Argumentationshilfe für Berater

Fünf Gründe, warum die Pokémon-Police nichts taugt

Vor wenigen Tagen brachte das Berliner Start-Up Knip die erste Pokémon-Versicherung auf den Markt. Ein netter Marketing-Gag, aber kein sinnvolles Produkt für die Kunden, meint Versicherungsmakler Sven Hennig. Er bietet seinen Kunden Geld an, damit sie dieses Produkt nicht abschließen und sich stattdessen richtig gegen Unfälle absichern.
© privat
Sven Hennig ist Versicherungsmakler aus Bergen auf Rügen.

Rund 10 Millionen Menschen weltweit spielen das Augmented-Reality-Spiel Pokémon Go. Für den Fintech-Anbieter Knip die perfekte Zielgruppe für eine originelle Versicherungs-Police. Der Berliner Start-Up stellte am Dienstag die weltweit erste Pokémon-Versicherung vor.

Die Pokémon-Police, die Knip im Auftrag von Barmenia vertreibt, kommt für Unfallschäden auf und deckt typische Pokémon-Risiken – also Unfälle durch Unachtsamkeit – ab. Sie zahlt bei Invalidität des Versicherten 30.000 Euro, bei dessen Tod 10.000 Euro und ist für Neukunden noch bis Mitte August kostenlos.

Ein tolles Angebot? Nicht für Versicherungsmakler Sven Hennig. In seinem Blog nennt der Versicherungsexperte fünf Gründe, warum die Police nichts taugt und einer herkömmlichen Unfallversicherung deutlich unterlegen ist.

1. Um in den Genuss der kostenlosen Versicherung zu kommen, müssen die Neukunden sich die App laden und damit Knip Kunde werden. Sie müssen ein Maklermandat bei Knip unterschreiben und damit ihren bisherigen Berater oder Vertreter rauswerfen. Damit werden ihre Verträge durch Knip betreut. Mindestens eine Police muss in der App enthalten sein und von Knip verwaltet werden, also in den Bestand von Knip übergehen.

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Auf der anderen Seite stehen 35 Euro, die die Kunden durch den kostenlosen Vertrag sparen können. Ist die jahrelange vertrauensvolle Zusammenarbeit mit dem bisherigen Berater den Kunden nicht mehr wert? fragt Hennig. Welche Folgen es außerdem für den Kunden hat, den bisherigen Berater vor die Tür zu setzen, erläutert er in einem gesonderten Blog.

2. Doch nehmen wir mal an, der Kunde will tatsächlich wechseln. Dann sollte er sich besser bei der Knip-Konkurrenz umschauen, rät Hennig. Den die bietet für den Wechsel mehr. „Für eine Kundenempfehlung bei Clark gab es einige Zeit lang bis zu 150 Euro Prämie für den Werber. Anders gesagt, es gab 4 solcher Unfallversicherungen a 35 Euro Jahresbeitrag“, schreibt der Versicherungsmakler.

3. Weitere Probleme liegen in den Versicherungsbedingungen. Denn bei der  Pokémon-Police handelt es sich um eine Unfall-Versicherung. Diese leistet nur bei Invalidität – also einer dauerhaften Beeinträchtigung der Leistungsfähigkeit durch den Unfall. Für die Berechnung einer Zahlung gilt in der Unfallversicherung die so genannte Gliedertaxe, erklärt Hennig und rechnet ein paar Fälle durch.

•    Arm max. 70% von 30.000 Euro = maximal 21.000 Euro

•    Hand max. 60% von 30.000 Euro = maximal 18.000 Euro

•    Auge max. 80% von 30.000 Euro = 24.000 Euro

•    Gehör auf einem Ohr 50%, auf zwei Ohren 80% (nicht 100!)

„Was passiert bei einer vollständigen Erblindung oder dem Verlust des Hörens auf beiden Ohren durch einen Unfall? Gigantische 24.000 Euro werden ausgezahlt“, schreibt der Versicherungsmakler. Da der Kunde in diesem Fall höchstwahrscheinlich langfristig weniger Einnahmen und mehr Ausgaben haben wird, wird er das Geld nicht auf einmal ausgeben, sondern langfristig davon leben wollen.

Das würde aber laut Hennig nicht funktionieren. Legt man diese 24.000 Euro langfristig zu 3 Prozent jährlich an, entspricht das 720 Euro Zinsen im Jahr oder 60 Euro im Monat, rechnet der Experte vor. „Was fangt Ihr damit an?“

4. Dass eine Unfallversicherung mit einer höheren Auszahlungssumme bei Invalidität sinnvoller wäre, dürfte wohl vielen Kunden einleuchten. Viele halten eine solche Police aber für viel zu teuer. Ist sie aber nicht, meint Hennig. „500.000 Euro bei Vollinvalidität ist problemlos bei guten Bedingungen für 85 Euro Jahresprämie, also 7 Euro im Monat zu bekommen, verbesserte Bedingungen, mehr Leistung und weniger Ärger.“

5. Wer bereits eine Unfallversicherung hat, sollte sich erst recht nicht mit der Pokemon-Police beschäftigen. „Natürlich zahlt auch ein bestehender Unfallschutz für Eure Unfälle wähnend des Pokémon Go Spielens, es sei denn es greifen Ausschlüsse oder Einschränkungen“, so Hennig.

Hennigs Fazit: Die Police ist nicht mehr als ein kreativer Marketing-Gag, fasst Hennig zusammen – und springt selbst auf den Zug auf. Um seine bestehenden oder neuen Kunden von der Sinnlosigkeit der Police und des Makler-Wechsels zu überzeugen, bietet der Makler ihnen 35 Euro an, wenn sie die Police nicht abschließen und sich stattdessen von ihm eine „ordentliche und bedarfsgerechte“ Unfallschutz-Versicherung vermitteln lassen.

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