Aus Kindermangel folgt irgendwann Altersarmut. Von Jahr zu Jahr wird es enger und die demographische Entwicklung für die kommenden Jahrzehnte ist bereits heute vorgezeichnet. Jemand musste etwas tun. Gesucht war eine dauerhafte Lösung. Vielleicht eine, die unbeliebt ist aber gleichzeitig wirklich hilft. So oder so ähnlich müssen sich Walter Riester und andere Politiker damals gefühlt haben. Wie kann man Menschen mit wenig Einkommen eine lebenslange, nicht allzu klägliche Rente bescheren, ohne dass die Lohnkosten in Deutschland explodieren?
Private Vorsorge galt bis zur Einführung von Riester als Luxus. Aus bereits versteuertem Geld konnte man eine Lebensversicherung besparen, deren Auszahlung am Ende dann steuerfrei war. Mit Altersvorsorge hatte das nicht wirklich viel zu tun. Die private Altersvorsorge der Menschen unterstützen – das ist die Lösung. Im Gegenzug werden dafür später alle am Steuersystem beteiligt. Alle, die genügend Rente beziehen, dürfen Steuern zahlen. Dürfen? Ja, dürfen. Das ist doch das Ziel jedes Einzelnen. Oder nicht? Oder haben Sie sich nach der Schule gedacht: „Wo kann ich denn jetzt so wenig verdienen, dass ich keine Steuern zahlen muss?“ Wohl kaum.
Dann kam also Riester. Zuerst. Vor Bert Rürup. Aber er hat es ähnlich genial gelöst. Wie komme ich zu meiner Bewertung? Das hat verschiedene Gründe.
Erstens: Die breite Akzeptanz
16 Millionen Verträge sprechen ihre eigene Sprache. Riester ist längst durch das Nadelöhr der Massen-Anerkennung durch. Außerdem hat sich das Produkt der Riester-Rente als geförderte Altersvorsorge weiter entwickelt. Ein Beispiel ist die Möglichkeit, mit einem Riester-Vertrag auch Immobilien zu finanzieren. Wohn-Riester heißt diese Form desselben Produkts.
Auch die Frage, wie man seinen Vertrag besparen möchte, hat mehr als eine Antwort. Neben einer klassischen Lösung gibt es Banksparpläne und auch fondsgebundene Lösungen sind am Markt zu finden. Die Förderung: Der Staat investiert. Er fördert den einzelnen Riester-Sparer mit durchschnittlich 15.000 bis 20.000 Euro über die gesamte Vertragslaufzeit betrachtet. Dafür erhält dieser eine lebenslange Rente von durchschnittlich 500 Euro.
Zweitens: Was passiert bei Kündigung?
Möglicherweise ändert sich die Situation eines Kunden bis zur Rente. Auch hier bieten Riester-Verträge eine faire Lösung an. Kündigt der Kunde, muss er Zulagen und Steuervorteile zurückzahlen. Die Zinsen darf er behalten. Damit behält der Kunden den Gewinn, welchen er während seiner Geldanlage erwirtschaftet hat. Das ist immer noch ein gutes Geschäft.
Drittens: Nachgelagerte Besteuerung
Für die meisten Sparer wird das ein Vorteil sein. Denn der persönliche Steuersatz ist in der Erwerbszeit fast immer höher als in der Rente. Ich vermute, dass viele Rentner nicht steuerpflichtig werden. Dies trifft vermutlich auf alle diejenigen zu, die sich auf der gesetzlichen Rente und auf der angesparten Rente ihres Riester-Vertrags ausruhen. Das wird zwar knapp, aber es erklärt die Prognose und damit die verbundene steuerliche Ersparnis vieler Sparer.
Viertens: Beiträge und Zulagen sind sicher
Die eingezahlten Beiträge und Zulagen sind am Ende der Laufzeit garantiert. Rechnet man beide Beträge zusammen, so ergeben diese in jedem Fall mehr, als man eingezahlt hat. Wo gibt es schon solche Garantien? Aktien? Gold? Immobilien? Nein. Nirgends. Sicherheit kostet natürlich Rendite. Aber mit der Altersvorsorge spielt man eben nicht. Zocken kann man mit Spielgeld, wenn man welches übrig hat.
Fazit
Ob Riester alles richtig gemacht hat? Nein. Der größte Fehler war es, Provisionen zu verteilen – weil es damals nicht bei allen Produkten gleich war. Hat der Berater bei einem Abschluss einer „normalen“ Lebensversicherung beispielsweise 1.000 Euro nächsten Monat als Vorabprovision bekommen, bekam er bei Riester auch 1.000 Euro – nur auf zehn Jahre verteilt. Da gab es nicht wenige, die sich das nicht leisten konnten. Und wenn sogar die Berater die Riester-Rente schlecht reden, dann hatten Verbraucherschützer, die tendenziell erst mal alles madig machen, leichtes Spiel. Aber auch das hat sich geändert.
Auf den Prüfstand sollten allerdings der bisher noch nie angepasste Maximalbeitrag – er sollte erhöht werden – und die neuen Abschlusskosten bei einem Anbieterwechsel. Aber auch hier bin ich mir sicher, dass der Gesetzgeber das erkannt hat und sich an die Arbeit macht.
(Fast) alles richtig gemacht also. Glückwunsch. Deshalb fordere ich auch die gesamte Branche auf, egal ob Versicherungsvertreter, Mehrfachagent, Versicherungsmakler oder Vermögensberater (gebundene Vermittler): Zieht hier alle an einem Strang! Unterstützt Riester! Unterstützt Rürup! Es sind geniale Lösungen. Kein anderes Land auf diesem Planeten hat das so gut gelöst wie wir. Darauf sollten wir stolz sein, statt immer nur zu schimpfen.
Über den Autoren
Tim Wolff ist seit 1998 Vermögensberater bei der DVAG in Hanau.
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