Versicherung für Flüchtlinge

Eine Frage der Prioritäten

1.295 Euro zu 55.000 Euro. So kurz könnte man die letzte Gemeinderatssitzung von Schondorf zusammenfassen. Gemeinderätin Helga Gall ließ darüber abstimmen, ob eine Haftpflichtversicherung für Flüchtlinge abgeschlossen werden soll. Die Antwort: Nein. Nachfolgender Punkt der Themenordnung: Die Auslieferung der Flussturbine für die Partnergemeinde in Kolumbien. Was es damit auf sich hat und warum diese Entscheidung verständlich ist, erfahren Sie hier.
© Getty Images
Lehrerin Ina Orbitz bringt Flüchtlingskindern das Deutschsprechen bei.

35 Euro beträgt die Prämie für eine Haftpflichtversicherung in jedem Jahr. 37 Flüchtlinge sind derzeit in Schondorf einquartiert. Demnach betrügen die Kosten 1.295 Euro für eine Absicherung von Schäden am Eigentum Dritter. Der Gemeinderat lehnte den Abschluss eines Vertrags mit 10 zu 5 Stimmen ab. Nach Aussage von Gemeinderätin Helga Gall hätte ein Drittel der Einwohner in Deutschland keine solche Versicherung. Hinzu käme, so Gall weiter, dass die Absicherung der Asylbewerber vor Ort nicht viel bringe. Eine Begründung, warum das so ist, nannte sie nicht.

Turbine für Kolumbien ja, Versicherungsschutz für Flüchtlinge nein

Als nächstes Thema steht die Auslieferung einer Flussturbine an die Partnergemeinde von Schondorf in Kolumbien auf der Tagesordnung. Puerto Leguízamo, so der Name des Orts, möchte mit dem neuen Gerät auf nachhaltige Energie setzen. Die Turbine soll im Fluss eingebaut werden und Strom erzeugen. Die Kosten dafür übernimmt die Bundesregierung. Im Rahmen des Förderprogramms „Nachhaltige Kommunalentwicklung durch Partnerschaftsprojekte (Nakopa)“ wurden 55.000 Euro bewilligt. 30.000 Euro wurden bereits ausgegeben.

Was im ersten Moment nach „typisch Bayern“ klingt, treibt aktuell viele Gemeinden um. Die Absicherung von Flüchtlingen ist Aufgabe der Kommune. Neben der Unterbringung fallen auch Ausgaben für die Versorgung der Zugewanderten an. Die Finanzierung dieser zusätzlichen Ausgaben muss mithilfe des regionalen Haushalts erfolgen. Bereits im vergangenen Jahr wurden viele Gemeinden aufgrund ihrer Finanzlage zur Fusion gedrängt. Die Übernahme der zusätzlichen Kosten ist vielerorts nicht möglich.

Auch die Bundesregierung sieht sich an dieser Stelle nicht in der Pflicht. Da eine Versicherung kein überlebensnotwendiges Mittel ist, übernimmt sie hierfür keine Kosten. Allerdings zeigt ein Beispiel aus dem Sport, dass es auch anders geht. So übernimmt der Landessportbund Thüringen für Flüchtlinge die Kosten für eine Versicherung, die bei Sportunfällen schützt.

Mehr zum Thema

Rentenfaktor: Verbraucherschützer verklagen Allianz und R+V

Nachdem sie vor dem Bundesgerichtshof (BGH) gegen die Allianz gewonnen hatte, will die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg…

Nach dem Sturm: KFZ-Bestand der Itzehoer beruhigt sich

Die Itzehoer Versicherungen haben nach einem stürmischen Jahr 2024 im KFZ-Geschäft wieder ruhiges Wasser erreicht.…

Private Altersvorsorge erreicht viele Menschen nicht

Altersvorsorge, die über die gesetzliche Rentenversicherung hinausgeht, ist eher rar hierzulande. Wobei sich das Ergebnis…

Teilen:
Nicht verpassen!

Pfefferminzia.pro

Eine Plattform, die liefert: aktuelle Informationen, praktische Services und einen einzigartigen Content-Creator für Ihre Kundenkommunikation. Alles, was Ihren Vertriebsalltag leichter macht. Mit nur einem Login.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert