsführer Christopher Oster.
Wer als Clark-Kunde den digitalen Versicherungsmakler weiterempfehle, erhalte dafür derzeit 150 Euro. Dies gelte aber nur noch bis Mitte Februar. „Danach wird die Weiterempfehlungsprämie wieder auf 50 Euro reduziert“, so Oster weiter.
Apps sollen den Makler überflüssig machen
In die Defensive geraten ist der Anbieter Smartphone-tauglicher Programme zum selbstständigen Managen des persönlichen Versicherungsbestands durch einen kritischen Blog-Beitrag von Sven Hennig.
Der Versicherungsmakler aus Bergen auf Rügen hatte bereits in der Vergangenheit mahnend deutlich gemacht, was bei den neuen Versicherungs-Fintechs aus Kundensicht alles zu beachten ist.
„Sie bezahlen mit dem alten Berater“
Für Hennig steht fest, dass die Apps nur auf den ersten Blick kostenfrei sind: „Sie bezahlen mit dem alten Berater“, erklärt er seinen Kunden. „Nur durch massives Wachstum wird es den Fintechs meiner Meinung nach gelingen, zumindest einen großen ‚Bestand‘ von Maklern, Vertretern und Versicherern ‚abzugraben‘.“
Als Folge für den Vermittler führt Hennig an, dass der neue „Betreuer“ fortan die Bestandsvergütung erhält. Das sei in diesem Fall der App-Anbieter: „Clark ist letztendlich auch Makler.“
Allerdings gebe es einen wichtigen Unterschied zum klassischen Maklermodell: Das Geschäftsmodell des Frankfurter Fintechs sei auf enormes Wachstum ausgerichtet, damit die beteiligten Investoren die geforderten Renditen erzielen.
Courtagen finanzieren Werbeprämien
Ob sich das aktuelle Kopfgeld für jeden neu angeworbenen Kunden am Ende aber für Clark wirklich rechnen wird, ist nach Hennigs Meinung aber noch unsicher. Zwar gelte: „Jeder Vertrag, der courtagepflichtig übertragen werden muss, spült Geld in die Kasse der Unternehmen.“
Aber selbst bei einer relativ hohen laufenden Courtage von zum Beispiel 25 Prozent für Sachversicherungen sei mindestens eine Nettoprämie von 600 Euro erforderlich, um die 150 Euro an den Anwerber des neu gewonnenen Kunden zu finanzieren.
Kein Kommentar zu Höhe der Courtagen
Wir fragten bei der Clark Germany GmbH eine Stellungnahme zu den medial genannten Courtagen an. Als Reaktion bat eine Unternehmenssprecherin „um Verständnis, dass es unter Wettbewerbsgesichtspunkten leider nicht möglich ist, die diskutierten Courtagen zu kommentieren“.
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