Deutsche Asset Management schließt Flexpension-Fonds

„Im Sinne des Anlegerschutzes müssen wir die Fonds liquidieren“

Die Deutsche Asset Management (Deutsche AM) schließt Mitte November Teilfonds der wichtigsten Garantiefonds-Serie in Fondspolicen. Welche Gründe sie hat und was passiert, wenn der Garantiewert bis dahin nicht erreicht wurde, erklärt Frank Breiting, Leiter für das private Vorsorgegeschäft der Deutschen AM.
© Deutsche AM
Frank Breiting ist Leiter für das private Vorsorgegeschäft der Deutschen Asset Management.

Pfefferminzia: Bis spätestens 18. November 2016 sollen die Teilfonds DWS Flexpension 2016 bis 2023, DWS Flexpension II 2019 bis 2025 und der DWS Flexpension 2025 Sparplan geschlossen werden. Warum?

Frank Breiting: Wir liquidieren die kurzlaufenden Flexpension-Fonds schlicht und einfach aus dem Grund, weil wir wegen des Niedrigzinsumfelds kaum noch die Möglichkeit haben, die Garantie sinnvoll abzusichern und gleichzeitig eine zusätzliche Performance zu erzielen. Wenn Sie das ganze Geld in Staatsanleihen investieren, haben Sie keine Luft mehr für Aktien und sind komplett im Cash-out. Im Fondsprospekt wird dem Kunden aber zugesichert, dass er an den Aktienmärkten partizipieren wird. Momentan führt jedoch die Garantie dazu, dass wir gar keine Chance mehr haben, auch nur ansatzweise diesen Teil der Anlagepolitik  des Fonds umsetzen. Also muss man im Sinne des Anlegerschutzes die Fonds liquidieren.

Wie hoch ist das Volumen der Fonds? Und wie viele Kunden sind betroffen?

Das verwaltete Volumen liegt bei rund 2,4 Milliarden Euro. Betroffen sind etwa eine Millionen Kunden.

Dann ist Ihnen die Entscheidung sicherlich nicht gerade leicht gefallen.

Klar. Man hat dann natürlich immer das Risiko, dass das Geld woanders hingeht und nicht zurück zu uns. Der Kunde hat den Fonds außerdem einmal gewählt, weil er die Anlagestrategie gut fand mit der Garantie und der Aktienpartizipation. Aber wir propagieren nun schon seit einiger Zeit, dass Garantien und Aktieninvestments momentan einfach nicht mehr zusammen funktionieren. Letzten Endes tun wir allen Beteiligten damit einen Gefallen. Es ist die sauberste Variante, den Fonds zu liquidieren. Weil man den Kunden dadurch praktisch dazu zwingt, sich für einen neuen Fonds zu entscheiden. Sonst erreichen wir nie alle Kunden. Sonst gibt es immer welche, die arglos Jahre lang abwarten und dann feststellen, dass der Fonds die vergangenen Jahre keine Performance gebracht hat. Dann ist der Schaden aber schon passiert.

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Was machen Sie, wenn der Garantiewert bis zum 18. November nicht erreicht ist?

Wir liquidieren den Fonds zum erreichten Höchststand. Wenn der Fonds zum Garantietag unter der Garantie liegt, füllen wir die Differenz aus Eigenmitteln auf.

Wird das eine teure Angelegenheit?

Ein paar Millionen Euro wird das sicherlich kosten.

Könnte das Schicksal auch weitere Fonds ereilen?

Seit wir uns entschieden haben, diese Teilfonds zu liquidieren, gab es noch einmal einen Verfall an den Zinsmärkten. Je tiefer die Zinsen fallen, desto schneller können weitere Fonds in die gleiche Situation gelangen. Wir haben noch die Fonds 2026 bis 2031 – irgendwann könnte es auch diese Teilfonds treffen. Ob das nächstes Jahr oder erst in einigen Jahren der Fall sein wird, kann man jetzt noch nicht sagen.

Welche Fonds bieten Sie als Alternativen an?

Das hängt vom Anlagehorizont des Kunden ab. Der Flexpension 2016 wird, wie der Name schon sagt, in diesem Jahr fällig. Das heißt, er hat noch ein paar Monate Lebensdauer. Für Kunden, die in diesem Fonds investiert sind, eignet sich also am ehestem ein Geldmarktfonds, bis die Police fällig ist. Wenn der Kunde ein bisschen mehr Risiko vertragen kann, etwa mit zwei Jahren Anlagehorizont, stehen ihm zwei weitere Garantiefonds zur Verfügung – der DWS Funds Global Protect 90 (WKN: DWS1TH) und 80 (A0B9ER) mit einer 90- beziehungsweise einer 80-prozentigen Garantie. Die sind aktuell noch gesünder als die Flexpension-Fonds, funktionieren aber nach demselben Mechanismus. Und für noch längere Laufzeiten gibt es etwa Multi-Asset-Fonds wie den DWS Concept Kaldemorgen (DWSK00) oder den DWS Multi Opportunities (794814).

Was machen jetzt die Versicherer?

Die Versicherer entscheiden jetzt alle über die Sommerferien, ob und wie sie unseren Fondsempfehlungen folgen. Einer hat sich bereits für die DWS-Fonds entschieden und wird seinen Kunden zwei bis drei der von uns vorgeschlagenen Fonds vorschlagen.

Ein von uns befragter Versicherer hat die „äußerst kurzfristige und überraschende“ Info zur Liquidation bemängelt.

Bevor die Aufsicht die Liquidation nicht genehmigt, dürfen wir mit niemandem reden. Wenn jemand mitbekommt, dass wir Fondspolicen-Anleger oder Versicherer informieren, aber nicht auch gleich alle anderen Anleger – dann bekommen wir richtig Ärger mit der Aufsicht. Für die Aufsicht ist das übrigens gar nicht üblich, dass man so viel Vorlauf einplant. Die dachten, wir machen die Fonds in drei bis vier Wochen dicht. Wir haben lange diskutiert, damit wir Aufschub bekommen, weil ja noch einiges gemacht werden muss – die Vermittler anschreiben, die Kunden anschreiben, die Reaktion der Kunden abwarten und so weiter.

Wir haben im Übrigen aber alle Versicherer im vergangenen Sommer darauf hingewiesen, dass wir über solche Schritte nachdenken. Wir haben sogar alternative Lösungen diskutiert wie zum Beispiel ein Herabsetzen der Garantie in bestimmten Marktbedingungen. Praktisch alle haben sich für eine Liquidation ausgesprochen, weil es der sauberste Weg für alle ist.


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